Bahntechnik InnoTrans 2026: Stadler zeigt 7 Schienenfahrzeuge

Von Dipl.-Ing.(FH) Richard Oed 3 min Lesedauer

Auch bei der diesjährigen Ausgabe der InnoTrans in Berlin ist das Freigelände mit 113 Fahrzeugen aus 17 Ländern gut belegt. Allein der Schweizer Hersteller Stadler präsentiert sieben Fahrzeuge, darunter mehrere Weltneuheiten.

Erstmals zeigt Stadler auf der InnoTrans seine neue vierachsige EURO DuFour Lokomotive für den Güterzugdienst, die SBB Cargo bestellt hat. Gegenüber der Bestandsflotte soll sie wesentlich energiesparender unterwegs sein.(Bild:  Stadler)
Erstmals zeigt Stadler auf der InnoTrans seine neue vierachsige EURO DuFour Lokomotive für den Güterzugdienst, die SBB Cargo bestellt hat. Gegenüber der Bestandsflotte soll sie wesentlich energiesparender unterwegs sein.
(Bild: Stadler)

Das Freigelände der InnoTrans in Berlin, die vom 22. bis 25. September 2026 stattfindet, zählt traditionell zu den Publikumsmagneten der Messe. Stadlers diesjährige Exponate reichen vom weltweit ersten Wasserstoffzug für italienische 950-mm-Schmalspurstrecken über Triebzüge für Norske tog und die ÖBB bis zu Straßenbahnfahrzeugen für deutsche Verkehrsbetriebe sowie der EURO DuFour Güterzuglokomotive für SBB Cargo. Damit decken die Ausstellungsstücke das gesamte Spektrum des Herstellers ab. „Jedes Fahrzeug erzählt seine eigene Geschichte und ist im engen Austausch mit unseren Kunden entstanden […]“, so Dr. Ansgar Brockmeyer, Leiter Verkauf & Marketing und stv. Group CEO.

Die nach einem Schweizer Berg benannte vierachsige EURO DuFour ist in der Sprache der InnoTrans eine „Weltneuheit“. Stadler setzte den Auftrag zügig um und so lagen zwischen der Bestellung der 36 Lokomotiven durch die SBB und der Fertigstellung der ersten drei Fahrzeuge im Werk Valencia weniger als 24 Monate. Gefertigt werden die Loks in zwei Varianten: als rein elektrische Version oder als Ausführung mit zusätzlichen Batteriemodulen. Nach Aussage von SBB Cargo soll die neue Mehrsystemlokomotive den Energieverbrauch im Vergleich zur heutigen Flotte von SBB Cargo Schweiz um 15 Prozent senken. Das neu entwickelte Drehgestell mit den aus der SBB-Baureihe 460 abgeleiteten radial einstellbaren Radsätzen soll, ebenfalls laut SBB, den Schienenverschleiß um bis zu 20 Prozent senken. Beides verringert die Betriebskosten der neuen Lokomotive. Damit etabliert sich Stadler eigenen Aussagen nach im Segment der elektrischen Bo´Bo´-Streckenlokomotiven.

Weiterhin zeigt Stadler vier Teile des eigentlich achtteiligen FLIRT Nordic Express für die norwegische Norske tog, der eigens für den Fernverkehr unter den besonderen klimatischen Bedingungen Norwegens entwickelt wurde. Dazu entsprechen die mit Schneepflügen an beiden Enden ausgerüsteten Züge der Schneeklasse „S3“, die einer maximalen Schneehöhe von 800 mm über Schienenoberkante entspricht. Die 220 Meter langen Züge sind teilbar, wobei jeder Teil eigenständig fahrfähig ist. Insgesamt liefert Stadler 17 Züge in vier Versionen dieser Bauart für den Tages- und Nachtverkehr. Je nach Einsatzgebiet erhalten diese zwei verschiedene Antriebsarten, entweder rein elektrisch oder als Zweikraftfahrzeug mit Elektro-Diesel-Antrieb für den Übergang auf nicht elektrifizierten Strecken.

