Elektromobilität Volkswagen-Tochter Elli kommerzialisiert Vehicle-to-Grid-Laden

Von Stefanie Eckardt 3 min Lesedauer

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Die Volkswagen-Tochter Elli bringt Vehicle-to-Grid-Laden zur Marktreife. Das neue Produktpaket richtet sich zunächst an Nutzer in Deutschland und besteht aus einem Elli Bidi Charger, dem Volkswagen Naturstrom V2G Flow Tarif, sowie der Elli BiDi App, die den Zugang zum Energiemarkt ermöglicht.

Ein Volkswagen ID.7 am Elli BiDi Charger: Bidirektionales Laden bindet die Fahrzeugbatterie in das Energiesystem ein und kann helfen, Mobilitätskosten zu senken.(Bild:  Volkswagen)
Ein Volkswagen ID.7 am Elli BiDi Charger: Bidirektionales Laden bindet die Fahrzeugbatterie in das Energiesystem ein und kann helfen, Mobilitätskosten zu senken.
(Bild: Volkswagen)

Dank Vehicle-to-Grid kann ein Elektrofahrzeug nicht nur Strom laden, sondern in definierten Zeitfenstern auch verfügbare Energie bereitstellen. Fahrer eines Bi-Di-fähigen Stromers haben so die Möglichkeit, Energiekosten zu sparen. Für das Stromsystem kann zusätzliche Flexibilität entstehen, wenn viele Fahrzeuge, Ladepunkte und Tarife intelligent gesteuert werden. Grundlage für den Markthochlauf ist die Kombination aus einer bereits im Feld befindlichen MEB-Fahrzeugflotte, konzernweiten Plattformstandards, den Nutzerschnittstellen der Marken sowie Elli als Energie-Experte des Konzerns. Bereits heute befinden sich rund eine Million Konzernfahrzeuge auf MEB-Plattform auf den Straßen Europas, davon rund 360.000 in Deutschland, die technisch für bidirektionales Laden vorbereitet sind und damit eine sukzessive Skalierung über mehrere Marken, Modelle und Märkte ermöglichen.

Zunächst in Deutschland, weitere Märkte folgen

Zum Start richtet sich das Angebot an Fahrer der Marken Volkswagen, Volkswagen Nutzfahrzeuge und Cupra in Deutschland. Weitere Konzernmarken und Märkte werden perspektivisch angeschlossen, sobald technische, regulatorische und produktseitige Voraussetzungen erfüllt sind. Das Produktpaket umfasst kompatible Elektrofahrzeuge, eine DC-bidirektionale Wallbox, den Elli BiDi Charger, einen neuen Volkswagen Naturstrom Tarif, die Elli BiDi App zur Steuerung, sowie die energiewirtschaftliche Optimierung im Hintergrund.

Vorgesehen sind Fahrzeuge ab ID. Software 3.5 mit einer Batteriekapazität ab 77 kWh sowie alle ID. Modelle mit ID. Software 6. Damit adressiert Volkswagen sowohl einen Großteil der bestehenden Fahrzeugflotte als auch künftige Volumenmodelle auf MEB-Basis.

Die Nutzung ist auf einen einfachen Ablauf ausgelegt: Nutzer schließen ihr Fahrzeug zu Hause an den kompatiblen Elli BiDi Charger an. Über die App können sie festlegen, wann das Fahrzeug mit welchem Mindestladezustand wieder verfügbar sein soll. Die verfügbare Standzeit kann energiewirtschaftlich genutzt werden. Das Fahrzeug bleibt damit in erster Linie Mobilitätslösung und kann zugleich verfügbare Batteriekapazität für Flexibilität im Energiesystem bereitstellen.

Im ersten Vertragsjahr ist nach aktueller Planung ein Bonus von bis zu 720 Euro möglich.

Umsetzung auch mit Partnern

Elli übernimmt die Rolle des Energiemanagers des Konzerns und bündelt die operative Umsetzung: energiewirtschaftliche Integration, die Entwicklung und den Betrieb der App-Steuerung, die Tariflogik, die Optimierung im Hintergrund, die Aggregation verfügbarer Batteriekapazitäten sowie die Vermarktung von Flexibilität. Das Unternehmen bringt dafür Erfahrung aus Heimlade-Services, Energiegeschäft und Stromhandel ein.

Für den Markthochlauf von Vehicle-to-Grid greift die Konzerntochter teilweise auf die Technologie von The Mobility House Energy zurück. Das Unternehmen bündelt mit seiner FlexEngine-Plattform die verfügbaren Batteriekapazitäten und stellt die bidirektionale Ladestation zur Verfügung.

Einsparpotenzial durch bidirektionales Laden in Europa

Der Ausbau erneuerbarer Energien verändert die Anforderungen an das Stromsystem grundlegend. Wind- und Solarenergie stehen nicht jederzeit dann zur Verfügung, wenn Strom benötigt wird. Gleichzeitig wächst der Bedarf an flexiblen Speichern. Fahrzeugbatterien gelten deshalb als eine der größten bislang ungenutzten Energieressourcen Europas.

Allein die bereits heute bidirektional vorbereiteten MEB-Fahrzeuge des Autobauers verfügen zusammen über mehrere Dutzend Gigawattstunden potenzielle Speicherkapazität. Vehicle-to-Grid ermöglicht es erstmals, diese Kapazität schrittweise intelligent in das Energiesystem einzubinden. Aus einzelnen Fahrzeugen kann damit ein vernetzter Speicherverbund entstehen.

Das langfristige Zielbild von Elli ist es, verfügbare Batteriekapazitäten aus Fahrzeugen sowie zentrale und dezentrale Speicher zu bündeln und als virtuelles Kraftwerk energiewirtschaftlich nutzbar zu machen. Elli kann diese Flexibilität aggregieren, steuern und an Energiemärkten vermarkten. Damit entsteht ein neues Geschäftsmodell an der Schnittstelle von Elektromobilität und Energie: Stromerfahrer stellen innerhalb definierter Rahmenbedingungen verfügbare Batteriekapazität bereit, Elli übernimmt die operative Steuerung und energiewirtschaftliche Optimierung.

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Studien von Fraunhofer ISI und Fraunhofer ISE für Transport & Environment beziffern das mögliche Einsparpotenzial durch bidirektionales Laden in Europa auf bis zu 22 Milliarden Euro geringere jährliche Systemkosten im Jahr 2040 und kumuliert rund 175 Milliarden Euro zwischen 2030 und 2040. Gleichzeitig wurden allein in Deutschland im Jahr 2024 rund 9.374 GWh erneuerbare Energien abgeregelt, die perspektivisch besser genutzt werden könnten. Diese Energiemenge hätte rechnerisch ausgereicht, um rund drei Millionen batterieelektrische Fahrzeuge ein Jahr lang zu betreiben.  (se)

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