Nutzerbefragung Was bei Elektroautos noch nicht rund läuft

Autor: Andreas Wehner

Die ersten E-Auto-Käufer waren Überzeugungstäter, die für den Umstieg auf die E-Mobilität auch Nachteile in Kauf genommen. Mit einer wachsenden Zielgruppe verändern sich auch die Ansprüche der Nutzer. Eine Studie hat herausgefunden, wo die E-Auto-Fahrer Verbesserungsbedarf sehen und welche Modelle am besten ankommen.

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Viele Fahrer von Elektroautos sehen derzeit noch Verbesserungspotenzial bei ihren Fahrzeugen.
Viele Fahrer von Elektroautos sehen derzeit noch Verbesserungspotenzial bei ihren Fahrzeugen.
(Bild: BMW)

Viele Fahrer von Elektroautos sehen bei ihrem Modell noch Verbesserungsbedarf. Das geht aus einer Studie hervor, die das Beratungsunternehmen Uscale zusammen mit der E-Auto-Vermietung Nextmove durchgeführt hat. 2.800 E-Auto-Fahrer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz machten in einer Nutzerbefragung Angaben zu ihren Nutzungsgewohnheiten, Erfahrungen, Problemen und Wünsche.

Laut Studie identifizierten die E-Auto-Fahrer verschiedene Problemschwerpunkte, bei denen sie den größten Handlungsbedarf für die Hersteller sehen. Die fünf wichtigsten sind:

  • 1. Reichweite und Ladeleistung
  • 2. E-spezifische Bedienelemente
  • 3. Connectivity und Software
  • 4. allgemeine Fahrzeugqualität
  • 5. Ausstattung und Modellvielfalt

Die Studie nennt mehrere Beispiele, bei denen die Nutzererwartungen deutlich verfehlt werden. So bieten die meisten Hersteller Konnektivitäts-Apps an, die nicht nur zu einem zentralen Bedienelement für das Lademanagement werden, sondern auch für die Standortbestimmung oder eine Vorklimatisierung des Innenraums genutzt werden. Nur knapp ein Drittel der Nutzer bewertet die Zuverlässigkeit der App als gut. 37 Prozent klagen über Funktionsfehler, 27 Prozent über Verbindungsprobleme.

Auch bei der Routen- und Ladeplanung erfüllen die Autos oft nicht die Anforderungen. So enthalten die Hersteller-Navigationssysteme zwar für gewöhnlich Ladesäulen als Sonderziele. Funktionen zur Ladeplanung entlang der Route bieten aber nur wenige Systeme.

Zudem ist laut Studie häufig die Unterbringung des Ladekabels nicht gut gelöst. Wer öffentlich lädt, muss das Kabel häufig herausholen. Ein Stauraum unter dem Ladeboden ist hier beispielsweise ungeeignet. Nur 39 Prozent der Befragten bewerten die Unterbringung des Ladekabels als gut.

Und manchmal sind es auch vermeintliche Kleinigkeiten, die für Unzufriedenheit sorgen. So wünschen sich 73 Prozent der E-Auto-Nutzer eine Anzeige der restlichen Reichweite und gleichzeitig des verbleibenden Akkustands in Prozent. Viele Modelle zeigen aber nur eine der beiden Informationen an. Tesla-Fahrzeugen können zwar beide Werte ausgeben, es lässt sich aber nur einer gleichzeitig ablesen. Hier wäre leicht Abhilfe zu schaffen.

Tesla hat die zufriedensten Fahrer

Die Zufriedenheit der Nutzer mit dem Fahrzeug insgesamt ist je nach Marke sehr unterschiedlich. Der sogenannte Net Promotor Score (NPS), der die Weiterempfehlungsrate abbildet, ist mit einem Wert von 82 beim Tesla Model 3 am höchsten. Mit einem NPS von 62 folgt bereits mit deutlichem Abstand der Skoda Citigo E. Am unteren Ende des NPS-Rankings steht Nissan mit dem Leaf.

Die Entwicklung des NPS in den vergangenen Jahren über alle Marken hinweg zeigt gut auch die Veränderungen bei der Zielgruppe. Die ersten Käufer waren vor allem begeistert von der damals noch recht neuen Technologie. Trotz geringer Reichweite, verbesserungswürdiger Technik und einer zum Teil schwachen Ladeinfrastruktur war die Weiterempfehlungsrate zunächst hoch (NPS 2019: 67).

Ab 2020 lösten die so genannten „Early Adopter“ die E-Auto-Pioniere als Hauptzielgruppe ab – und sie brachten die Ansprüche aus ihren bisherigen Verbrennerfahrzeugen mit. Die hohen Erwartungen konnten die E-Autos nicht erfüllen, die Zufriedenheit und damit die Weiterempfehlungsrate ging deutlich zurück (NPS 2020: 30).

Doch zuletzt kamen immer mehr Modelle mit immer besserer Technik auf den Markt – und siehe da: Inzwischen würden wieder mehr Elektroautofahrer ihr Modell weiterempfehlen (NPS 2021: 38).

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 Andreas Wehner

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Redakteur Newsdesk Automotive