Wie verändert die Digitalisierung das Geschäftsmodell der Autobauer?

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Welche Rolle spielen für Porsche separate Organisationseinheiten wie die Porsche Digital GmbH, das Digital Lab oder Porsche Engineering im Rahmen der digitalen Transformation?

Dr. Rolf Zöller:Sie ermöglichen uns eine effiziente und gezielte Fokussierung auf die jeweils unterschiedlichen Entwicklungsphasen bei gleichzeitiger Horizonterweiterung. Die Porsche Digital GmbH steuert die frühe Phase. Dort werden Strategien ausgearbeitet und Produktideen bewertet, daraus Business Cases und Kundenerlebnisse entwickelt, und es wird definiert, mit welchen Partnern neue Funktionen am besten umgesetzt werden könnten.

Das Digital Lab kümmert sich darum, Methoden und Technologien anwendungsreif zu machen, und treibt damit die Tools und Prozesse für die Digitalisierungsprojekte voran. Porsche Engineering sehen wir als integralen Bestandteil für die Serienentwicklung des Entwicklungszentrums Weissach. Das betrifft sowohl die Software als auch Integration ins Fahrzeug und reicht vom Aufbau von Prototypen bis hin zu Tests und schlussendlich zur Validierung. Über all diese Themen hinweg agieren wir Hand in Hand und arbeiten effektiv und effizient zusammen.

Sicherheitsaspekte spielen bei zunehmender Digitalisierung eine immer stärkere Rolle. Wie begegnen Sie dieser Herausforderung?

Joachim Bischoff:Sicherheit ist seit jeher ein essenzieller Bestandteil der Fahrzeugarchitektur bei Porsche. Die klassische Fahrzeugsicherheit in Bezug auf Diebstahl und Manipulation wird nun erweitert um die IT-Sicherheit. Wir betrachten beides als kontinuierliches Thema, das nicht mit der Fahrzeugentwicklung und -auslieferung abgeschlossen ist, sondern laufend weiterentwickelt werden muss. Hierfür haben wir Fachbereiche aufgebaut, stellen IT- und Security-Experten ein und arbeiten mit etablierten Partnern aus diesem Umfeld zusammen.

Dr. Rolf Zöller:Der Luftschnittstelle kommt dabei eine zentrale Rolle zu: Sie ist einerseits gegen äußere Eingriffe abzusichern und ermöglicht andererseits selbst eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Sicherheit des Fahrzeugs durch Updates – genauso wie bei einem Smartphone. So stellen wir auch lange nach seiner Auslieferung an den Kunden die Sicherheit des Fahrzeugs sicher.

Wie gehen Sie bei zunehmender Datenvielfalt und –menge mit der Datenauswertung sowie dem Thema Datenschutz um?

Dr. Rolf Zöller:Wir nehmen beides sehr ernst. Schon vom ersten Tag an haben wir den Datenschutz in unserer Connected-Car-Organisation fest verankert. In allen Produkten ist der Schutz der Privatsphäre Bestandteil des Grunddesigns. Wichtig ist, dass der Kunde weiß, was mit seinen Daten geschieht und wann welche Daten genutzt werden. Privacy Modes stellen sicher, dass keine Daten mehr übertragen werden, wenn der Kunde es nicht wünscht. Damit gehen wir viel weiter als alle anderen Wettbewerber.

Wofür können die freigegebenen Daten verwendet werden?

Dr. Rolf Zöller:Wir haben viele Ideen, die unser Kernprodukt betreffen. Wie uns anonymisierte Daten aus der Fahrzeugflotte zum Beispiel dabei helfen können, unsere Fahrzeuge noch besser zu machen. Oder dass wir damit in der Lage sind, eine hochpräzise Karte etwa für Echtzeitverkehrsmeldungen zu generieren. Solche Daten werden auch einen wichtigen Beitrag zum autonomen Fahren leisten, weil sie eine spurgenaue Abbildung der Realität darstellen, die vor allem aktuell ist. Diese Daten werden übrigens bereits im Fahrzeug vor dem Senden anonymisiert.

Joachim Bischoff:Es wird auch von den einzelnen Funktionen abhängen, wie die Daten genutzt werden und wer sie bekommt. Wenn ein Fahrzeug eine Strecke blockiert und hinter einer Kuppe steht, wäre es moralisch verwerflich, diese Daten nur an Fahrzeuge der eigenen Marke weiterzugeben. Solche sicherheitsrelevanten Daten werden sicherlich unter den verschiedenen Marken ausgetauscht werden. Restriktiver sieht es aus bei Daten für Porsche-spezifische Funktionen. Sie mögen für andere Hersteller nicht von Interesse sein. Aber für einen Hochleistungssportwagen umso mehr. Und ein Porsche wird immer typisch Porsche bleiben.

* Der Text erschien im Porsche Engineering Magazin 1/2017

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