Lab1886 Warum Daimler seine Zukunftsschmiede verkauft

Autor: Christoph Seyerlein

Für die eigene Innovationseinheit Lab1886 ist bei Daimler künftig kein Platz mehr. Warum das so ist, und wie es jetzt mit dem Team um Matin Ebrahimchel als auch dem Unternehmen an sich weitergeht.

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Lab1886 gibt es seit 2007.
Lab1886 gibt es seit 2007.
(Bild: Daimler)

Auf der eigenen Website rühmt Daimler das Lab1886 als „die globale Innovationsmaschinerie“. Büros in Stuttgart, Berlin, Peking und Atlanta. Auszeichnung als führendes Innovations-Lab in Deutschland 2017. Namhafte Entwicklungen wie Car-2-Go, Moovel oder Mercedes Me. Und doch hat Lab1886 künftig keinen festen Platz mehr im Kosmos des schwäbischen Autokonzerns.

Gerüchte gab es schon länger, am Dienstag verkündete Daimler nun den Verkauf seiner Zukunftsschmiede. Die Hauptbestandteile (80 Prozent) übernimmt die RB-Capital GmbH. Sie befindet sich im Mehrheitsbesitz des GFT-Gründers Ulrich Dietz. Jene Software-Firma sichert sich wiederum selbst 10 Prozent. Komplett verabschiedet sich Daimler vom Lab1886, das künftig als offene Innovationsplattform namens „1886 Ventures“ fortgeführt wird, aber nicht: Das Unternehmen behält noch die restlichen zehn Prozent der Anteile.

Die Geschäftspartner erklärten in einer gemeinsamen Mitteilung, die bereits existierenden Projekte vorantreiben sowie weitere Partner für Zukunfts-Geschäftsmodelle finden zu wollen. Der Fokus von 1886 Ventures wird auf den Bereichen automatisiertes Fahren, Konnektivität, grüne Energien und digitale Geschäftsmodelle liegen.

Von Daimler hieß es, im Lab1886 seien seit der Gründung im Jahr 2007 Technologien, Geschäftsmodelle und Startups mit großem Potenzial entstanden. „Unternehmenseigene Innovationsbereiche mit dem Fokus New Business stoßen allerdings spätestens in der Phase der Kommerzialisierung häufig an die Grenzen der Umsetzung“, erläuterte Daimler-Kommunikationschef Jörg Howe. Den Verkauf bezeichnete er als „optimale Lösung“.

Auch personelle Veränderungen

Doch nicht nur die Gesellschafterstruktur ändert sich beim bisherigen Lab1886. Leiterin Susanne Hahn wechselt zum neuen Eigner RB-Capital. Darüber hinaus verlässt gemeinsam mit dem bisherigen CEO Matin Ebrahimchel ein wesentlicher Teil des Teams das Unternehmen. Sie kommen bei der Unternehmensberatung Deloitte im Digital Ventures Team unter der Leitung von Andy Goldstein unter.

Unter der neuen Marke „Launch“ will Deloitte Technologien, Innovationen und Projekte in Unternehmen identifizieren, die dann als eigenständige Ausgründungen mit Investoren zur Marktreife geführt werden sollen. Der erste Launch-Kunde heißt übrigens: Daimler.

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 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Redakteur im Ressort Newsdesk bei »kfz-betrieb«