Verkehrssicherheit Studie: Der Ton auf deutschen Straßen wird immer rauer

Von Stefanie Eckardt 3 min Lesedauer

Die Aggressionen im Straßenverkehr nehmen immer weiter zu. Das ergab eine Langzeitstudie der Unfallforschung der Versicherer. So haben sich im Vergleich zur letzten Studie aus dem Jahr 2023 sämtliche ermittelten Werte für aggressives Verhalten deutlich verschlechtert.

Auf deutschen Straßen sind immer mehr aggressive Autofahrer als in den vergangenen Jahren zu finden, wie eine Studie der Unfallforschung der Versicherer ergab.(Bild:  mit KI erstellt)
Auf deutschen Straßen sind immer mehr aggressive Autofahrer als in den vergangenen Jahren zu finden, wie eine Studie der Unfallforschung der Versicherer ergab.
(Bild: mit KI erstellt)

„Jeder zweite Autofahrende muss sich sofort abreagieren, wenn er sich über andere ärgert“, erklärt UDV-Leiterin Kirstin Zeidler. Die Zahlen sprechen Bände. Während das dieses Jahr 55 Prozent waren, lag der Wert 2023 bei 50 Prozent und 2016 sogar nur bei 29 Prozent. Fast die Hälfte drängelt (47 Prozent) mitunter, wenn der oder die Vorausfahrende vermeintlich bummelt. 2023 lag die Zahl der Drängler bei 39 Prozent und 2016 bei 29 Prozent. Und fast ein Drittel schert nach dem Überholen schon mal so dicht ein, dass der andere bremsen muss. Das entspricht 32 Prozent im Vergleich zu 24 Prozent im Jahr 2023 bzw. 21 Prozent im Jahr 2016

Doch nicht nur Autofahrer verhalten sich aggressiv – auch Radfahrer sehen die Straßenverkehrsordnung hin und wieder nur als Empfehlung an, an die man sich nicht halten muss. So erzwingen rund 43 Prozent die Vorfahrt. Das waren 2023 lediglich 28 Prozent. Zudem überholt fast jeder zweite Autos auch mal links oder schlängelt sich durch den Verkehr. Mit 48 Prozent sind das 14 Prozent mehr als noch 2023.

Selbst- und Fremdbild sehr unterschiedlich

„Es ist verantwortungslos, aus Wut oder um schneller ans Ziel zu kommen die Gesundheit oder das Leben anderer aufs Spiel zu setzen“, unterstrich Zeidler mit Nachdruck „Dabei sehen die meisten die Probleme bei anderen, nicht bei sich selbst.“ Wie auch schon in den Vorgängerstudien klaffen Selbst- und Fremdbild weit auseinander. So antworten 92 Prozent aller Autofahrer, dass sie Radfahrer besonders rücksichtsvoll überholen. Gleichzeitig beobachten 86 Prozent, dass andere zu eng überholen.

Auch das Selbstbild der meisten Radfahrer trifft nicht das Fremdbild. Zwar geben 48 Prozent geben zu, Autos auch mal links zu überholen oder sich durch den Verkehr zu schlängeln, wenn sie rechts nicht vorbeikommen. Aber 83 Prozent beobachten dieses Verhalten bei anderen Radfahrern. Die Ursache für das aggressive Verhalten kennt wohl jeder: „Das Leben wird immer hektischer, wir sind quasi permanent erreichbar, der Druck nimmt zu“, so Zeidler. „Das geht auch am Straßenverkehr nicht vorbei, die Zündschnur wird kürzer.“

Ablenkung am Steuer wächst

Auch die Nutzung des Smartphones am Steuer nimmt bedenklich zu. Jeder Vierte schreibt während der Fahrt zumindest ab und an Nachrichten, jeder Fünfte nutzt soziale Netzwerke. Besonders verbreitet ist das Handy am Steuer bei den 18- bis 35-Jährigen (63 Prozent), zunehmend aber auch in den höheren Altersklassen (42 Prozent der 36- bis 55-Jährigen, 22 Prozent der 56- bis 69-Jährigen). „Der Zeitgeist läuft der Sicherheit entgegen“, so Zeidler.

Wie lässt sich Verkehrssicherheit besser durchsetzen?

Polizeikontrollen erwarten die Befragten inzwischen etwas häufiger, erleben sie de facto aber selten. Auch das Strafmaß empfinden viele als mild. Kontrollen und Sanktionen sollten daher verschärft werden. Aus UDV-Sicht sind Verkehrsplaner und Verkehrspsychologen gefordert, Konzepte gegen aggressives Verhalten im immer dichter werdenden Verkehr zu entwickeln. Kampagnen sollten auf ein rücksichtsvolleres Miteinander abzielen.

Weitere Ergebnisse der seit 2010 regelmäßig durchgeführten UDV-Studie: Die meisten Verkehrsteilnehmer in Deutschland fühlen sich im Straßenverkehr sicher. Allerdings ist die Schere zwischen Männern und Frauen recht groß. Denn während sich 66 Prozent der Männer sicher fühlen, sind es bei den Frauen lediglich 48 Prozent. Aus diesem Grund befürworten Frauen schärfere gesetzliche Maßnahmen auch stärker als Männer. Beide Geschlechter sprechen sich vor allem für die Null-Promille-Grenze im Kraftfahrzeug (74 Prozent) und für eine neue, zusätzliche 1,1 Promillegrenze für Radfahrer (rund 72 Prozent) aus. So stark wie nie zuvor plädieren die Befragten zudem für Tempo 130 auf Autobahnen (rund 60 Prozent), Tempo 80 auf Landstraßen (rund 53 Prozent) und Tempo 30 in Städten (rund 43 Prozent). (se)

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