Autonome E-Scooter Elektrische Zweiräder in China fahren bald autonom

Von Henrik Bork 4 min Lesedauer

Der neueste Trend im chinesischen Markt für E-Scooter sind autonome Fahrfunktionen. Die zweirädrigen, Vespa-ähnlichen Flitzer mit E-Motor werden mit automatischen Navigations-, Brems- und Parkfunktionen ausgerüstet, die bis in jüngster Vergangenheit smarten E-Autos vorbehalten waren.

Omoways Omo X kann auch ohne Fahrer rollen.(Bild:  Omoway)
Omoways Omo X kann auch ohne Fahrer rollen.
(Bild: Omoway)

Ein neues Produkt, „Omo X“ getauft und gebaut von einem chinesischen Startup, hat sich kürzlich bei seinem Launch während einer Pressekonferenz in Jakarta selbst auf die Bühne gefahren. „Smart Herbeirufen“ wird diese Funktion auch genannt, oder auf Englisch „remote summon“.

Das Startup OMOWAY, das dieses neue Hightech-Fahrzeug produziert, ist von He Tao gegründet worden, einem ehemaligen Mitgründer des E-Auto-Startups „Xpeng Motors“. Zu seinem neuen Team gehören auch Zhang Lihua, der ehemalige Leiter der Abteilung für autonomes Fahren bei Xpeng, sowie der ehemalige VP von Xpeng, Jiao Qingchun. Gerade erst im vergangenen Jahr gegründet, hat OMOWAY bereits umgerechnet mehrere zehn Millionen Euro an Investitionen von „Angels“ und professionellen Fonds wie Sequoia Capital, ZhenFund und Huiyou Capital eingesammelt.

Zwei statt vier Räder

Der elektrische Motorroller ist mit dem „Halo Pilot“-System ausgerüstet, das eine ganze Reihe von Funktionen ermöglicht, die man bislang vorwiegend aus intelligenten E-Autos kannte. Neben Remote Summon sind das die adaptive Geschwindigkeitsregelung (Tempomat), fahrerloses Einparken, automatisches Rückwärtsfahren und das Selbst-Ausbalancieren bei niedrigen Geschwindigkeiten, ferner Kollisionswarnungen, automatische Notbremsungen und Fahrzeug-zu-Fahrzeug-Kommunikation (V2V).

Zusätzlich kommt Omo X mit einem modularen Rahmen, der je nach Fahrerprofil konfiguriert werden kann, unterschiedlich für gelegentliche Freizeitfahrer, regelmäßige Pendler und Möchtegern-Motorradfahrer mit sportlichem Fahrstil. Obwohl der Omo X erst in der zweiten Hälfte dieses Jahres auf den Markt kommen soll, sind die meisten Reaktionen in der Fachpresse schon jetzt positiv. „Der Omo X ist das bislang eindrucksvollste Statement eines neuen Herstellers seit Jahren. Technologisch aufgerüstet und ein echter Blickfang, scheint er gezielt für kontinuierliche Weiterentwicklung per Software-Update konzipiert. Funktionen wie das ferngesteuerte Herbeirufen und KI-gestützte Assistenzsysteme könnten die urbane Mobilität tatsächlich vereinfachen – und Fähigkeiten wie das automatische Anfahren einer Ladestation wirken alltagstauglich“, schreibt zum Beispiel Electrec.

Launch im Riesenmarkt

Dass der Launch mit dem autonomen Mini-Stunt in Jakarta stattgefunden hat, ist kein Zufall. Indonesien hat einen großen Zweiradmarkt mit mehr als 120 Millionen Scootern, der sich gerade rasant elektrifiziert. Das OMOWAY-Gründerteam hat sich dort gründlich umgesehen und zielt von Anfang an bewusst auf diesen Exportmarkt.

Ein weiterer Grund dafür, neben den guten Marktchancen in Südostasien, ist der immer härtere Konkurrenzkampf in dieser noch jungen Industrie daheim in China. Allein in Chongqing in der Provinz Sichuan, der unbestrittenen „Motorrad-Hauptstadt“ Chinas, ist die Produktion von E-Scootern von 710.000 im Jahr 2022 auf fast drei Millionen Stück im vergangenen Jahr gestiegen, berichten chinesische Fachmedien.

Die vorwiegend jungen Kunden für diese neue Form der E-Mobilität sind insgesamt sehr an moderner Technologie interessiert, was sich auch an den von großen Herstellern in der Volksrepublik angebotenen Funktionen ablesen lässt. Ninebot bietet einfaches Verbinden mit dem Smartphone und Start ohne Schlüssel. Diese chinesische Firma hat übrigens Segway gekauft und baut sowohl mopedähnliche E‑Scooter als auch solche ohne Sitze (eKickScooters).

Viele der neuen, mit der Hilfe von KI oder digital ermöglichten Funktionen zielen sowohl auf die Steigerung der Sicherheit beim Fahren als auch auf die Sicherheit vor Batteriebränden, wenn der E-Scooter geparkt herumsteht und vielleicht gerade aufgeladen wird.

Longcin setzt Präzisionssensoren und Kontrollalgorithmen ein, um seine E-Scooter auf nassen Straßen oder bei Vollbremsungen zu stabilisieren. Zhongshen bietet Kurven-ABS und Millimeterwellen-Radar für Warnungen bei Gefahren aus dem toten Winkel. Die KI der E-Scooter von Qianjing ermöglicht interaktive Sprachfunktionen und etliche Navigationshilfen.

Sicherheit der Batterien

Die Sicherheit der Batterien ist seit Kurzem ganz stark ins Zentrum des Wettbewerbs gerückt. Im Februar sind in einem Wohnblock in Nanking 15 Menschen bei einem Großbrand ums Leben gekommen, der Medienberichten zufolge in einer Ecke ausgebrochen war, in der elektrische Scooter geparkt waren.

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Auch China selbst ist selbstverständlich ein riesiger Markt für die vielen Hersteller, die mit der Produktion von E-Scootern begonnen haben. Die Zahl der elektrischen Zweiräder, die in der Volksrepublik unterwegs sind, hat bereits die 400-Millionen-Marke überschritten. Jeder vierte Chinese besitzt also schon ein solches Gefährt, um es in der Sprache der Statistiker auszudrücken.

Außer in Südostasien (Indonesien, Vietnam usw.), den fünf Ländern Zentralasiens und Afrika sehen Chinas E-Scooter-Pioniere aber auch große Marktchancen in den USA und Europa. „Indonesien ist der Anfangspunkt, nicht das Ende“, sagt der OMOWAY-Gründer He Tao. Also bitte nicht wundern, wenn demnächst auch in Deutschland plötzlich ein fast geräuschloses, fahrerloses Zweirad überholt. (sb)

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