Manufaktur-Designphase
Der permanente Abgleich zwischen Daten- und Clay-Modell verhilft der Manufakturarbeit zu einer noch stabileren Grundlage. Über alle Veränderungsschritte hinweg dient das Clay-Modell als physische Referenz, auch für die Diskussion zwischen Formgestaltern und Designern. So ist es möglich, neue Design-Stände im Team kurzfristig am digitalen Modell und am physischen Modell zu besprechen und Änderungen schnell einzuarbeiten. Umgekehrt können Änderungswünsche schnell vom Clay-Modell in das CAD-Modell übertragen werden.
Das im C3-Prozess bestätigte Design gestalten die Clay- und CAD-Formgestalter von Audi im nächsten Schritt zu einem Manufakturmodell. Das nicht sichtbare Gerippe der Clay-Modelle besteht aus einem Stahlrahmen mit höheneinstellbarem Fahrwerk, einer Holzbeplankung und einem Aufbau aus Hartschaum. Die darüber liegende Schicht aus Industrieplastilin ist etwa 30 bis 40 Millimeter stark. Solange dieser „Clay“ im Laborofen gelagert wird, ist er weich wie warme Butter. An der Luft der Modellhalle härtet er rasch so aus, dass der Modelleur ihn mit diversen Modellierwerkzeugen bearbeiten kann. Anbauteile– vom Singleframe-Grill über die Räder bis zum Leuchtenmodul – entstehen per Stereolithographie aus flüssigem Kunstharz.
Der Arbeitsablauf ist als iterativer Prozess zwischen CAD-Formgestaltung und klassischer Clay-Formgestaltung ausgelegt und bringt die Vorteile beider Welten perfekt zusammen. Die Synthese aus händischem Modellieren und CAD-Modellieren wird auch bei der Ausbildung der Mitarbeiter gelebt: Modelleure bei Audi lernen sowohl am physischen Modell als auch am Rechner und beherrschen danach CAD-Tools und den händischen Modellbau.
Interieur und Packaging
Das Interieur ist ein besonderes Aushängeschild des Audi-Designs. Die Synthese aus Design, Formensprache und Material im Innenraum ist einer der wichtigsten Kaufgründe für Audi-Kunden weltweit. So unterstreicht die Verbindung aus charakteristischem Interieur-Design, feiner Materialauswahl und innovativen Bedienkonzepten den Qualitätsanspruch der Marke mit den Vier Ringen.
Im Innenraum eines Audi folgt die gesamte Gestaltung des Interieurs einem zentralen Design-Thema: Dieses prägende Narrativ findet sich im gesamten Interieur wieder – von der grundlegenden Formgebung bis hin zur Gestaltung einzelner Details: Dieses Leitmotiv zieht sich durch von der Architektur des Armaturenbretts bis zu einzelnen Chromspangen.
Wesentlichen Anteil am stimmigen Interieur-Konzept hat der Audi-Designprozess. Das Audi Design verfügt hier über ein Alleinstellungsmerkmal im Automobil-Bereich: Die Interieur-Designer begleiten die Entwicklung eines Interieurs von der Ideen-Phase am Zeichenboard bis zur Serienproduktion.
So ist die hohe Qualität des Design-Entwurfs vom „Key Sketch“ bis in die Produktion gewährleistet. Die Interieur-Designer arbeiten über den gesamten Entwicklungszyklus Disziplin- und Fachteam-übergreifend. In Fahrzeug-Projektteams stimmen sie sich ab - etwa mit den Kollegen aus der technischen Entwicklung, aus der Qualitätssicherung oder mit den Werkzeugmachern in der Produktion.
Nach dem gemeinsamen Designbriefing mit den Design-Teams Exterieur, Licht und GUI entstehen zunächst drei Anmutungsmodelle im Maßstab 1:1 aus Schaum. Anhand dieser Vorderwagen-Modelle ohne Dach, überprüfen Design und die Technische Entwicklung die Proportionen, die Ergonomie und das Package. Von der Klimaanlage über die Airbags bis zum LED-Lichtleiter gilt es im Innenraum zahlreiche Bauteile unterzubringen. Im Designprozess sind bis zu 50 Fachabteilungen eingebunden.
Zu Beginn der Designphase setzen sich sieben Designer – als Wettbewerber und Teamplayer zugleich – an die „Key Sketches“, um den Innenraum mit wenigen Linien zu zeichnen. Hier machen die klarsten Ideen das Rennen: Entwürfe mit einem Interieur aus einem Guss, die alle Elemente in Volumen und Proportion in einen logischen Zusammenhang bringen. Aus den Sketches werden im nächsten Schritt differenzierte Renderings. Mit deren Hilfe erarbeiten die Designer das Hauptthema für die einzelnen Elemente, wie beispielsweise die Gestaltung der Türverkleidung.
Im nächsten Arbeitsschritt kommen die sogenannten Design-Tapes zum Einsatz: Diese Klebestreifen sind auf 1:1-Zeichnungen aufgebracht und bilden die wichtigsten Linien ab. Parallel dazu wird das Interieur in CAD aufgebaut. Wenn das Datenmodell steht, beginnt die Fräsarbeit an den Clay-Modellen. Designer, CAD-Spezialisten und Modelleure entwickeln gemeinsam die endgültige Skulptur, von den großen Volumina in die kleinen Details. Das harmonische Gesamtbild eines Audi-Innenraums entsteht aus der Summe der stimmigen Details, die allesamt einer konsequent umgesetzten Idee folgen. Die letzten 20 Prozent des Design-Finishs machen 80 Prozent der Arbeit aus.
Viele Interieurdesigner von Audi sind Spezialisten, beispielsweise für Sitze, für sämtliche Bedienelemente oder für Innenbeleuchtung. Zur Beurteilung des Lichts entsteht ein eigenes 1:1-Modell. Auch hier bietet die Digitalisierung des Designprozesses zukünftig viel Potenzial, Design-Konzepte vom Entwurf noch schneller in die Serie zu bringen. Wie beim Exterieurdesign dienen Meilensteine zur Verdichtung und Auswahl eines finalen Modells. Dessen Packaging stimmen die Designer in der Feasibility-Prüfung mit dem finalen Exterieur-Modell ab.
Die Kollegen des Bereichs Feasibility erstellen auf Grundlage des jeweiligen Exterieur- und Interieurdesigns ein Kongruenzmodell. Sie bestätigen eine Machbarkeit mit Blick auf Produktion, Service, Sicherheit und Langzeitqualität. Gut zwei Jahre vor dem Start der Fertigung erfolgt der so genannte Design Freeze (DF) für Exterieur und Interieur.
Ab diesem Zeitpunkt befindet sich das Design in der Realisierungsphase und erhält seinen letzten Feinschliff in Zusammenarbeit mit der Abteilung Strak. Letztere bildet quasi die Brücke zwischen Design und Konstruktionsabteilung und ist auch im neuen Designcenter angesiedelt. Seine Spezialisten stellen im finalen Konvergenzprozess sämtliche Oberflächen auf Hundertstel Millimeter digital geometrisch dar.
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