Deloitte-Studie 77 Prozent der Batterien für Elektrofahrzeuge werden in Asien hergestellt

Von Stefanie Eckardt 3 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Während deutsche Automobilhersteller immer mehr Stromer auf die Straße bringen, stammen die Batteriezellen hauptsächlich aus Asien - nämlich von CATL, BYD, Samsung oder LG Energy. Ein Problem, das bekannt ist und dem man durch europäische Fertigungen entgegenwirken wollte. Doch Europas Abhängigkeit steigt weiter, wie Deloitte in seinem Report „Battery Maturity Assessment“ zeigte.

77 Prozent der EV-Batterien wurden im Jahr 2025 in Asien, vor allem in China, hergestellt. Das ist ein Anstieg um 7 Prozent im Vergleich zu 2024.(Bild:  KI-generiert)
77 Prozent der EV-Batterien wurden im Jahr 2025 in Asien, vor allem in China, hergestellt. Das ist ein Anstieg um 7 Prozent im Vergleich zu 2024.
(Bild: KI-generiert)

Die Hochvoltbatterie ist das Herzstück eines jeden Stromers, weil sie den Wert, die Reichweite und die Kosten des gesamten Fahrzeugs bestimmt. Sie macht den größten Teil des Gewichts und einen großen Teil des Preises aus. Dass Europa die kommerzielle Fertigung von Lithium-Ionen-Batteriezellen weitgehend an Asien verloren, ist kein neuer Fakt. Dem will Europa und nicht zuletzt Deutschland entgegenwirken, wie Dr. Rolf-Dieter Jungk, Staatssekretär im Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt während des VDA Mobility Innovation Summits Ende März in Berlin betonte: „Bis 2035 wollen wir eine wettbewerbsfähige Produktion aufbauen. In unserem Land haben wir alles, was wir dafür brauchen. Batterien sind ein wichtiger Bestandteil der Hightech Agenda Deutschland. Die Hightech Agenda ist klar auf Wertschöpfung ausgerichtet. Sie sichert und schafft Wertschöpfung in Deutschland und sie ist eine Mitmachagenda: Entlang klimaneutraler Mobilität und fünf weiterer Schlüsseltechnologien entstehen Roadmaps – verbindlich, transparent, für alle und mit klarer Rollenverteilung. So führen kluge Ideen aus der Forschung zu wettbewerbsfähiger Wertschöpfung und Wohlstand. Und Innovationen kommen schneller auf die Straße.“

Doch leider nimmt die Abhängigkeit von asiatischen Batterieproduzenten zu statt ab. 2025 wurden 77 Prozent der Batteriezellen für Elektroautos in Asien hergestellt, während auf Europa unverändert 13 Prozent entfallen. Im Vergleich: 2024 stammt nur 70 Prozent der Batteriezellen aus Asien. Hinzu kommt, dass 98 Prozent der europäischen Produktionskapazitäten von asiatischen Unternehmen kontrolliert werden. Auch das ist im Vergleich von 2024 ein Anstieg, wenn auch nur um 1 Prozent. Insgesamt ist die weltweite Produktionskapazität innerhalbeines Jahres um 26 Prozent auf 920 GWh gestiegen.

Europas Automobilindustrie entgehen Milliardengewinne

Die Nachfrage nach Batterien für Stromer wird weiter steigen: Knapp 28 Millionen Elektrofahrzeuge werden nach Analysen von Deloitte bis 2030 in Europa produziert. Sie benötigen Batterien mit einer Kapazität von 1.950 GWh. Den hiesigen Batterieunternehmen entgehen über die kommenden vier Jahre Gewinne in Höhe von 10,5 Milliarden Euro, wenn sie diese nicht selbst herstellen. Zählt man importierte Vorprodukte, Produktionsanlagen und aus Asien entsandte Fachkräfte hinzu, auf die die europäische Batterieindustrie angewiesen ist, kann sich die entgangene Wertschöpfung bis 2030 auf 100 bis 150 Milliarden Euro summieren.

Das zeigt eine aktuelle Studie von Deloitte. Auf Basis von Produktionsanalysen und einer Befragung unter 222 Entscheiderinnen und Entscheidern in 13 europäischen Ländern untersucht die Studie die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen entlang der Batteriewertschöpfungskette. In diesem Ökosystem agieren insgesamt circa 350 europäische Industrieunternehmen.

Wo liegen die Probleme bei der Wertschöpfung?

Die Wertschöpfung der Batterien entsteht vorwiegend bei der Materialgewinnung und -aufbereitung – nämlich 50 bis 60 Prozent der Wertschöpfung – sowie der Zellproduktion, etwa 15 bis 30 Prozent. Sie bestimmen maßgeblich die Wirtschaftlichkeit und die Stabilität der nachgelagerten Prozesse. Doch gerade in diesen Bereichen sind europäische Batterieunternehmen bislang nicht ausreichend positioniert: Für 83 Prozent der von Deloitte befragten Unternehmen ist die Produktion der Zellkomponenten eine zentrale Herausforderung, gefolgt von Materialgewinnung und -aufbereitung mit 82 Prozent.

Als eine der größten Hürden haben 57 Prozent der Befragten Probleme bei der Versorgung mit Vorläufermaterialien genannt. An zweiter Stelle folgen mit 51 Prozent Schwierigkeiten bei der Inbetriebnahme der Anlagen sowie fehlende Erfahrung (48 Prozent). Zudem sehen 41 Prozent das Risiko, dass Europa seinen eigenen Batteriebedarf in Zukunft nicht decken kann.

Können europäische Unternehmen das Blatt noch wenden?

„Die Hersteller forschen an neuen Batterietechnologien, doch die Probleme liegen bei der Finanzierung und der Industrialisierung“, verdeutlicht Harald Proff, Leiter des globalen Automobilsektors bei Deloitte. „Investitionen und Fördermittel sollten nicht nur die Entwicklungsphase, sondern auch die ersten kapitalintensiven Betriebsjahre abdecken. Denn die Batterieproduktion ist eine langfristige Wette, die die europäischen Unternehmen noch gewinnen können. Für die Investitionen braucht die Industrie langfristige Planungssicherheit und ein klares Bekenntnis zur Elektromobilität. Europa darf bei Batterien nicht länger auf Sicht fahren.“

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Die Befragung zeigt, dass in den vergangenen drei Jahren nur 40 Prozent der Projekte entlang der Batteriewertschöpfungskette vollständig wie geplant umgesetzt wurden. 80 Prozent der Befragten sagen, dass die aktuelle Regulatorik einen negativen Einfluss auf Batterieprojekte hat. Hilfreich wären hingegen beschleunigte Genehmigungsverfahren (70 Prozent), eine stabile Nachfrage (54 Prozent) und die konsequente Umsetzung einer Clean-Tech Roadmap (51 Prozent). (se)

(ID:50918441)