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Citroen 2 CV – Die Ente wird 70

| Autor / Redakteur: sp-x / Benjamin Kirchbeck

Vor 70 Jahren ist Citroens Ente geschlüpft. Ein preiswertes, unprätentiöses Minimalauto, das es aber nicht am Fahrkomfort fehlen ließ – und am Faltdach als Symbol der Freiheit. Damit wurde der 2 CV meistgebauter Citroen aller Zeiten und Ideengeber für eine Familie, die über Dyane und Pluriel bis zum neuen Cactus reicht.

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Die Ente zählt zu den großen Autoklassikern.
Die Ente zählt zu den großen Autoklassikern.
(Bild: Citroen)

„Endlich wieder ein echter Citroen, unverwechselbar und minimalistisch wie die Ente!“, feierten Fachmedien vor vier Jahren den C4 Cactus. Zu früh gefreut, denn dieser C4 war den Kunden zu frugal. Passend zum 70. Geburtstag des legendären 2 CV soll deshalb ein neuer, komfortbetonter Cactus die gigantischen Fußabdrücke der federweich abgestimmten Ente ausfüllen. Ob es aber jemals gelingen wird, die revolutionäre Idee dieses bis heute erfolgreichsten Citroen mit neuem Leben zu füllen? Immerhin rollten bis 1990 über fünf Millionen 2 CV als ebenso simpel gehaltene wie skurril gezeichnete Limousinen und Lieferwagen von den Bändern.

Ein preiswerter und pragmatischer Citroen, den die Presse bei der Premiere im Pariser Grand Palais 1948 satirisch beschrieb als „Konservendose, Modell freies Campen für vier Sardinen“. Was die Nachfrage offenbar noch förderte, nahmen frühe 2-CV-Käufer doch bis zu sechs Jahre Lieferzeit hin. In Deutschland wurde der Zweizylinder erst zum Inbegriff des exzentrischen Galliers und dann zum unverzichtbaren Vehikel von Lebenskünstlern und der Studentenbewegung.

Trotz hoher Rostanfälligkeit ist der kompakte Viertürer mit riesigem Rolldach bis heute unvergessen. Noch ein Kunststück gelang der Ente à la Citroen: Sie überlebte ihre Kinder und designierten Nachfolger, wie Ami, Dyane, Méhari, LN und Visa. Aber auch Namen jüngerer Erben wie AX und Pluriel sind längst verweht.

Im Reigen der Geburtstagsgratulanten sollen die Enten-Abkömmlinge trotzdem nicht fehlen, schließlich verkörpern sie zumindest zwei Philosophien ihres Vorbilds: Ein unkonventionelles Konzept und Komfort zu kleinen Kosten. Nicht mangeln durfte es bei Enten-Küken wie Citroen Dyane (ab 1967), LN (ab 1976) oder Visa (ab 1978) außerdem an dem bewährten, wenn auch schwachbrüstigen Boxermotor mit seinem Schnattersound. Bis zu 300.000 Kilometer schlägt so ein kleines Entenherz mit seinen im 2 CV maximal 21 kW/29 PS.

Ein entsetzter Präsident

Auch die Protestnote gegen das PS-Establishment war beim Entennachwuchs stets präsent. So überraschte der 2-CV-Sprössling Méhari im Jahr 1968 mit federleichter, aber nicht feuerfester Kunststoffkarosserie für Jagd und Strand, während die exaltierte Z-Designlinie des Ami 6 mit inverser Rückscheibe (ab 1961) oder die luftgepolsterten Karosserieflanken des C4 Cactus (ab 2014) bei den meisten Betrachtern ratlose Blicke bewirkten.

Eine Ente à la nouvelle cusine präsentierte 2002 dagegen der Citroen Pluriel im rundlichen 2-CV-Retrolook. Mit ihm konnten Kleinwagenfahrer ihr Auto erstmals in fünf unterschiedlichen Karosserieformen nutzen. Ob Dreitürer, Pick-up, Cabriolimousine, Vollcabrio oder Spider, der wandelbare Pluriel war für jede surprise gut – Basteltalente seiner Besatzung beim Umbau der Karosserieteile vorausgesetzt.

Überraschungsmomente gehörten auch beim 2 CV von Beginn an dazu. So fragten sich die Besucher beim Pariser Salon 1948, ob dieses kurios geformte Anti-Traumauto wirklich ernst gemeint war. Allen voran der französische Staatspräsident Vincent Auriol, dessen Gesichtszüge regelrecht entgleisten als er sich in den Fond des hässlichen Entleins setzen sollte.

Tatsächlich schien der Sozialist Auriol in diesem Moment vergessen zu haben, das der Citroen 2 CV ein von der Politik schon lange eingefordertes Volksfahrzeug war. Die einfache Karosserie auf Kastenrahmen machte das Auto bezahlbar und der anfangs gerade einmal 7 kW/9 PS entwickelnde 375-Kubikzentimeter-Boxermotor den Unterhalt erschwinglich.

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