ÖPNV So will die DB Regio neue und flexible Angebote aufs Land bringen

Von Svenja Gelowicz

Noch hat der Linienbus nicht ausgedient. Doch die DB Regio will ihn künftig mit vielen anderen Diensten verknüpfen – auch denen von Wettbewerbern. „Die Angebote liegen auf der Straße“, sagt Frank Klingenhöfer, Chef von DB Regio Bus. Wie es nun endlich schnell gehen soll.

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Auf den Bus warten heißt häufig, fernab von Bahnhöfen an einsamen Straßen zu sitzen – und manchmal muss man sogar ein bisschen hoffen.
Auf den Bus warten heißt häufig, fernab von Bahnhöfen an einsamen Straßen zu sitzen – und manchmal muss man sogar ein bisschen hoffen.
(Bild: Svenja Gelowicz/Next Mobility)

Busfahren auf dem Land kann einem Glücksspiel gleichen. Kommt er, kommt er nicht? Ist er pünktlich? Hält er an? Wer den Linienplan studiert, findet für Werktage vielleicht noch eine stündliche Verbindung. An einem Sonntag schaut man aber schnell in die Röhre. Kurzum: Busfahren ist in suburbanen und ländlichen Räumen kaum attraktiv. Kein Wunder, dass die meisten lieber ins Auto steigen.

Laut einer am Mittwoch veröffentlichten Studie der Fraunhofer Institute IESE und ILM bemängeln Bürgerinnen und Bürger vor allem Taktung, Flexibilität, Verfügbarkeit und komplizierte Ticketkäufe. Erst „digital buchbare und datenbasiert aufeinander abgestimmte Mobilitätsangebote schaffen einen ÖPNV, mit dem man komfortabel und zuverlässig von Tür zu Tür reisen kann“, sagt Svenja Polst vom Fraunhofer IESE.

Die DB Regio Bus will das nun ändern – und zwar schleunigst. Vorstandschef Frank Klingenhöfer kündigte bei einem Pressegespräch am Mittwoch mehr Tempo und eine Zusammenarbeit mit Wettbewerbern an. „Wir haben viele Angebote im Setzkasten“, sagt Klingenhöfer mit Blick auf die Konzerntöchtern Clevershuttle und Ioki. Clevershuttle ist das Ridepooling-Angebot der Bahn, Ioki entwickelt Software für Fahrdienste auf Abruf. „Innerhalb von vier bis sechs Wochen können wir Fahrzeuge 'on-demand' in einen ländlichen Raum bringen und mit dem ÖPNV verzahnen“, so der Manager. Und die Software, um die Dienste in eine Angebots-App zu integrieren, sei „nur einen Klick entfernt“. Ebenso im Bauchladen sind Busse mit neuen Antriebskonzepten.

Nicht nur die konzerneigenen Dienste, sondern auch die der Wettbewerber müssten dabei eine Rolle spielen. Das können auch Fahrdienste von privaten Anbietern wie Uber oder Moia sein. Auch Fahrerpools, auf die mehrere Unternehmen zugreifen, bringt der Manager ins Spiel: Der Fachkräftemangel erfordere solche flexibleren Personalkonzepte.

DB-Regio-Bus-Chef: Mit den Landräten und ÖPNV-Verantwortlichen sprechen

Nun gelte es vor allem, die vielen Angebote zu verknüpfen und vor Ort in die Fläche zu integrieren. „Wir müssen ein Angebot schaffen, das die Bedürfnisse unserer Kundinnen und Kunden erfüllt“, sagt Klingenhöfer.

Dafür will die DB Regio nun schnell mit den Landräten und Behörden ins Gespräch kommen. Neben dem klassischen Linienbus soll sein Team dann den „Setzkasten“ erklären und – wenn nötig – Überzeugungsarbeit für die neueren Dienste leisten.

Um schnell flexiblere Angebote zu schaffen, müssten sich insbesondere die Ausschreibungen modernisieren. Verkehrsverträge gelten demnach häufig für zehn bis zwölf Jahre – zu lange, um Mobilität bedarfsgerecht anzupassen. „Die Angebote liegen auf der Straße, aber wir nutzen sie noch nicht gemeinsam mit allen Anbietern und Aufgabenträgern“, resümiert Klingenhöfer, was in den vergangenen Jahren beim ÖPNV im ländlichen Raum schief lief.

Verträge könnten künftig ein Innovationsbudget beinhalten. Derjenige, der sich auf einen Verkehrsleistungsvertrag bewirbt, müsste einen solchen Topf einplanen – so könnten Klingenhöfer zufolge schneller neue Angebote auf die Straße kommen. Die DB Regio Bus plane auch, Modell-Kommunen mit innovativen Verkehrskonzepten zu entwickeln, die als Vorbild für andere Regionen gelten können.

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