Wie verändert die Digitalisierung das Geschäftsmodell der Autobauer?

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Inwieweit verändert die Digitalisierung die traditionellen Geschäftsmodelle von OEMs?

Dr. Rolf Zöller:Sie werden sich ganz gravierend ändern. Sogenannte Enabler ermöglichen eine neue Produktsubstanz inner- und außerhalb des Fahrzeugs. Ein solcher Enabler ist zum Beispiel die „Over-the-Air“-Technologie. Damit können Softwareumfänge über die „Luftschnittstelle“ übertragen werden, um beispielsweise Kundenfahrzeuge zu aktualisieren.

So können wir nicht nur einen permanent aktuellen Zustand des Fahrzeugs gewährleisten, es eröffnen sich auch neue Möglichkeiten der Individualisierung. Als sogenannte Function on Demand stellen wir dem Kunden dann etwa zusätzliche und gegebenenfalls zeitlich begrenzte Dienste und Funktionen kostenpflichtig zur Verfügung.

Wie würde das konkret aussehen?

Dr. Rolf Zöller:Heute sind wir es gewohnt, ein Fahrzeug zu verkaufen und dafür einen unmittelbaren Umsatzerlös zu erzielen. In Zukunft werden wir davon ausgehen müssen, dass der Kunde seine Investitionssumme nicht komplett für den Fahrzeugkauf allein ausgibt, sondern über den Besitzzeitraum verteilt. Das bedeutet, dass wir permanent neue Funktionen oder Features über die Fahrzeuglebenszeit nachlegen müssen. Wir nennen das „Car for Life“-Konzept und erwarten davon ganz erheblich Veränderungen für unsere Prozesswelten und das Kundenerlebnis.

Was bedeutet das für den Kunden?

Joachim Bischoff:Das Mobilitätserlebnis erweitert sich. Für den Kunden eröffnen sich völlig neue Möglichkeiten in Bezug auf die Fahrzeugnutzung, beispielsweise durch Car-Sharing-Konzepte, und ihm stehen zusätzliche Serviceleistungen auf Abruf zur Verfügung.

Dr. Rolf Zöller:Der erfolgreiche OEM wird sich in Zukunft dadurch auszeichnen, dass er die Balance zwischen den neuen und seinen traditionellen Geschäftsfeldern findet, denn die klassischen Anforderungen an die Fahrzeuge werden weiter bestehen. Und insbesondere für einen Porsche gilt: Ein Sportwagen muss auch in Zukunft ein Sportwagen sein.

Wie sieht also Ihrer Vorstellung nach die digitale Porsche-Produktwelt im Jahr 2025 aus?

Dr. Rolf Zöller:Der Fahrzeugverkauf steht nach wie vor an erster Stelle. Wir werden jedoch verstärkt Dienste und Dienstpakete als zusätzliche Produkte für die Individualisierung eines Fahrzeugs ermöglichen und anbieten. Der Kunde kann ein Gesamtpaket erwarten, das speziell auf ihn ausgelegt und damit besonders ist. Kurz gesagt: Wir schaffen ein persönliches Ecosystem für den Kunden, über das er ständig in jeder erdenklichen Weise mit seinem Fahrzeug, den erweiterten Funktionen und mit uns in Verbindung stehen kann.

Auf welche Themen legt Porsche dabei einen besonderen Fokus?

Dr. Rolf Zöller:Wir konzentrieren uns insbesondere auf Funktionen und Dienste, die durch unsere Kernkompetenzen und Markenspezifika gekennzeichnet sind. Beispielsweise auf Funktionen wie die bereits heute erhältliche Porsche Track Precision App, die auf abgesperrten Strecken außerhalb des öffentlichen Verkehrsraums eine detaillierte Anzeige, Aufzeichnung und Analyse der Fahrdaten auf dem Smartphone ermöglicht.

Joachim Bischoff:Auch Fahrwerksfunktionen könnten durch neue Features erweitert werden: Wenn ein Kunde auf bestimmten Strecken dynamischer unterwegs sein möchte, könnte er das Fahrzeug-Set-up beispielsweise anhand speziell zur Verfügung gestellter Daten darauf gezielt konditionieren.

Dr. Rolf Zöller:Wir finden zum Beispiel auch das Thema Premium-Parken für unsere Kunden extrem wichtig. Insbesondere bei dichtem Verkehr in den Innenstädten ist es ein großer Vorteil, wenn man Hilfe jeder Art beim Parken hat. Unser Ziel ist es dabei immer, das Porsche-Ecosystem zu berücksichtigen und ganzheitlich weiterzuentwickeln.

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