Tür-zu-Tür-Beförderung über Verkehrsmittel hinweg Projekt Pods4Rail entwickelt neuartiges, automatisiertes Mobilitätskonzept

Von Stefanie Eckardt 3 min Lesedauer

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Im EU-Projekt Pods4Rail haben 15 Partner aus Forschung und Industrie ein neuartiges, automatisiertes Mobilitätskonzept entwickelt, das verschiedene Verkehrsträger enger miteinander verknüpfen soll. Der Ansatz ist modular: Kapseln für den Transport von Personen und Gütern werden mit mobilen Untersätzen für unterschiedliche Verkehrsmittel kombiniert.

Mit dem nahtlosen Umladen zwischen mehreren Verkehrsträgern will Pods4Rails neue Möglichkeiten im Bereich Mobilität eröffnen.(Bild:  moodley)
Mit dem nahtlosen Umladen zwischen mehreren Verkehrsträgern will Pods4Rails neue Möglichkeiten im Bereich Mobilität eröffnen.
(Bild: moodley)

„Das Ziel bei Pods4Rail ist die durchgängige Beförderung von Tür zu Tür über unterschiedliche Verkehrsmittel hinweg. Personen und Güter bleiben die ganze Zeit in der gleichen Kapsel und werden bei Bedarf mit ihr auf eine andere Trägereinheit umgeladen“, erklärt Manuel Osebek vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt den zentralen Gedanken von Pods4Rail. Er hat das Projekt am DLR-Institut für Fahrzeugkonzepte federführend betreut. Neben dem DLR sind an dem Projekt die Delft University of Technology, das European Rail Research Network of Excellence (Eurnex), die Hacon Ingenieurgesellschaft, Moodley Industrial Design, Netherlands Organisation for Applied Scientific Research (TNO), Polytechnical University of Madrid (UPM), Prorail, Railenium, Siemens Mobility, Siemens Mobility Austria, Swedish Royal Institute of Technology (KTH), Trafikverket Swedish transport administration, University Gustave Eiffel und University of West Bohemia (UWB) beteiligt

Schiene als Rückrat

Eine Kapsel kann zum Beispiel auf einer Straßen-Trägereinheit im ländlichen Raum starten. An einem Knotenpunkt wird sie automatisiert auf Schienen-Trägereinheiten umgesetzt. So kann sie gemeinsam mit weiteren Kapseln den größten Teil der Strecke energieeffizient auf der Schiene zurücklegen. Ob Reisende oder Logistikunternehmen – im Mittelpunkt des Konzepts stehen die Bedürfnisse der Nutzer.

Weltweit denken viele Städte über Seilbahnen als Ergänzung ihres öffentlichen Nahverkehrs nach. Deshalb hat Pods4Rail auch diesen Verkehrsträger betrachtet und untersucht, inwieweit Seilbahnen in das Konzept integriert werden können. Die Schiene bildet aufgrund ihrer hohen Kapazität, Effizienz sowie Klima- und Umweltverträglichkeit das Rückgrat von Pods4Rail. „Für die Studie haben wir nicht nur die für ein solches Konzept notwendigen Fahrzeuge betrachtet. Wichtige Aspekte waren auch, wie Kapseln und Trägereinheiten miteinander verbunden werden können oder Fragen der Automatisierung. Analysen zur notwendigen Infrastruktur und Ideen für digitale Betriebskonzepte machten die Arbeiten komplett“, fasst Osebek zusammen. Dabei profitierte das EU-Projekt vom vielfältigen Know-how der Beteiligten.

Nutzerbefragungen als Grundlage für technische Anforderungen

Zu Beginn analysierte das Projektteam bestehende intermodale Mobilitätssysteme und mögliche Einsatzbereiche. Dabei achteten sie bei der Bewertung auf technische Leistungsdaten genauso wie auf Akzeptanz, Komfort, Barrierefreiheit, Umweltwirkung und wirtschaftliche Einsatzmöglichkeiten. Das DLR führte dazu Befragungen mit potenziellen Nutzungsgruppen durch und bewertete bestehende Fahrzeug- und Mobilitätskonzepte als technologische Vorbilder.

Insgesamt identifizierte das Team mehr als 20 Anwendungsfälle und arbeiteten acht Geschäftsszenarien aus. Die Einsatzmöglichkeiten reichen vom bedarfsgerechten Personenverkehr auf schwach ausgelasteten Nebenstrecken über Paket- und Expresslogistik bis zu mobilen medizinischen Einrichtungen. Die Ergebnisse bildeten die Grundlage, um die technischen Anforderungen an Kapseln, Trägereinheiten, automatisierte Umschlagsysteme und das Mobilitätsmanagement abzuleiten.

Nutzeranforderungen in Fahrzeugkonzepte umsetzen

Ein Schwerpunkt des DLR lag auf der Frage, wie sich die Anforderungen in technisch realisierbare Fahrzeugkonzepte übertragen lassen. Dazu untersuchte es unter anderem modulare und leichte Fahrzeugstrukturen, den Energiebedarf, die Klimatisierung der Kapseln sowie die Schnittstellen zwischen Kapsel und Fahrwerk. Hinzu kamen Anforderungen an die Kommunikation zwischen Fahrzeugen, Infrastruktur und Verkehrsmanagement.

Außerdem brachte das DLR seine Expertise zu Normen, Zulassungsverfahren und Sicherheitsanforderungen im Straßen- und Schienenverkehr ein. Daraus entstanden übergeordnete funktionale Anforderungen an das Gesamtsystem. Diese dienten dann als Grundlage, um Transportkabinen, Trägereinheiten, Verriegelungs- und Umschlagsystem auszuarbeiten.

Neue bedarfsgerechte Angebote schaffen

Pods4Rail zeigt, wie sich Verkehrsinfrastrukturen flexibler nutzen und unterschiedliche Verkehrsträger enger miteinander verbinden lassen. Besonders auf Nebenstrecken und in Regionen mit schwankender Nachfrage kann das Konzept neue bedarfsgerechte Angebote ermöglichen. Gleichzeitig lassen sich größere Teile einer Transportkette auf die energieeffiziente Schiene verlagern, ohne die Vorteile einer direkten Straßenanbindung aufzugeben.

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Die Ergebnisse schaffen eine Grundlage, um einzelne Komponenten weiterzuentwickeln und in größerem Maßstab zu erproben. So können in einem nächsten Schritt Fragen der Zulassung, Wirtschaftlichkeit und Integration in bestehende Verkehrsnetze thematisiert werden. Dazu startet voraussichtlich noch in diesem Jahr das Nachfolgeprojekt „Pods and Regional Flexible Efficient Rolling Stock“ (PREFER) unter Leitung des DLR. (se)

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