E-Auto Mia Stromer für die Stadt: Münchener Autobauer Fox E-Mobility plant ab 2023 Serienproduktion

Autor: Svenja Gelowicz

Vor zehn Jahren war der E-Autobauer Mia Electric ein Exot im Markt. 2014 kam die Pleite. Nun wagt die Marke unter neuen Besitzern eine Wiedergeburt und besorgt sich das Geld dafür an der Börse. Kann das funktionieren?

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Der Ministromer Mia in seiner ersten Varianet. Fox E-Mobility will das Fahrzeug ordentlich modernisieren und dann Anfang 2023 in den Markt bringen.
Der Ministromer Mia in seiner ersten Varianet. Fox E-Mobility will das Fahrzeug ordentlich modernisieren und dann Anfang 2023 in den Markt bringen.
(Bild: Fox E-Mobility)

Häufig sprechen Passanten Alexander Kränkel an, wenn er mit seinem Auto unterwegs ist. Der auf E-Fahrzeuge spezialisierte Händler verkauft nicht nur Stromer namens Mia, sondern fährt das Fahrzeug auch privat. Es ist eines von etwa 1.600 Exemplaren, die vor über zehn Jahren auf den Markt gekommen sind. „Die Leute wundern sich über die Schiebetüren und darüber, dass der Fahrer in der Mitte sitzt“, erzählt Kränkel. Das Auto fahre sich „toll“ und sei robust.

Mia Electric war einer der ersten E-Auto-Hersteller in Europa. Den Elektro-Pionieren erging es damals wie einigen solcher Unternehmen: Das Start-up war 2014 pleite, über 200 Beschäftigte plötzlich ohne Job. Schwierigkeiten gab es einige. Die Batteriepreise waren um ein vielfaches höher. Werker haben die Stromer in Frankreich in einem Werk manuell gebaut, das eigentlich auf Sonderaufbauten ausgerichtet war. Und generell gab es kaum Ladeinfrastruktur und wenig Interesse an E-Autos.

Nicht jeder kleine Hersteller braucht eigene Fabriken.

„Die Kostenstruktur war komplett unwirtschaftlich“, sagt Christian Jung. Er ist Technikchef bei Fox E-Mobility. Das Unternehmen hat Ende des vergangenen Jahres einen Börsengang hingelegt und will mit dem Mia-Fahrzeug einen Neustart wagen. Denn das Auto selbst habe sich bewährt, sagt Jung. „Wir müssen Mia natürlich in die 2020er heben und ein großes Facelift machen. Aber wir haben ein funktionierendes Auto und müssen nicht bei Null anfangen“. Insgesamt sind Jung zufolge schon 150 Millionen Euro in die Entwicklung von Mia geflossen.

Mia 2.0 soll 16.000 Euro kosten

Fox E-Mobility zielt mit der Neuauflage auf das Niedrigpreissegment: 16.000 Euro soll das Fahrzeug kosten, also möglichst erschwinglich sein. Zum Vergleich: Den „Volksstromer“ ID 3 von Volkswagen gibt es ab etwa 34.000 Euro.

Aus dem Scheitern von früher will das Unternehmen lernen. „Das eigene Werk war hochdefizitär“, sagt Ulrich Hörnke, Chief Financial Officer bei Fox E-Mobility. Für die Neuauflage wollen sie deshalb mit Auftragsfertigern zusammenarbeiten. Fox E-Mobility plant nach dem Hochlauf Anfang 2023 mit 100.000 Fahrzeugen jährlich. Diese Stückzahlen lasten eine Fabrik nicht voll aus, sagt Hörnke: „Nicht jeder kleine Hersteller braucht eigene Fabriken. Wenn mehrere von uns in eine Fabrik gehen, ist sie effizient und wir kommen zu attraktiven Preisen.“

Fox-Manager: „Wollen ein erschwingliches Auto anbieten“

Fox E-Mobility will sich für „Mia 2.0“ bei seiner fertigen E-Auto-Plattform bedienen. Die Batterie soll ein Upgrade bekommen, für etwa 200 Kilometer Reichweite soll der Stadtflitzer eine 30-kWh-Batterie erhalten. Damit schaffe das Fahrzeug 120 bis 130 Stundenkilometer. „Wir wollen das Rad nicht neu erfinden, sondern ein erschwingliches Auto anbieten“, sagt Hörnke.

Mia 2.0

Fox E-Mobility richtet sich mit dem Stromer unter anderem an umweltbewusste Städter, Lieferdienste und Handwerker. Vorne gibt es einen Fahrerplatz, im Fonds zwei Plätze für Mitfahrer. Die Sitze können entfernt werden – für Stauraum. Fox E-Mobility will das Fahrzeug für Car- und Ridesharing ausrichten, die nötige Hardware könnte direkt eingebaut werden.

Statt großer Displays können Nutzer ein eigenes Device wie Tablet oder Smartphone mit den benötigten Apps mitbringen und über eine Schnittstelle einfach andocken. Ein „Device auf Rädern“, was einige Hersteller anbieten wollen, ist nicht der Anspruch der Mia-Neuauflage; trotzdem soll das Fahrzeug „hochmodern“ sein. Mehr als die vorgeschriebenen Assistenzsysteme bekommt man für 16.000 Euro allerdings nicht.

