Von der Idee zum Serienfahrzeug: Hightech und Handarbeit im Design

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Farben und Materialien

Wenn die ersten Schaum-Modelle von Exterieur und Interieur aufgebaut werden, starten die Designer von Colour and Trim in ein neues Projekt und nehmen die Arbeit an den Farb- und Materialkonzepten auf. Welcher Glanzgrad passt in welcher Ausstattungslinie für die Stege des Singleframes am besten? Wie harmonieren Dekorblenden, Zierleisten und Lederbezüge miteinander? Ergibt sich in Bereichen wie der Tür, wo viele Elemente aufeinandertreffen, ein harmonisches Gesamtbild?

Auch bei Colour and Trim entstehen größere Bauteile wie Instrumententafel, Mittelkonsole und Sitze als 1:1-Modelle. Speziell bei den Sitzen geht es um Nahtbilder, Steppung und Perforation sowie um die Farbverhältnisse. Die neuen High-End-Tools von Audi für die Visualisierung unterstützen auch beim Zusammenstellen dieser Elemente. Wichtigste Werkzeuge bleiben jedoch die Fingerkuppen mit ihrem feinen Gefühl und ein Auge mit einem Blick für kleinste Farbnuancen in Glanz und Tiefe. Diese Fähigkeiten voll auszubilden, dauert Jahre.

Die Modelle von Colour and Trim durchlaufen die üblichen Projektgates beziehungsweise Meilensteine des Audi-Designs. Etwa zwei Jahre vor Produktionsbeginn erfolgt die finale Definition. Sie ist der Startpunkt für die intensive Zusammenarbeit mit der Qualitätssicherung und den Lieferanten. Letztere werden bei jedem Projekt neu geschult, damit die Innenräume stets dem hohen Anspruch von Audi an Präzision und Qualität entsprechen.

Virtual Reality

Im Designprozess von Audi ist die High-End-Visualisierung an der LED-Wand die Gegenwart, virtuelle Realität (VR) ist der nächste Schritt. Die Methodenentwickler der Design-Abteilung entwickeln spezielle Tools und Methoden für den Einsatz von VR-Brillen, sogenannte Head Mounted Displays (HMDs), die den Betrachter optisch ganz in die dargestellte Szenerie versetzen. Speziell die Interieurdesigner können mit der Technik schon in der Konzeptphase Proportionen und Raumkonzepte erleben und sicher bewerten. Mit der Inbetriebnahme des neuen Design-Center visualisieren diese HMDs Raumkonzepte und Proportionen im Innenraum-Design. Dazu verfügen die VR-Entwickler über ein eigenes VR-Lab, in dem das Team gemeinsam mit den Designern die neuen Tools abstimmt.

Das Design stellt extrem hohe Ansprüche an die Darstellungsqualität. Stimmen die Reflexionen, die Spiegelungen im Lack, der Schattenverlauf der VR mit der Realität überein? Das Rechencluster ermöglicht diese Qualität auch in der VR Brille. Es liefert schnell vorberechnete, hochaufgelöste Bildinhalte, die dann von leistungsstarken HMDs dreidimensional dargestellt werden. Das ermöglicht auch Richtungsschwenks und Fingerzeige im virtuellen Raum. Die lebensechte Darstellung von Design-Modellen wird somit noch realistischer. In den kommenden drei bis fünf Jahren werden VR-Anwendungen zum Standard-Tool im Design-Prozess. Damit ergänzen Virtual-Reality-Tools die heutige digitale Design-Manufaktur um weitere virtuelle Anwendungen.

Schon jetzt zeichnen sich die übernächsten Schritte ab: Tools, mit denen der Betrachter in der Simulation Markierungen einzeichnen kann, und differenzierte Werkzeuge zum virtuellen Berühren und Versetzen einzelner Elemente. Augmented Reality legt errechnete Darstellungen über den realen Raum und ermöglicht den neuen Ansatz des Augenscannings: Nur diejenigen Objekte, auf die sich der Blick fokussiert, werden scharf dargestellt, alles andere unscharf, wie es dem natürlichen Sehverhalten entspricht.

In absehbarer Zeit werden VR-Brillen auch Design-Meetings über Kontinente hinweg ermöglichen und den Designprozess nochmals deutlich unterstützen. Dann treffen sich beispielsweise Audi-Designer aus Ingolstadt, Peking und Los Angeles in einem virtuellen Studio, um gemeinsam ein digitales Modell zu diskutieren und zu beurteilen. Aufwändige Modelltransporte oder Reisezeiten entfallen. Jeder Teilnehmer sieht in Echtzeit das gleiche virtuelle Modell und nimmt auch die anderen Besprechungsteilnehmer als sogenannte Avatare wahr. Avatare sind den einzelnen Teilnehmern im VR-Meeting jeweils als individuelle virtuelle Vertreter zugeordnet.

Auch Datenhandschuhe sind in Planung und werden mittels haptischem Feedback das „digitale Anfassen“ von virtuellen Modellen ermöglichen. VR-Meetings werden Videokonferenzen ersetzen und ganz neue Möglichkeiten bieten.

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