Bahntechnik Siemens Mobility liefert Wasserstoffzüge nach Rumänien

Von Richard Oed 3 min Lesedauer

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Ab 2029 bedienen zwölf Triebzüge des Typs Mireo Plus H nicht elektrifizierte Regionalstrecken im Großraum Bukarest. Sie ersetzen dort dieselbetriebene Fahrzeuge und ermöglichen so einen lokal emissionsfreien Betrieb.

Ab 2029 wird der Mireo Plus H in Rumänien auf Strecken rund um Bukarest unterwegs sein.(Bild:  Siemens Mobility)
Ab 2029 wird der Mireo Plus H in Rumänien auf Strecken rund um Bukarest unterwegs sein.
(Bild: Siemens Mobility)

Die rumänische Eisenbahnreformbehörde Autoritatea pentru Reformă Feroviară (ARF) hat Siemens Mobility am 15. April 2026 einen Auftrag zur Lieferung von zwölf wasserstoffbetriebenen Elektrotriebzügen erteilt. Dieser umfasst neben der Herstellung der Fahrzeuge auch Instandhaltungs- und Reparaturleistungen über zunächst 15 Jahre. Laut Medienberichten liegt der Auftragswert bei 325 Millionen Euro. Das ist der erste Auftrag Rumäniens über Wasserstoffzüge (Hydrogen Electric Multiple Unit, HEMU) und stellt eines der ersten Wasserstoffprojekte in Osteuropa dar. Damit geht Rumänien einen Schritt in Richtung Dekarbonisierung des Regionalverkehrs. Die neuen Triebzüge sollen 2029 in den Fahrgastbetrieb gehen. „Wir sind stolz darauf, Rumäniens erste Wasserstoffzugflotte zu liefern. Mit dem Mireo Plus H kombinieren wir eine bewährte Regionalzugplattform mit modernster Wasserstofftechnologie und ermöglichen emissionsfreien Bahnbetrieb auf nicht-elektrifizierten Strecken. Wasserstoff wird eine Schlüsselrolle bei der Erreichung einer klimafreundlichen Mobilität in Europa spielen, und dieses Projekt zeigt, wie Innovationen in zuverlässige und wirtschaftlich attraktive Mobilitätslösungen umgesetzt werden,“ betont Andre Rodenbeck, CEO Rolling Stock bei Siemens Mobility.

Das Antriebssystem der zweiteiligen Gelenkzüge basiert auf Wasserstoffbrennstoffzellen von Ballard Power Systems, ergänzt durch eine Lithium-Ionen-Batterie. Diese wird entweder über die Brennstoffzellen oder durch die bei Bremsvorgängen regenerativ gewonnene Energie geladen. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 120 km/h und die Leistung maximal 1.700 kW.

Auf geringen Verbrauch ausgelegt

Laut Siemens wurde das Fahrzeugkonzept gezielt in Hinsicht Gewicht, Komplexität, Energieverbrauch und Wartungskosten optimiert. Ausgerüstet sind die Fahrzeuge mit der punktförmigen Zugbeeinflussung (PZB) und dem Europäischen Train Control System (ETCS). Damit erfüllen sie die europäischen Sicherheits- und Interoperabilitätsnormen.

Die Triebzüge verfügen über 131 feste Sitzplätze und fünf Klappsitze. Zwei Züge können gekuppelt werden und bieten so dem Betreiber Flexibilität beim Einsatz. Ein Fahrgastinformationssystem mit Außen- und Innenanzeigen informiert die Fahrgäste kontinuierlich über ihre Reise. Automatische Durchsagen informieren nicht nur die Reisenden, sondern unterstützen auch das Personal. Eingesetzt werden sollen die Züge laut Presseberichten unter anderem auf vier von Bukarest ausgehenden, nicht-elektrifizierten und gemeinwirtschaftlich betriebenen Strecken (Public Service Obligation / PSO).

Der mit dem Auftrag verbundene Full-Service-Instandhaltungsvertrag beinhaltet eine End-to-End-Servicelösung mit der vollen Verantwortung als „Entity in Charge of Maintenance“, läuft über 15 Jahre und kann um weitere 15 Jahre verlängert werden. Die Instandhaltung wird durch Wartungs- und Flottenmanagementsysteme der Railigent-X-Plattform von Siemens Mobility unterstützt. Diese ermöglichen eine zustandsbasierte und vorausschauende Wartung (Predictive Maintenance) und so eine hohe Fahrzeugverfügbarkeit und eine lange Lebensdauer der Komponenten und Batterien. In Bukarest wird zudem ein spezielles Depot errichtet, in dem Siemens die Instandhaltungsarbeiten ausführt.

Mireo Plus H fährt bereits in Deutschland

Auf Anhieb kaum zu unterscheiden sind die Varianten Mireo Plus B und Mireo Plus H der Mireo Plattform.(Bild:  Richard Oed)
Auf Anhieb kaum zu unterscheiden sind die Varianten Mireo Plus B und Mireo Plus H der Mireo Plattform.
(Bild: Richard Oed)

Die neuen Züge für Rumänien bauen auf der Mireo-Plattform von Siemens Mobility auf. Diese umfasst rein elektrisch betriebene Triebzüge (Electric Multiple Unit, EMU), den Mireo Plus B als batterieelektrische Zug (Battery Electric Multiple Unit / BEMU) und den Mireo Plus H als wasserstoffbetriebene Variante (HEMU). Insgesamt sind die Mireo-Züge in 24 Flotten mit fast 600 Fahrzeugen im Einsatz.

Der Mireo Plus H der Niederbarnimer Eisenbahn ist seit Dezember 2024 auf der Heidekrautbahn bei Berlin unterwegs.(Bild:  Richard Oed)
Der Mireo Plus H der Niederbarnimer Eisenbahn ist seit Dezember 2024 auf der Heidekrautbahn bei Berlin unterwegs.
(Bild: Richard Oed)

In Deutschland sind derzeit bei der Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) auf der Heidekrautbahn sieben Wasserstoffzüge im Planeinsatz. Dazu kommt ein Testbetrieb auf der bayerischen Regiobahn mit einem Triebzug, und ab Dezember verkehren drei Mireo Plus H auf der Südostbayernbahn zwischen Mühldorf und Burghausen.. Ein Versuch in Baden-Württemberg im Jahr 2025 mit einem Zug wurde inzwischen abgeschlossen. (se)

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