Bahntechnik Betrieb der Wasserstoffschiene Heidekrautbahn erfolgreich angelaufen

Von Dipl.-Ing.(FH) Richard Oed 3 min Lesedauer

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Seit Dezember 2024 sind auf der Heidekrautbahn der Niederbarnimer Eisenbahn im Osten Berlins Wasserstoffzüge im Plandienst unterwegs. Jetzt zogen die Projektbeteiligten eine erste Zwischenbilanz.

Zuverlässig im Osten Berlins unterwegs: die Wasserstoffzüge der Niederbarnimer Eisenbahn auf der Heidekrautbahn.(Bild:  ©NEB/HorstGummersbach)
Zuverlässig im Osten Berlins unterwegs: die Wasserstoffzüge der Niederbarnimer Eisenbahn auf der Heidekrautbahn.
(Bild: ©NEB/HorstGummersbach)

Mit dem Fahrplanwechsel am 15. Dezember 2024 nahm die Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) im Rahmen des Forschungsprojekts „Wasserstoffschiene Heidekrautbahn“ auf der Strecke zwischen Berlin und Groß Schönebeck bzw. Schmachtenhagen (RB27) den Verkehr mit neuen wasserstoffbetriebenen Triebzügen auf. Nach acht Monaten zogen die Projektbeteiligten nun ein positives erstes Fazit. So gab es anfangs zwar einige Anlaufschwierigkeiten, diese waren aber logistischer und nicht technischer Natur. Seitdem laufe der Betrieb mit den Fahrzeugen stabil, so die Beteiligten.

So war zu Betriebsaufnahme die Wasserstofftankstelle noch nicht einsatzbereit. In der Zwischenzeit läuft sie im Probebetrieb. Ebenso fehlt derzeit das zur Erzeugung des grünen Wasserstoffs notwendige Wasserstoffwerk. Hier verzögerten sich die erforderlichen Genehmigungen und der Bau, was aufwendige Ersatzbeschaffungen notwendig machte. Der erste Spatenstich dafür ist jetzt für den 12. September 2025 geplant. Damit sehen die Verantwortlichen das Vorhaben auf einem guten Weg.

So freut sich auch Sebastian Achtermann, Geschäftsführer NEB, anlässlich der Vorstellung der Tankstelle am 20. August 2025: „Wir können stolz darauf sein, was wir mit unseren Projektpartnern Kreiswerke Barnim und Enertrag, sowie unserem Fahrzeuglieferanten Siemens Mobility geschafft haben – nämlich einen inzwischen sehr stabilen und zuverlässigen Betrieb auf die Beine zu stellen. Das ist herausragend und wegweisend – und in Deutschland derzeit einzigartig.“ Denn im Vorfeld hatten Pessimisten mit ähnlichen Problemen wie bei den Einsätzen von Wasserstoffzügen eines anderen Herstellers auf Strecken in Hessen und Niedersachsen gerechnet.

Informierten sich am 20. August 2025 über den Stand der Dinge: S. Achtermann (NEB), C. Heuing (VBB), Minister D. Tabbert (MIL), Minister R. Crumbach (MDFE), Staatssekretär A. Herz (Sen. F. Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt).(Bild:  NEB)
Informierten sich am 20. August 2025 über den Stand der Dinge: S. Achtermann (NEB), C. Heuing (VBB), Minister D. Tabbert (MIL), Minister R. Crumbach (MDFE), Staatssekretär A. Herz (Sen. F. Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt).
(Bild: NEB)

Die H2-Produktionsanlage entsteht derzeit

Für den Bau des Wasserstoffwerks bei Wensickendorf nahe der Bahnstrecke ist das auf erneuerbare Energien spezialisierte Unternehmen Enertrag zuständig. Dort soll 2026 nach Fertigstellung des Baus die Produktion des grünen Wasserstoffs beginnen. Die Anlage besteht aus einem Elektrolyseur, einer Kompressionsanlage und Speichertanks mit einem Fassungsvermögen von zusammen 1.800 Kilogramm H2. Die geplante Elektrolyseleistung beträgt vier Megawatt und stellt für die Heidekrautbahn pro Jahr etwa 230 Tonnen Wasserstoff bereit. Pro Tag benötigt die NEB ungefähr 900 Kilogramm H2.

Produziert wird der Wasserstoff lokal durch Wind- und Solarstrom. Dazu nutzt Enertrag sowohl Energie aus bestehenden Windkraftanlagen als auch aus einer eigens neu gebauten Photovoltaikanlage mit acht Megawatt Leistung.

Der so hergestellte grüne Wasserstoff kommt per Trailer zu der von den Kreiswerken Barnim auf dem Gelände des Betriebswerkes Basdorf der NEB errichteten Wasserstofftankstelle. Die Anlage besteht aus einem Gasspeicher, dessen Tanks ein Druckniveau von 200 bis 500 bar aufweisen, einem Verdichter sowie den zugehörigen Steuerungs- und Sicherheitseinrichtungen. Die Kreiswerke sind zusätzlich für die Projektkoordination zuständig.

Die Fahrzeuge kommen von Siemens

Die sieben auf der Heidekrautbahn eingesetzten Triebzüge des Typs Mireo Plus H lieferte Siemens Mobility. Das Traktionssystem der Züge mit Brennstoffzellen der zweiten Generation von Ballard und Lithium-Ionen-Batterien von Saft verfügt über eine Antriebsleistung von 1.700 Kilowatt. Dies ermöglicht eine Beschleunigung von 1,1 m/s² und eine Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h. Durch den Einsatz von Siliziumkarbid-Leistungshalbleitern gelten die Fahrzeuge als äußerst energieeffizient.

Neben den H2-Zügen setzt die Niederbarnimer Eisenbahn auch batterieelektrische Züge des Typs Mireo Plus B ein, die ebenfalls von Siemens Mobility stammen. Beide Typen zusammen führen gegenüber den bisher eingesetzten Dieselfahrzeugen zu einer erheblichen Reduzierung der Geräusch- und Feinstaubbelastung von Fahrgästen und Anwohnern. Allein die Wasserstoffzüge sparen laut den Projektbeteiligten circa drei Millionen Kilogramm Kohlendioxid (CO2) und 1,1 Millionen Liter Dieselkraftstoff ein.

Staatlich unterstützt und wissenschaftlich begleitet

Gefördert wird das Forschungsprojekt durch das Bundesministerium für Verkehr (BMV) mit rund 25 Millionen Euro im Rahmen des Nationalen Innovationsprogramms Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie. Koordiniert wird die Förderrichtlinie von der NOW GmbH und durch den Projektträger Jülich (PtJ) umgesetzt. Die Bundesländer Berlin und Brandenburg unterstützen das Projekt ebenfalls. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und die Brandenburgische Universität Cottbus-Senftenberg begleiten das Projekt wissenschaftlich. Ziel des Pilot-Verbundprojekts ist der Aufbau einer regionalen nachhaltigen Wasserstoffinfrastruktur, welche die vollständige Wertschöpfungskette lokal umsetzt. (se)

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