Speicherchips werden in der Automotive-Branche zunehmend zum Kostentreiber – vor allem in China. Deutlich steigende Preise für DRAM- und NAND-Bausteine setzen Hersteller unter Druck und verschärfen den Wettbewerb um verfügbare Kapazitäten.
Speicherchips werden in China aktuell von der Presse als digitales Gold bezeichnet.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)
In der chinesischen Autoindustrie haben Speicherchips einen neuen Spitznamen. „Digitales Gold“ nennt sie die chinesische Fachpresse inzwischen, weil ihre Preise noch schneller steigen als der für das Edelmetall. Ein 8-GB-eMMC-Chip von Samsung, der Anfang des Jahres noch rund 50 US-Dollar gekostet hat, sei inzwischen mit rund 100 Dollar doppelt so teuer geworden, berichtet das Wirtschaftsmagazin 21 Shiji Jingji Baodao. Solche Chips stecken in Infotainment-Systemen von Fahrzeugen und vielen anderen digitalen Instrumenten.
Die Preise für automotive DDR4- und DDR5-Chips seien seit September 2025 sogar um 150 beziehungsweise 300 Prozent gestiegen, schreibt TrendForce. Chips für die Autoindustrie sind in der chinesischen Halbleiterbranche einmal mehr zum überragenden Gesprächsthema geworden.
Das Gedächtnis fürs Auto
Speicherchips sind zwar nur ein kleiner Teil der tausenden Halbleiter, die in einem modernen Auto verbaut sind. Sie sind jedoch für „Erinnerung und Denken“ zuständig, wie es einer der Berichte recht anschaulich ausdrückte. DRAM (Dynamic Random Access Memory) übernimmt in einem intelligenten Cockpit die Echtzeitverarbeitung von Daten und bei autonomen Fahrfunktionen das „Wahrnehmungs-Computing“, ähnelt also dem Arbeitsspeicher eines Laptops.
LPDDR (Low-Power DDR), die stromsparende Variante, ist in den digitalen Cockpits bereits Standard. NAND-Flash speichert Navigations-, Unterhaltungs- und Logdaten. Typische Bauformen sind eMMC (embedded MultiMediaCard) und UFS (Universal Flash Storage). HBM, also High-Bandwidth Memory, wird zunehmend in Premium-Modellen verbaut, damit die immer größeren KI-Modelle direkt in den Autos selbst laufen können.
KI-Boom ist wieder der Preistreiber
Chinesische Speicherhersteller werden dazu angehalten, die Speicherkrise für heimische Automobilhersteller abzufedern.
(Bild: Asia Waypoint)
Hinter dem aktuellen Preisschub stehen zwei Entwicklungen, die sich gegenseitig verstärken. Samsung, SK Hynix und Micron, die zusammen momentan rund 90 Prozent des globalen DRAM-Marktes kontrollieren, verlagern einen Teil ihrer Fertigungskapazitäten zu den Betreibern von KI-Rechenzentren. Dort gibt es momentan eine enorme Nachfrage.
Der Automobilbedarf macht Schätzungen zufolge weniger als fünf Prozent des globalen Marktes für Speicherchips aus. Allerdings wächst er immer weiter, weil intelligente Cockpits und End-to-End-Modelle für das autonome Fahren immer mehr Kapazität verschlingen. Autohersteller sehen sich momentan jedenfalls in einer ungewohnten Konkurrenz mit den finanzstarken und von Investoren bevorzugten Betreibern von KI-Rechenzentren. „Wir können einfach nicht mithalten. Deren Investitionen gehen in die Hunderte von Milliarden Dollar“, sagte Li Bin, Gründer und CEO von NIO, gegenüber Journalisten.
Speicherkrise zieht weiter Kreise
Unabhängig von der Branche, aus der die Bestellungen kommen, herrscht weltweit ein Mangel an Speicherchips. Dieser könnte unter anderem wegen bekannter Engpässe bei Silizium-Wafern bis 2030 anhalten, wie der Chef der SK Group, Chey Tae-won, kürzlich auf der Nvidia-Konferenz GTC im kalifornischen San José voraussagte.
Viele Einkäufer erinnert diese Lage erneut an die Zeit der Corona-Pandemie. Sie waren damals gezwungen, auf der Suche nach Chips um die halbe Welt zu reisen. Er sei damals sechsmal von China in die USA geflogen, um sich Lieferzusagen für Halbleiter zu sichern, sagte der Lotus-CEO Feng Qingfeng dem chinesischen Wirtschaftsmagazin.
Die ersten Autobauer geben den Preisdruck bereits an ihre Kunden weiter. Chery hob im März den Preis der Top-Version seines Exeed ET5 um 5.000 Yuan (rund 630 Euro) an. BYDs Sea Lion 06 EV wurde um 6.000 Yuan (rund 760 Euro) teurer, obwohl dies auch mit gewissen Updates begründet wurde.
Andere Hersteller zögern noch, denn der Preiskampf im chinesischen Automarkt ist hart. Viele haben ohnehin langfristige Lieferverträge mit Chipherstellern abgeschlossen, was den Preisschock erst einmal verzögert. Beispiele seien Verträge von Li Auto und Zeekr mit Micron oder von VW und Hyundai mit Samsung, berichten chinesische Automedien.
Den Preisschock abfedern
Chery versucht, seine Gesamtkosten offenbar auf andere Art zu kontrollieren, um die Preissteigerung bei den Chips auszugleichen. Der Hersteller ersetze in seinen Kabelbäumen Kupfer durch das leichtere und billigere Aluminium, heißt es. Langfristig aber gibt es kaum ein Entkommen. „Es ist egal, mit wem man unterzeichnet. Wenn die Preise steigen, steigen sie für alle. Das ist nicht zu vermeiden“, zitiert das Wirtschaftsmagazin den Leiter „Intelligent Driving“ eines chinesischen Autobauers. „In der Realität steigen die Fahrzeugkosten für alle.“
Stand: 08.12.2025
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Die Preise steigen für die gesamte Elektronikindustrie. Die für NAND-Flash seien innerhalb eines halben Jahres bis auf das Zehnfache gestiegen, schreibt DigiTimes Asia. Oppo und Vivo haben für ausgewählte Smartphone-Modelle ab März bereits Preisanpassungen angekündigt. Die chinesische Regierung versucht, die Preisschwankungen zu dämpfen. CXMT und YMTC, die beiden heimischen Marktführer bei Speicherchips, sind von den Behörden in Peking schon zum zweiten Mal einbestellt und um „strategische Unterstützung“ für chinesische Hersteller gebeten worden, berichtete DigiTimes Asia.
Die Preise werden jedoch vorwiegend anderswo gesetzt. Chinesische Hersteller holen allmählich auf, halten am globalen Markt für automotive Speicher aber derzeit noch weniger als fünf Prozent. Die größten internationalen Hersteller von Speicherchips melden unterdessen Rekordprofite. SK Hynix hat seinen Nettogewinn 2025 dem eigenen Geschäftsbericht zufolge mehr als verdoppelt, auf rund 27 Milliarden Euro. Bei Samsung Electronics stieg der operative Gewinn der Halbleitersparte im vierten Quartal 2025 um 465 Prozent, schreibt 21 Shiji Jingji Baodao. Bei Micron stieg die Bruttomarge 2025 von 23,7 auf 40,9 Prozent im Vergleich zum Jahr davor. (sb)