BVG, Moia, Uber „Überall Versuche, staatlich Uber oder Moia nachzumachen“

Von Svenja Gelowicz

Wie verhärtet die Fronten zwischen ÖPNV-Anbietern wie der BVG und privaten Mobilitätsdiensten wie Uber und Moia sind, zeigte ein Schlagabtausch bei einer Branchendiskussion. Worum es den Unternehmen dabei geht.

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In großen Städten wie Berlin drängeln sich verschiedene Mobilitätsanbieter neben Platzhirschen wie der BVG.
In großen Städten wie Berlin drängeln sich verschiedene Mobilitätsanbieter neben Platzhirschen wie der BVG.
(Bild: © Yehuda Swed – stock.adobe.com)

In den vergangenen Jahren hat das Mobilitätsangebot in der Bundeshauptstadt ordentlich Zuwachs bekommen. Was früher Taxi und ÖPNV war, ist heute ein Mix aus Leihrädern, E-Scootern, Carsharing, Ridepooling und anderen Diensten. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), Deutschlands größtes Nahverkehrsunternehmen, haben seit längerer Zeit Mitspieler aus der Privatwirtschaft bekommen.

Von links: Moia-Chef Robert Henrich, BVG-Chefin Eva Kreienkamp, Uber-Manager Roland Werner.
Von links: Moia-Chef Robert Henrich, BVG-Chefin Eva Kreienkamp, Uber-Manager Roland Werner.
(Bild: Moia, BVG, Uber)

„Wir sind als großer Anbieter überall, aber doch nicht wirklich überall“, räumt BVG-Chefin Eva Kreienkamp bei einer Diskussionsrunde der „Digital Mobility Conference 2021“ ein, die der Digitalverband Bitkom am Mittwoch veranstaltet hat. Früher seien die ÖPNV-Anbieter „Helden“ gewesen, die einen Beitrag zur Mobilitätswende leisteten. Die Pandemie habe „erhebliche Verwerfungen auf den Weg gebracht“, sagt Kreienkamp mit Blick auf sinkende Fahrgastzahlen und die Diskussionen um die Sicherheit in öffentlichen Verkehrsmitteln in Sachen Corona-Übertragung.

Man wolle mit Partnern zusammenarbeiten, sehe sich als „geborene Mitspieler“. Im Gespräch mit dem Moia-Chef Robert Henrich sowie Uber-Manager Roland Werner merkte Kreienkamp aber auch an, dass bei neuen Anbietern auch Punkte wie „Mindestlohn, Plattformökonomie, soziale Standards“ berücksichtigt werden müssten. Da sehe man bei manchen Unternehmen noch großen Nachholbedarf.

Werner: „Mache mir Sorgen“

Roland Werner, Director Public Policy bei Uber, kritisierte bei der Veranstaltung mit deutlichen Worten den öffentlichen Sektor. In Deutschland hätten die staatlichen ÖPNV-Akteure begonnen, in Bereiche vorzustoßen, die private Anbieter besetzt hätten. „Ich mache mir Sorgen, wenn ich mich umsehe. Überall im Kleinen werden Versuche gemacht, staatlich Uber oder Moia nachzumachen und gleichzeitig wird der Spielraum für private Anbieter klein gehalten.“ Stattdessen sollte sich der ÖPNV weiter auf das „große System“ konzentrieren. Von der neuen Regierung erhoffe er sich mehr Vertrauen in private Mobilitätsanbieter.

„Wir müssen mit Offenheit, Fairness und auf Augenhöhe aufeinander zugehen“, sagte wiederum Moia-Chef Robert Henrich. Das sei in der Vergangenheit nicht der Fall gewesen. Es gäbe „tiefe Gräben zwischen ÖPNV und Privatwirtschaft“, die es zu überwinden gälte. Zugleich sei die Planungssicherheit bei beiden Seiten niedrig, nur gemeinsam könne man sich vortasten.

Er sei überzeugt, dass es künftig immer Situationen geben werde, wo entweder der ÖPNV oder das Auto unschlagbar seien. Sein Fahrdienst, hinter dem der Autokonzern Volkswagen steht, sei eine „intelligente Lösung in der Mitte.“ Auch er blicke mit Sorge auf die Aktivitäten der Verkehrsbetriebe. Die neuen Angebote dürfe „niemand, weder öffentlich noch privat, für sich monopolisieren.“

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