Flugtaxis Volocopter tauscht den Chef aus – und nimmt neuen Anlauf für Börsengang

Nach einem geplatzten Börsengang Ende des vergangenen Jahres war Volocopter-Chef Florian Reuter unter Druck geraten. Nun kündigte das Unternehmen seinen Abschied für September an – angeblich auf eigenen Wunsch. Nachfolger wird mit Dirk Hoke ein bekannter Name in der Luftfahrt-Branche.

Anbieter zum Thema

2024 will Volocopter kommerziell durchstarten – und auch einen weiteren Versuch für einen Börsengang unternehmen.
2024 will Volocopter kommerziell durchstarten – und auch einen weiteren Versuch für einen Börsengang unternehmen.
(Bild: Volocopter)

Bereits seit Monaten hielten sich die Vermutungen, dass bei Volocopter ein Chefwechsel bevorstehen könnte. Jetzt hat das Flugtaxi-Start-up Klarheit geschaffen. Im September 2022 wird Dirk Hoke den Posten als CEO bei den Bruchsalern von Florian Reuter übernehmen. Hoke war von April 2016 bis September 2021 Chef der Defence-and-Space-Sparte bei Airbus. Sein Abschied von dem Konzern kam überraschend. Seitdem versuchte er sich als selbständiger Unternehmensberater. Berufserfahrung sammelte Hoke zudem in über zehn Jahren in Führungspositionen bei Siemens.

Dirk Hoke wird im September Florian Reuter als Volocopter-Chef ablösen.
Dirk Hoke wird im September Florian Reuter als Volocopter-Chef ablösen.
(Bild: Volocopter)

Volocopter bezeichnete Hoke in seiner Mitteilung „Wunschkandidaten“ für die Nachfolge Reuters. Der aktuelle Chef steht seit Januar 2015 an der Spitze des Unternehmens. Nach Angaben des Start-ups geht Reuter auf eigenen Wunsch.

Geplatzter Börsengang erhöhte den Druck

Allerdings war der Druck auf das Volocopter-Management zuletzt stark gestiegen. Hintergrund war ein geplatzter Börsengang in New York Ende 2021. Dies sorgte für Unruhe, nicht zuletzt bei einigen Kleininvestoren, die 2013 per Crowdfunding etwa 1,2 Millionen Euro in das Unternehmen gepumpt hatten. Ihr Einsatz hätte sich durch den Börsengang vervielfachen können. Stattdessen erhalten sie jetzt lediglich ihre Darlehen zurück, die jährlich mit einem Prozent verzinst wurden, nachdem Volocopter die Verträge zum Jahresende gekündigt hat.

Bei Volocopter zeigt man sich trotzdem bemüht, Reuters Bilanz nicht zu sehr unter jenem Ende leiden zu lassen. Unter seiner Leitung habe sich die Firma schließlich „von einem Fünf-Personen-Start-up zu einem globalen Unternehmen mit Einhorn-Status und über 500 Mitarbeiter:Innen entwickelt“, heißt es in der Mitteilung.

Reuter selbst zeigte sich in seiner Reaktion auf die Nachricht pathetisch: „Es war ein unfassbares Privileg und eine große Ehre, dem Weltklasse Team von Volocopter als CEO zu dienen. Jedem einzelnen ist zu verdanken, dass Volocopter weiterhin führend in der Flugtaxientwicklung ist“, erklärte er. Dirk Hoke, den er schon länger kenne, habe er dem Board aufgrund seiner Erfahrung gar als seinen Nachfolger vorgeschlagen, so Reuter.

Volocopter will als erster Wettbewerber den Markteintritt schaffen

Das Ziel für Hoke ist so klar wie ambitioniert: Volocopter will als erster Wettbewerber den kommerziellen Markteintritt mit Flugtaxis schaffen und damit Konkurrenten wie Joby, Lilium und Co. zuvorkommen. 2024 soll es so weit sein. Ab 2025 peilt Volocopter dann dem Vernehmen nach eine Massenproduktion mit 10.000 Einheiten pro Jahr an. Der Jahresumsatz soll sich im Jahr 2029 auf mehr als neun Milliarden Dollar belaufen, heißt es in Unterlagen, mit denen das Start-up Investoren locken will. „Wir sind unbesiegbar“, gibt sich Volocopter wenig bescheiden.

Dirk Hoke selbst sagt dazu mit ähnlichem Pathos wie Reuter: „Kein Unternehmen ist so weit fortgeschritten in der Realisierung dieser innovativen Form der Mobilität wie Volocopter. Elektrische Flugtaxis in die Städte dieser Welt zu bringen, ist die Verwirklichung eines Menschheitstraums, auch meines.“ Gegenüber der Nachrichtenagentur „Reuters“ äußerte er sich aber auch etwas zurückhaltender: „Es wird eine unfassbar aufregende, aber auch schwierige Zeit“, so Hoke.

Denn um den Traum von elektrischen Flugtaxis wahr werden zu lassen, braucht Volocopter nach dem abgeblasenen Börsengang möglichst schnell möglichst viel Geld. Jüngst hat das Unternehmen weitere 153 Millionen Euro eingesammelt und war zuvor mit 1,5 Milliarden Euro bewertet worden. Doch das wird für den kostspieligen Zertifizierungsprozess nicht reichen. Die Finanzierungsrunde läuft weiter, Volocopter peilt insgesamt eine halbe Milliarde Euro an. Stefan Klocke, der Volcopters Advisory Board leitet, zeigte sich gegenüber der Nachrichtenagentur „Reuters“ optimistisch: „Es gibt immer noch Investoren, die uns dabei helfen wollen, die 500 Millionen Euro letztendlich zu erreichen“, erklärte er.

Zweiter Börsen-Anlauf 2024

Der geplante Spac-Börsengang hätte insgesamt 800 Millionen Dollar in die Kassen spülen sollen. Nach den schlechten Erfahrungen, die beispielsweise Lilium damit gemacht hatte, zogen die Bruchsaler kurz vor dem Abschluss die Reißleine. Der Aktienkurs des Münchner Konkurrenten ist seit dem Börsengang im vergangenen September um fast 70 Prozent eingebrochen. Auch Joby Aviation hat seit seinem Spac-Börsengang 2021 rund die Hälfte seines Werts eingebüßt.

Vom Tisch ist der Weg an die Börse für Volocopter deshalb aber nicht. Im Gegenteil. 2024 sollen Flugtaxis des Herstellers bereits rund um die olympischen Spiele in Paris im Einsatz sein. Ein Momentum, das Volocopter für sich nutzen will. „Wir wollen mit den Bildern von den Olympischen Sommerspielen in Paris an die Börse gehen“, kündigte Klocke an.

Der Aufsichtsratschef zeigte sich zudem zuversichtlich, dass Dirk Hoke der richtige Mann für diese Ziele ist. „Die Tatsache, dass wir so einen renommierten Branchenführer gewinnen konnten, spricht Bände über die Qualität unserer Arbeit und unseres Teams“, teilte er mit. Florian Reuter lasse man „nur schweren Herzens“ gehen. „Gleichzeitig respektieren und verstehen wir seine persönliche Entscheidung voll und ganz und freuen uns, ihn als Freund und Anteilseigner in der Volocopter-Familie zu behalten“, so Klocke weiter.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung.

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

(ID:48083094)