Auffällig an den FLIRT Nordic für Norske tog ist der große Schneeräumer an den Fronten. Diese sind aufgrund der geforderten Schneeklasse S3 vorgeschrieben.(Bild:  Richard Oed)
Auffällig an den FLIRT Nordic für Norske tog ist der große Schneeräumer an den Fronten. Diese sind aufgrund der geforderten Schneeklasse S3 vorgeschrieben.
(Bild: Richard Oed)

Züge für Italien, Österreich und Deutschland

Einer der im Stadler-Werk Bussnang gefertigten ersten maßgeschneiderten Wasserstoffzüge für italienische 950-mm-Schmalspurstrecken ist ebenfalls ausgestellt. Insgesamt 21 Züge dieser Bauart werden zukünftig in drei Regionen eingesetzt: auf Sardinien bei Azienda Regionale Sarda Trasporti (ARST, zehn Fahrzeuge), in Kalabrien bei Ferrovie della Calabria (FdC, neun Züge) sowie auf Sizilien bei Ferrovia Circumetnea (FCE, zwei Züge) rund um den Ätna . Laut Stadler sparen allein die zehn Triebzüge der ARST gegenüber einem Dieseltriebzug 2100 Tonnen CO2 pro Jahr ein. Der gezeigte Zug soll die Farbgebung aller drei Bahngesellschaften tragen.

Auf drei Strecken im Süden Italiens werden die 120 km/h schnellen Schmalspur-Wasserstoffzüge unterwegs sein. (Bild:  Stadler)
Auf drei Strecken im Süden Italiens werden die 120 km/h schnellen Schmalspur-Wasserstoffzüge unterwegs sein.
(Bild: Stadler)

Zusammen mit den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) werden der sechsteilige und doppelstöckige KISS Railjet für den Fernverkehr und der FLIRT Akku präsentiert. Dieser kann auch auf nicht elektrifizierten Strecken durch seine Batterieausrüstung emissionsfrei fahren. Beide Züge werden in St. Margrethen in der Schweiz gefertigt.

Als Beispiel für seine TINA-Baureihe – TINA steht für „Total Integrierter Niederflur-Antrieb“ – stellt Stadler seine Straßenbahn für die Rostocker Straßenbahn vor, die einen durchgehend stufenlos begehbaren Fahrgastraum und Panoramafenster aufweist. Den Fahrer entlasten mehrere Fahrerassistenzsysteme. Produziert werden die Züge im polnischen Werk Siedlce. Die TINA-Bahnen sind bereits in sechs Städten im Einsatz: Neben Rostock sind das Darmstadt, Basel, Halle (Saale), Gera und Den Haag. Weitere Städte, darunter Görlitz und Zwickau, haben bei Stadler TINA-Fahrzeuge bestellt.

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Auch Rostock bekommt seine „TINA“. Damit ist die RSAG der vierte Verkehrsbetrieb, der Straßenbahnen dieses Typs in Betrieb genommen hat.(Bild:  Stadler)
Auch Rostock bekommt seine „TINA“. Damit ist die RSAG der vierte Verkehrsbetrieb, der Straßenbahnen dieses Typs in Betrieb genommen hat.
(Bild: Stadler)

Ganz neu sind die speziell für die Steilstrecken und Tunnel der baden-württembergischen Landeshauptstadt ausgerüsteten Stadtbahnen für die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB). Dazu besitzen die Bahnen einen Allradantrieb und bieten durchgehend stufenlose Zugänge und Fahrgasträume. Das Design der Züge wurde bereits ausgezeichnet. Der Preis wird während der InnoTrans bekannt gegeben. 70 Fahrzeuge sind bestellt und werden in Berlin gefertigt.

Auch in der Halle vertreten

Neben dem Freigelände ist Stadler auch in der Halle 2.2 (Stand 230) vertreten. Dort können sich die Besucher und Besucherinnen über die verschiedenen Tätigkeitsbereiche informieren. Vertreten sind die Bereiche Fahrzeuge, intelligente Instandhaltung und Signal- und Automatisierungslösungen. In seinem Forum präsentiert Stadler rund fünfmal täglich Fachreferate zu aktuellen Themen der Bahnbranche.

Die 15. InnoTrans 2026 ist in Berlin für Fachbesucherinnen und Fachbesucher von Dienstag, 22. September, bis Donnerstag, 24. September, von 09:00 Uhr bis 18:00 Uhr und am Freitag, den 25. September, von 09:00 Uhr bis 16:00 Uhr geöffnet. (se)

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