Erfolgreiches KI-Geschäftsmodell? Ruqi Mobility: Datenverkauf als Geschäftsmodell

Von Henrik Bork 3 min Lesedauer

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Wie sollen die Milliarden, die Chinas Automobilbranche in künstliche Intelligenz investiert, jemals rentabel werden? Ruqi Mobility, eine Robotaxi-Tochter des Staatskonzerns GAC, glaubt, eine Antwort zu haben und vermarktet die Daten, die seine Fahrzeuge während der Beförderung von Passagieren sammeln.

Daten autonomer Fahrzeuge und autonom agierender Roboter sind gefragt und Ruqi möchte n profitieren.(Bild:  Ruqi Mobility)
Daten autonomer Fahrzeuge und autonom agierender Roboter sind gefragt und Ruqi möchte n profitieren.
(Bild: Ruqi Mobility)

Am 3. August 2026 verkündete Ruqi Mobility zum zweiten Mal in diesem Jahr eine positive Gewinnwarnung. Die Zahlen für das erste Halbjahr übertrafen die Erwartungen. Das Fahrgeschäft erwirtschaftete 3,92 Milliarden Yuan. Dies bedeutete einen Zuwachs von 139,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Zwar schreibt Ruqi immer noch Verluste. Soochow Securities prognostiziert jedoch, dass das Unternehmen 2027 profitabel wird. Zwei Geschäftsbereiche treiben das Wachstum an: die Passagierbeförderung mit Ride-Hailing-Fahrzeugen und Robotaxis sowie der Verkauf von KI-Trainingsdaten, den Ruqi als „Technologiedienstleistungen“ bezeichnet.

Im ersten Halbjahr erzielte das Fahrgeschäft 3,92 Milliarden Yuan, was einem Anstieg von 139,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Die Datensparte, die erstmals mehr als 100 Millionen Yuan (etwa 13 Millionen Euro) Umsatz erreichte, wuchs um 274,4 Prozent und erzielte eine Bruttomarge von 22,7 Prozent.

Kampf dem Mangel an Daten

Der Fortschritt der physischen KI, also von Robotern und autonomen Fahrzeugen, werde momentan vor allem durch einen Mangel an hochwertigen Daten gebremst, sagte Zhang Jianzhong, Chef des chinesischen Chipentwicklers Moore Threads, kürzlich auf der World Robot Conference in Peking.

Das war keine wirkliche Neuheit, zeigt aber, dass dieses Problem ins Zentrum des Interesses chinesischer Praktiker rückt. Maschinen, die greifen, lenken und bremsen sollen, benötigen Daten, die nicht im Internet verfügbar sind. Die Erzeugung solcher Daten mit ferngesteuerten Robotern kostet zwischen 10 und 50 Yuan pro Datensatz, umgerechnet etwa 1,30 bis 6,40 Euro, schätzt das chinesische Finanzportal Aerfa Gongchang Yanjiuyuan. Anfang 2026 existierten weltweit nur etwa 500.000 Stunden hochwertiger Daten aus physischer Interaktion, hieß es weiter. Der Bedarf sei zu mehr als 99 Prozent unbefriedigt.

Ruqi kann solche Daten günstig selbst generieren und plant, in fünf Jahren mit Robotaxis in 100 Städten zu operieren und mit Partnern mehr als 10.000 Robotaxis zu betreiben. In Städten wie Guangzhou, Shanghai, Chongqing und Shenyang sammeln mehr als 300 Fahrzeuge Verkehrsdaten.

Was passiert mit der Datenflut?

Drei Service-Zentren mit mehr als 1.500 Mitarbeitern bereiten diese Daten auf. Kunden sind Entwickler von Fahrassistenzsystemen, Robotern und Sprachmodellen. Der Staat unterstützt den Datenverkauf. Im Juli wurden vier Datenkategorien von Ruqi in den „Trusted Data Space“ der chinesischen Autoindustrie aufgenommen, ein Pilotprojekt der Nationalen Datenbehörde in Peking. Dieser Datenraum macht die Daten rechtssicher und handelbar. Der Staat, der über GAC hinter Ruqi steht, schafft damit einen verlässlichen Marktplatz für den Datenhandel.

Seit Juni verkauft Ruqi auch Daten für Roboter, darunter Videos von Arbeitsvorgängen aus der Ich-Perspektive. Die GAC-Tochter expandiert damit in das Feld der verkörperten Intelligenz. Diese Industrie boomt gerade in China. Im ersten Halbjahr gab es 93,5 Milliarden Yuan (etwa zwölf Milliarden Euro) an Investitionen in entsprechende Firmen, fünfmal so viel wie im Vorjahreszeitraum. „Die Technologie bringt Robotaxis auf die Straße, aber der Betrieb entscheidet über die Skalierung“, zitiert die China Daily Han Feng, Chief Operating Officer von Ruqi. Seit Juli 2025 steht Ruqis Robotaxi-Plattform unter dem Namen „Robotaxi+“ für Partner offen. Pony.ai liefert seit März die neueste Fahrzeuggeneration.

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Der chinesische Markt für Robotaxi-Fahrten entsteht gerade erst. Goldman Sachs schätzt den Marktwert für 2025 auf knapp 47 Millionen Euro, mit einem Wachstum auf etwa 41 Milliarden Euro bis 2035. Ruqi ist ein relativ kleiner Akteur. Pony.ai betreibt weltweit mehr als 1.700 Fahrzeuge, WeRide etwa 1.300. Caocao, der Fahrdienst von Geely, plant bis 2030 sogar 100.000 Robotaxis.

Doch von diesem relativ kleinen Akteur geht gerade ein interessanter Anstoß für die Branche aus. In Guangzhou haben seine Robotaxis begonnen, zusätzlich als rollende Datensammler zu arbeiten. Die Fahrgäste finanzieren die Flotte, während die KI-Industrie die gesammelten Daten kauft. Ein pragmatisches Geschäftsmodell für eine Technologie, deren Anbieter sonst oft große Worte machen, das Problem der Monetarisierung aber ganz nonchalant auslassen. Und es funktioniert schon jetzt. (sb)

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