E-Auto für die Stadt Carsharing-Stromer „Sven“ soll mit Verspätung kommen

Autor Svenja Gelowicz

Ein Fahrzeug, das speziell für Carsharing entwickelt wurde und ein Versorgungsunternehmen, das dafür bereits ein zeitgemäßes Mobilitätsangebot gestrickt hatte: Aus den ambitionierten Plänen zweier Partner ist nicht mehr viel übrig als politisches Gezanke. Das Fahrzeug soll dennoch kommen, wenn auch deutlich später als geplant.

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E-Auto Sven: Eigenentwicklung für Carsharing.
E-Auto Sven: Eigenentwicklung für Carsharing.
(Bild: FEV)

Der erste Auftritt selbst war klassischer Art: Auf der Autoshow Genfer Salon hatte der Entwicklungsdienstleister FEV im Jahr 2019 erstmals den „Sven“ der Öffentlichkeit präsentiert. Eher unkonventionell mutete allerdings das Fahrzeug und vor allem sein Einsatzzweck an. Denn Sven, kurz für „Shared Vehicle Electric Native“, wurde von der FEV-Mobilitätstochter Share2drive, eine Ausgründung der Universität Aachen, eigens für Carsharing entwickelt. Robuste Materialien, die einfach zu reinigen sind, sollen das Fahrzeug beispielsweise für das geteilte Fahren tauglich machen. Mit nur 2,50 Metern Länge soll das Fahrzeug wenig Platz in Städten einnehmen und dank Solarzellen im Dach sogar eigenen Strom produzieren können. Sensorik wie Kamera und Radar könnten sogar automatisierte Fahrfunktionen ermöglichen. Die Entwickler gestalten laut FEV gerade den Innenraum neu: Der soll künftig keimfreie Oberflächen erhalten

Eigentlich sollte das Fahrzeug genau jetzt in den Startlöchern stehen. In seiner damaligen Prognose peilte Share2drive, eine Ausgründung der Universität Aachen, das dritte Quartal 2021 an. Daraus wird nichts, wie FEV auf Anfrage von „Next Mobility“ mitteilte: „Die Carsharing-Branche ist stark von der Corona-Pandemie betroffen und stand in den vergangenen Monaten mehrfach praktisch still.“ Und weiter: „Obwohl das Interesse von Investoren an Sven unverändert groß ist, spürten wir die Corona-Auswirkungen natürlich auch bei den Verhandlungen und haben hier noch keinen Abschluss vollzogen.“ FEV rechne damit, dass Sven daher etwa zwei Jahre später kommen wird, als ursprünglich geplant.

Sven: Mönchengladbachs Versorger NEW ist wieder ausgestiegen

Dabei hatte Share2drive sogar bereits mit dem Mönchengladbacher Versorgungsunternehmen NEW AG einen Partner an der Hand. Die Kooperation, die 2018 gezeichnet wurde, ist allerdings geplatzt.

Die Pläne damals waren ambitioniert: „Wenn Kunden sagen, dass sie mit E-Carsharing anfangen wollen, bekommen sie von uns eine Ladesäule, eine App, und am Ende stellen wir ihnen auch das Fahrzeug vor die Tür“, erklärte NEW-Vorstandsvorsitzender Frank Kindervatter im Sommer 2019 im Gespräch mit unserem Schwestermagazin „Automobil Industrie“. „Wenn der Sven gebaut wird, liefern wir den.“ Die NEW-eigene Mobilitätsplattform Wheesy sollte das Carsharing-Angebot für Nutzer zugänglich machen. Sogar eine multimodale Verknüpfung mit anderen Angeboten des ÖPNV schwebte den Partnern vor.

Laut Berichten der „Rheinischen Post“ bleibt die NEW stattdessen auf 1,7 Millionen Euro sitzen. Das Thema sorgte über Monate in den lokalen Medien für Negativschlagzeilen. Ein Grund: Die NEW soll sich nach Einschätzung der Bezirksregierung auf rechtswidrige Weise – nämlich ohne Ratsbeschluss und Anzeige bei der Bezirksregierung – an der Sven-Entwicklung beteiligt haben. Der Versorgungsdienstleister musste sich daher mit einem dicken Minus von seinen Anteilen lösen.

Eine zweite Frage dreht sich laut „RP“ auch um ein anderes brisantes Thema: Nämlich, ob sich die NEW AG als großteils kommunales Unternehmen überhaupt an Share2drive beteiligen durfte. Denn anders als die Fahrzeugentwicklung diene die Produktion des Stromes keinem öffentlichen Zweck.

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