Schnellladenetz „Tank & Rast bremst die Entwicklung aus“

Autor / Redakteur: Jens Rehberg / Jens Rehberg

Ein holländischer Ladesäulen-Spezialist fordert – nicht ganz uneigennützig – Zugang zu den deutschen Autobahnraststätten und übt Kritik am dortigen Monopol von Tank & Rast. Und es gibt noch ein weiteres Problem.

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Fastned-Schnellladestation am Autobahnkreuz Hilden (A3/A46) bei Düsseldorf
Fastned-Schnellladestation am Autobahnkreuz Hilden (A3/A46) bei Düsseldorf
(Bild: Fastned)

Der holländische Schnellladesäulenanbieter Fastned fordert von der Bundesregierung einen besseren Zugang zu attraktiven Standorten entlang der deutschen Autobahnen. Derzeit bremse das Monopol des Raststättenbetreibers Tank & Rast die Entwicklung aus. „In Deutschland hält Tank & Rast die Konzessionen für die meisten Raststätten. Da es so gut wie keine Alternativen gibt, genießen sie eine Quasi-Monopolsituation, die es potenziellen Wettbewerbern sehr schwer macht“, kritisiert Fastned-Chef Michiel Langezaal in einem Interview in der aktuellen Ausgabe der „Auto Motor und Sport“.

Dabei sei der Aufbau einer leistungsfähigen Ladeinfrastruktur vor allem entlang der Autobahnen von zentraler Bedeutung für die Entwicklung der Elektromobilität. „Diese Standorte verändern das Mindset – auch und gerade bei Fahrern von Verbrennern“, so Langezaal. „Spätestens wenn ich alle 20 Minuten an einer von der Autobahn aus gut sichtbaren Schnellladestation vorbeifahre, fange ich an, der Ladeinfrastruktur zu vertrauen; das ist gut für Elektromobilität.“

In den Niederlanden habe die Regierung den Zugang ermöglicht. „Hier hat die Regierung bereits 2012 eine öffentliche und transparente Ausschreibung zum Bau von Schnellladestationen entlang der Autobahnen durchgeführt“, erläutert der Firmenchef.

Sechs Monate Wartezeit

Fastned betreibt bislang nach eigenen Angaben 100 Ladestationen in Holland und 21 hierzulande. Über seine Schnelllader verkauft das Unternehmen ausschließlich grünen Strom. Laut Michiel Langezaal kann das Geschäft bereits rentabel betrieben werden – Fastned habe 2020 ein Ergebnis in Höhe von rund 900.000 Euro erwirtschaftet.

Neben dem Standortthema beschäftigen den Manager in Deutschland noch Kapazitätsengpässe bei den Netzbetreibern, an deren Mittelspannungsnetz sich Fastned anhängen muss. Es dauere aktuell oft bis zu sechs Monate, bis ein Netzanschluss bei einem der über 380 deutschen Netzbetreiber realisiert werden könne.

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