„Das Fahrzeug ist was für Liebhaber“

Einer, der sich mit der ersten Mia-Version gut auskennt, ist Stephan Jacobi. Er hat in Mainz eine Werkstatt, in der er seit zehn Jahren die Fahrzeuge verkauft, repariert und instandsetzt. „Das Fahrzeug ist was für Liebhaber“, sagt er, nicht für die breite Masse. An die Wiedergeburt in einer neuen Version auf bereits entwickelter Technik glaubt er nicht. „Die bauen ein ganz anderes Auto, nutzen nichts von den Zulieferern. Und die bereits investierten 150 Millionen Euro sind nur eine Marketingstory“, kritisiert er. Er bezweifelt sogar, dass die Hersteller das Fahrzeug in den Markt bringen wollen. „Kleinserien waren schon mehrmals geplant. Passiert ist nichts.“

Dem widerspricht Fox-CTO Jung. Das Wertvolle aus den investierten 150 Millionen Euro seien weder Bauteile, Zulieferer oder Fertigungsstraßen. „Wir werden sicherlich alle Bauteile überarbeiten und an neue oder alte Automobilzulieferer vergeben, ganz analog zu einem normalen Fahrzeugprojekt. Der Wert liegt aber in dem Wort überarbeiten“, so der Manager. Zum Beispiel von Rohbau- und Crashkonzept. Dank Mia 1.0 sei der Aufwand deutlich geringer, alleine das koste ohne Vorarbeit laut Jung um die 30 Millionen Euro.

Ähnlich sei es bei der E/E-Plattform inklusive Antrieb: Die sei komplett neu. Jedoch steht die Grundkonstruktion bereits und man könne so in der Mitte eines Entwicklungsprojekts anfangen statt an der Startlinie. „Und das zieht sich durch alle Bauteilgruppen.“

E-Auto-Start-ups: Startschwierigkeiten

Einige E-Auto-Projekte haben hierzulande mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Das Start-up E.Go Mobile hat bereits eine Insolvenz hinter sich, Sono Motors musste per Crowdfunding um frisches Geld bitten. „Der Markt der Elektromobilität hat sich in den vergangenen Jahren massiv verändert und beschleunigt. Viele neue Unternehmen wurden gegründet, häufig von ehemaligen Führungskräften traditioneller Automobilhersteller, aber auch von Universitäten“, sagt Matthias von Alten, Vice President und Mobilitätsexperte beim Beratungshaus Publicis Sapient. „Chancen auf Erfolg hat grundsätzlich einmal jeder.“

Er sieht dabei drei Möglichkeiten: Nummer Eins, sie etablieren sich als eigenständige Marke wie beispielsweise der Schweizer Microlino oder der chinesische Hersteller Nio. Zweitens hilft eine Fusion mit einem Autobauer wie beispielsweise bei Canoo und Hyundai. Und im schlimmsten Fall scheitern sie eben.

CO2-Zertifikate als Erlösquelle

In den Geschäftsplan haben die Fox-Manager bereits den Verkauf von CO2-Credits eingerechnet. Wenn Autobauer die CO2-Vorgaben der EU nicht schaffen, können sie Emissionszertifikate bei anderen Herstellern kaufen. An diesem sogenannten CO2-Pooling verdienen bereits Unternehmen wie Tesla. Fox will damit vor allem die Anfangszeit abfedern: „Das Auto muss ohne solche Zuschüsse auf eigenen Beinen stehen können. Aber diese Einnahmen helfen uns, weniger Fremdfinanzierung zu benötigen“, sagt CFO Hörnke.

Freilich ist die Finanzierung gerade bei einem niedrigpreisigen Auto ein Knackpunkt. E-Autos sind weniger profitabel als vergleichbare Verbrenner. „Nur wer es schafft, durch Skalierungseffekte und einen hohen Standardisierungsgrad ein attraktives Produkt anzubieten, wird langfristig erfolgreich sein“, sagt Experte Matthias von Alten. Und auch wenn E-Autos in den Absatzbilanzen des vergangenen Jahres deutlich Boden gut gemacht haben, warnt von Alten mit Blick auf China vor zu viel Euphorie. „Man kann noch lange nicht von einem etablierten Markt der Elektromobilität sprechen.“

Fox E-Mobility arbeitet bislang mit einem zwölfköpfigen Team im Zentrum Münchens. Zwar will das Unternehmen wachsen. Doch der OEM will einiges anders machen als etablierte Autohersteller. Bei Vertrieb oder Entwicklung, sagt Jung, wolle man beispielsweise „existente Strukturen nutzen“, also zum Beispiel eng mit Entwicklungsdienstleistern zusammenarbeiten. „Wir wollen effizient sein und keine große Organisation aufbauen“, sagt der Manager.

Fragt man den E-Fahrzeughändler Alexander Kränkel, was er von einer Neuauflage der Mia hält, überlegt er kurz. „Das steht und fällt mit dem Marketing und den Herausstellungsmerkmalen“, sagt er dann. Bilder von der neuen Mia gibt es noch keine: Bleibt also abzuwarten, ob der Zwergstromer die künftigen E-Mobilisten überzeugen kann – wenn er wie geplant in zwei Jahren vom Band rollt.

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Über den Autor

 Svenja Gelowicz

Svenja Gelowicz

Redakteurin im Ressort Management