Welt in 3D: Auf dem Weg zum autonomen Fahren

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Fahrzeug bleibt eine „robuste“ Maschine

BMW stellt dafür bereits 2018 anonymisierte Sensordaten zur Verfügung und kooperiert dabei wiederum mit der israelischen Firma Mobileye, einer Intel-Tochter, die in der computergestützten Bilderkennung weltweit führend ist. Die Idee: Die BMW Flotte liefert kamerabasierte Umgebungsinformationen in Echtzeit. Diese werden im Backend aggregiert und zur Aktualisierung der hochgenauen Karte verwendet. Das Crowdsourcing auf den Straßen hätte große Vorteile: Sobald größere Flotten mit ausreichend Sensoren zur Verfügung stehen, wird es möglich sein, das Material immer auf dem aktuellsten Stand zu halten. Die Karte wird echtzeitfähig.

Klaus Büttner ist es angesichts der jüngsten Fortschritte wichtig, zu differenzieren: Ein Automobil sei auch in Zukunft nicht das Gleiche wie ein Rechner. Das Fahrzeug müsse eine „robuste“ Maschine bleiben, absolut verlässlich und sicher. Zum Beispiel müsse es auch ohne Connectivity noch seine wesentlichen Funktionen erfüllen und „in jeder Situation sicher zum Stehen kommen“. Es gebe Beobachter, die glaubten, hochautomatisiertes Fahren sei bereits aus der Testphase heraus. Wenn er gefragt wird, was die nächsten Schritte für BMW seien, sagt Büttner: „Wir fahren jetzt noch viele Millionen Kilometer, um Qualität und Sicherheit der Funktion zu gewährleisten.“

Als vor Kurzem ein Rechner in Go, dem schwierigsten Brettspiel der Welt, den besten chinesischen Spieler besiegte, war das einer dieser Schlüsselmomente, in denen die Zukunft bereits heute greifbar wird. Für viele Menschen birgt die Idee intelligenter Fahrzeuge dasselbe Moment der Verunsicherung: Warum überhaupt sollten Automobile selbstständig fahren? Kann nicht ein guter menschlicher Fahrer besser, weil intuitiver reagieren – ganz abgesehen von der Freude, die es macht, ein Fahrzeug souverän zu kontrollieren? Wieso sollten wir dieses Feld den Rechnern überlassen? Doch Lenkräder wird es noch sehr, sehr lange geben. Automobile werden uns auf Strecken unterstützen, auf die wir keinen Wert legen. Die erste Generation wird uns auf Autobahnen ermöglichen, nicht immer selbst zu fahren. Eine spätere Generation wird uns so durch den städtischen Berufsverkehr bringen, dass wir die Zeit in ihnen besser nutzen können als heute.

Menschenfreundlichere Zukunft

Für Mobilitätsdienste in Städten ist automatisiertes Fahren besonders attraktiv. Das Leben in Städten könnte durch intelligentere Fahrzeuge enorm gewinnen. Brad Templeton, der Mobilitätsexperte der Denkfabrik Singularity University im Silicon Valley, hat vor Kurzem darüber geschrieben, wie das Parken in Städten einmal besser organisiert werden könnte: Heute wolle noch ­jeder beim Einkaufen in Gehweite zum Ziel parken. „Shopping-Malls sind deshalb von großen Parkflächen umgeben, die nur zu den Spitzenzeiten, etwa rund um Weihnachten, ganz ausgenutzt werden.“ Eine Platzverschwendung also. Intelligentere Fahrzeuge könnten daran etwas ändern – indem sie Passagiere am Ziel absetzen und während des Einkaufs weiter entfernt parken oder Strom tanken.

Das Ergebnis wäre mehr Komfort. Und eine Flächennutzung, die nicht automobilfreundlicher, sondern menschenfreundlicher ist. Templeton hält eine Zukunft für wahrscheinlich, in der Individualverkehr nicht mehr aus den Innenstädten verbannt werden muss – „und Autos in den Städten weit mehr Akzeptanz genießen als heute“. Bis dahin wird es noch eine Weile dauern. Das Wissen und die Werkzeuge für diese Zukunft aber gibt es schon. Der erste Schritt ist gemacht. Die nächsten Levels sind in Sichtweite.

Der Beitrag erschien im Original im BMW Magazin

* Marc Deckert ist Textchef beim BMW Magazin

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