Von der Idee zum Serienfahrzeug: Hightech und Handarbeit im Design

Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Am Anfang steht eine Idee, am Ende ein neuer Audi. Die Verbindung zwischen Idee und Produkt spiegelt der Designprozess wider. Dabei prallen zwei Welten aufeinander: Die digitale Design-Manufaktur vereint digitale Visualisierungstechniken mit handwerklicher Präzision.

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In der Regel beginnt der Designprozess bei Audi etwa fünf Jahre vor dem Start eines neuen Modells.
In der Regel beginnt der Designprozess bei Audi etwa fünf Jahre vor dem Start eines neuen Modells.
(Bild: Audi)

Immer mehr neue Modelle und neue Technologien: Damit stehen die Designer vor der Herausforderung, immer mehr Designentwürfe in kürzerer Zeit zur Serienreife zu entwickeln. Mit mehr als 400 Beschäftigten hat das Audi-Design heute mehr als doppelt so viele Mitarbeiter wie im Jahr 2000. Gleichzeitig wickelt das Team fünfmal mehr Projekte ab und stellt sich steigenden technischen Anforderungen in Fahrzeugprojekten.

Designvorstellungen und technische Package-Vorgaben müssen interdisziplinär abgestimmt werden. Aus diesem Grund hat das Audi-Designteam einen neuen Designprozess entwickelt, der CAD (Computer-Aided Design), 3D-Visualisierung und traditionellen Design-Modellbau sowie Claymodellieren verbindet. Das Resultat: Hohe Prozess-Sicherheit, ein stimmiger Design-Entwurf und mehr Flexibilität für kreative Design-Ideen.

Portfolio- und initiale Phase

In der Regel beginnt der Designprozess bei Audi etwa fünf Jahre vor dem Start eines neuen Modells. Zu Beginn schaffen die Designer die grundlegende Formensprache und Designcharakteristika einer ganzen Modell-Familie. Meist ist ein gemeinsamer Technikbaukasten die Basis für die Designentscheidungen in der grundlegenden Portfolio-Phase. Hier sind die Designer zusammen mit den Kollegen aus dem Vertrieb und der Technischen Entwicklung tief in die strategische Produktplanung des Unternehmens eingebunden.

Wie gut passt ein neuer kompakter SUV zu einem schon existierenden mittelgroßen Modell? Welche Ableitungen sind vorstellbar und welche sinnvoll? Aus einer Matrix der unterschiedlichen Anforderungen – Segment, Auslegung, Gestaltung, Kunden- und Marktanforderungen – entstehen zunächst mehrere Portfoliomodelle.

Bei diesen Modellen im Maßstab 1:10 spielt das spätere Package noch eine untergeordnete Rolle. Sie vermitteln vor allem einen ersten Eindruck eines Design-Themas in verschiedenen Fahrzeugsegmenten, etwa bei einer Limousine, einem SUV oder einem Coupé. Die Modelle entstehen auf Basis von CAD-Daten durch Fräsen von Ureol-Kunststoff oder mit einem 3D-Drucker nach dem „Rapid Prototype“-Verfahren.

Der Designprozess eines Serienmodells startet mit der sogenannten initialen Designphase. Dieser Abschnitt ist auf drei bis vier Monate Dauer ausgelegt. Hier arbeiten die Audi-Designer in enger Abstimmung mit den Studio-Ingenieuren, den Ingenieuren aus der Konzeptentwicklung und den Vertriebs-Experten. Im Ergebnis setzen sie das technische Groblayout in ein 1:1-Architekturmodell um. Diejenigen Größen, die das Volumen und die Proportion bestimmen, stehen dabei im Fokus, beispielsweise der Radstand und die Höhenlage der Motorhaube oder grundlegende Technik- und Package-Bestandteile wie etwa die Position der Fahrzeugsensorik.

Das Architekturmodell im Maßstab 1:1 wird aus einem dichten Polyurethan-Schaum gefräst und anschließend lackiert. Das finale Exterieurdesign spielt bei diesem Modell noch keine Rolle. Es ermöglicht den Designern einen ersten Abgleich ihrer Gestaltungs-Vorstellungen mit dem künftigen Produkt. Außerdem erlaubt das Modell, Modifikationen abzuschätzen, die aufgrund der technischen Anforderungen nötig werden.

Den Designern liefern die Erkenntnisse aus dem Architekturmodell eine sichere Grundlage für die nachfolgende Skizzenphase. Die exakten technischen Vorgaben schränken somit die Kreativität der Designer nicht ein, sondern leiten diese vielmehr entlang des technisch Machbaren: Sind die technischen Rahmenbedingungen geklärt, können sie ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Dank der präzisen technischen Vorgaben können die Designer von Anfang an passende Konzept-Entwürfe realisieren. Das Design, an dem sie arbeiten, wird schneller erlebbar als früher, die Designqualität noch höher.

Entwurfsphase

Im anschließenden Design-Briefing entwickeln Designer und Vertriebs-Experten ein gemeinsames Leitmotiv in Wort und Bild. Hier geht es darum, die Package-Informationen und das bisher erarbeitete Grundlagenwissen zu verfeinern. Wichtigen Input liefern Teams aus dem Audi-Vertrieb, die den Markt, den Wettbewerb und die Erwartungen der Kunden analysieren.

In der rund zwei Monate andauernden Skizzenphase, gestalten die Designer traditionell mit Stift und Papier und digital mit elektronischen Zeichenboards. Mehrere Exterieur-Designer arbeiten im kollegialen Wettbewerb miteinander, meist sieben beim Interieur und acht oder neun beim Exterieur. Die stärksten Exterieur-Ideen schaffen es in den nächsten Prozessabschnitt, den sogenannten C3-Prozess.

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