Mobilität Was Blablacar mit einer 97-Millionen-Euro Geldspritze vorhat

Autor: Christoph Seyerlein

Carpooling hat die Corona-Pandemie nicht ganz so hart getroffen wie andere Mobilitätsangebote. Dementsprechend sieht sich Blablacar auch als Krisengewinner. Doch die Franzosen bauen längst nicht mehr nur auf ihr Kernbusiness.

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Blablacar ist als Mitfahr-Vermittler bekannt. Doch auch im Bus-Geschäft ist das Unternehmen inzwischen aktiv.
Blablacar ist als Mitfahr-Vermittler bekannt. Doch auch im Bus-Geschäft ist das Unternehmen inzwischen aktiv.
(Bild: Blablacar)

Blablacar ist den meisten vor allem als Mitfahrgelegenheitsvermittler ein Begriff. Doch wie viele andere Mobilitätsanbieter, streben auch die Franzosen längst in andere Felder. Multimodal lautet das Gebot der Stunde. Beispielsweise ist das Unternehmen inzwischen auch im Fernbusgeschäft aktiv.

Um weiter expandieren zu können, benötigte Blablacar Geld. Und das bekommt die Firma nun auch: Neben Altinvestor VNV Global haben mit Otiva und FMZ Ventures zwei neue Geldgeber in das Unternehmen investiert. Insgesamt sammelte Blablacar auf dem Weg 97 Millionen Euro ein. Die Bewertung des Unternehmens stieg damit nach eigenen Angaben auf zwei Milliarden Dollar (rund 1,7 Milliarden Euro).

Unser Community-basiertes Modell mit null Fixkosten und einem flexiblen Netzwerk geht als klarer Sieger hervor.

Nicolas Brusson

Im Vergleich zu anderen Mobilitätsanbietern und -formen hat die Corona-Krise bislang nicht ganz so hart getroffen. Co-Gründer Nicolas Brusson erklärte: „Unser Community-basiertes Modell mit null Fixkosten und einem flexiblen Netzwerk geht als klarer Sieger hervor.“

Insgesamt haben sich bei Blablacar bislang mehr als 90 Millionen Menschen registriert. Aktiv ist das Unternehmen in 22 Ländern. Vor allem außerhalb Europas verzeichnete Blablacar zuletzt Wachstum. Tragende Säule des Geschäfts ist nach wie vor das Carpooling. Rund 50 Millionen Kunden nutzten den Dienst allein im vergangenen Jahr.

Bus-Geschäft wird ausgebaut, Zug-Geschäft wird aufgebaut

Doch wie erwähnt stellt sich Blablacar inzwischen breiter auf. Vor zwei Jahren übernahm das Unternehmen Ouibus, die Fernbussparte der französischen Staatsbahn. In der Folge stießen die Franzosen eine Bus-Expansion unter dem Namen Blablabus an. In Deutschland zählen sie mittlerweile zu den wenigen Konkurrenten von Platzhirsch Flixbus.

Obwohl gerade jener Geschäftsbereich nach wie vor unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie leidet, baut Blablacar die Bussparte nun weiter aus. In den kommenden eineinhalb Jahren soll sich die eigene Bus-Flotte verdoppeln. Außerdem kauft das Unternehmen die ukrainische Firma Octobus auf. Diese hat ein Bestandsmanagementsystem entwickelt. Das soll helfen, die Busbereitstellung zu digitalisieren. In vielen Ländern gibt es Bustickets nach wie vor hauptsächlich offline zu kaufen. Entsprechend ineffizient kann das Geschäft sein. Blablacar will das ändern.

Darüber hinaus fasst der Mobilitätsanbieter auch Züge ins Auge. Noch Ende dieses oder Anfang nächstes Jahr soll es damit soweit sein. Mittelfristiges Ziel ist eine Plattform, auf der Kunden die verschiedenen Angebote gebündelt finden.

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 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Fachredakteur Next Mobility