Neue Vertriebsstrategie Warum Tesla immer mehr auf Autohäuser setzt

Autor: Christoph Seyerlein

Die Kalifornier legen in Deutschland zunehmend eine Kehrtwende in ihrer Vertriebsstrategie. Statt hipper City-Center-Etablissements eröffnet Tesla an Stadträndern derzeit ein „klassisches“ Autohaus inklusive Werkstatt nach dem anderen. Was dahinter steckt.

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Tesla ist nun auch in Duisburg mit einem festen Standort vertreten.
Tesla ist nun auch in Duisburg mit einem festen Standort vertreten.
(Bild: Tesla)

Köln, Hannover, Hamburg, Dortmund – und jetzt Duisburg. Das ist keine wahllose Aufzählung deutscher Großstädte. Vielmehr hat Tesla an jenen Standorten zuletzt Autohäuser eröffnet. Was zunächst unspektakulär klingt, bedeutet einen grundlegenden Wandel in der Vertriebsstrategie der Kalifornier. Die Betriebe befinden sich allesamt in Randlagen der Städte. Heißt: Tesla bewegt sich mehr und mehr weg von hippen und teuren City-Stores und davon abgetrennten Service-Centern, hin zu dem, was man landläufig als stationären Autohandel kennt.

Nun gelten Elon Musk als die Vorreiter im Online-Autovertrieb schlechthin. Und diesen Status wollen sie auch nicht aufgeben. Stattdessen sollen die Autohäuser vor allem die digitalen Kanäle des Herstellers ergänzen und unterstützen, wie es von Tesla selbst heißt.

Die Anmutung ist der herkömmlicher Autohäuser gar nicht so unähnlich.
Die Anmutung ist der herkömmlicher Autohäuser gar nicht so unähnlich.
(Bild: Tesla)

In Duisburg stellt sich das die Marke beispielsweise folgendermaßen vor: Vor Ort bietet Tesla Verkauf, Auslieferung und auch Service an. Auf Wunsch können Kunden laut dem Hersteller Probefahrten, Beratungs-, Service- und Auslieferungstermine ohne direkten Kontakt mit Mitarbeitern wahrnehmen. Beispielsweise kann man online Probefahrtslots mit dem Model 3 buchen. Per Mail erhält man dann einen entsprechenden Leihvertrag und Tutorials zum Auto. Bei der Abholung öffnet dann ein Mitarbeiter das Fahrzeug per Fernzugriff. Wie gewohnt ist bei Tesla auch der Kauf von Autos komplett online möglich.

Obwohl in Duisburg auch eine Werkstatt integriert ist, setzen die Kalifornier weiter darauf, viele Servicearbeiten außerhalb des Kfz-Betriebs abwickeln zu können. Für kleinere Reparaturarbeiten setzt Tesla auf mobile Serviceeinheiten. Ins Autohaus sollen Kunden nur dann kommen, wenn Arbeiten nötig sind, für die es beispielsweise eine Hebebühne braucht.

Weitere Standorte in Planung

Auch im Service setzt die Marke auf digitale Unterstützung. So können Kunden über die Tesla-App beispielsweise Bilder und weitere Informationen hochladen, die das Team vor Ort für Ferndiagnosen heranzieht. Komplett digital können Tesla-Fahrer auch ihren Kostenvoranschlag bestätigen und die Rechnung bezahlen.

Doch warum setzt Tesla zunehmend auf Autohäuser, denen manche Experten nachsagen, Auslaufmodelle zu sein? Nicht zuletzt dürfte das mit den gestiegenen Stückzahlen und damit verbundenen Erwartungen an den Hersteller hierzulande zusammenhängen. Über die Servicequalität gab es bei Tesla schon massenhaft Kundenbeschwerden, bevor Elon Musk und Co. mit dem Model 3 überhaupt den Massenmarkt ins Visier genommen hatten.

Immer wieder hatte der Firmenchef angekündigt, entsprechende Kapazitäten aufbauen zu wollen. Nun scheint Tesla das tatsächlich umzusetzen. Insgesamt ist die Marke laut eigener Website in Deutschland nun mit 26 „Stores und Galerien“ vertreten. Weitere Standorte in Bielefeld, Dresden und Regensburg befinden sich aktuell in Planung.

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 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Fachredakteur Next Mobility