Nahverkehr Ridepooling in der Provinz: „Erzmobil“ startet in Zwönitz

Knapp 12.000 Einwohner, eine große Schuhfabrik, ein schlecht ausgebauter ÖPNV. In Zwönitz im Erzgebirge geht es beschaulich zu, bei der Mobilität setzen viele Bewohner mangels guter Alternativen auf das eigene Auto. Der Shuttleservice „Erzmobil“ will das ändern.

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Das „Erzmobil“ hält an 28 Stellen in und um Zwönitz.
Das „Erzmobil“ hält an 28 Stellen in und um Zwönitz.
(Bild: Stadtverwaltung Zwönitz)

Ridepooling ist bisher in Deutschland vor allem ein Großstadt-Thema. Anbieter wie Moia oder Clevershuttle tummeln sich bisher fast ausschließlich in Metropolen und größeren Städten. Eine Ausnahme ist der Anbieter Omobi, der sich in der oberbayerischen Prärie als Fahrdienst positioniert hat. Ein ähnlicher Ansatz startet nun mit dem „Erzmobil“ in Zwönitz.

In der Kleinstadt im Erzgebirge geht es beschaulich zu: Knapp 12.000 Einwohner zählt der Ort, nach Chemnitz sind es etwa 30 Kilometer, ähnlich weit nach Tschechien. Die Stadt kann mit A. Trommler die größte Kinder- und Jugendschuhfabrik Deutschlands ihr Eigen nennen. Wie viele andere Kleinstädte hat aber auch Zwönitz gerade bei der Infrastruktur mit Problemen zu kämpfen. Es gibt zwar ein ÖPNV-Angebot, sonderlich gut ausgebaut ist aber nicht. Viele setzen deshalb vor allem auf ein eigenes Auto. Doch das ist in vielen Fällen nicht nur wenig nachhaltig, sondern auch mit hohen Kosten verbunden.

Deshalb will die Kommune daran etwas ändern. Die Stadt Zwönitz verfolgt ein eigenes Smart-City-Projekt. Ein Baustein davon geht mit dem Erzmobil nun den Regelbetrieb über. Eine Elektro-Bus von Mercedes ist ab sofort als Shuttle verfügbar. 28 Ein- und Ausstiege können Bürger nutzen, einen festen Fahrplan gibt es nicht. Stattdessen soll sich der Fahrdienst am aktuellen Bedarf orientieren. Buchen können Interessenten den Shuttlebus per App. Besonders die Verbindung von Randgebieten mit dem Zwönitzer Bahnhof soll dadurch verbessert werden.

Als Konkurrenz zum ÖPNV will die Stadt das Erzmobil nicht verstanden wissen. Vielmehr kooperiere man „sehr eng“ mit dem Verkehrsverbund Mittelsachsen und dem Regionalverkehr Erzgebirge. „Ziel ist es, das bestehende Angebot zu erweitern und den „Lückenschluss“ zum regulären ÖPNV zu bilden“, teilt die Stadtverwaltung mit.

Shuttleservice ist in den Tarifverbund eingebunden

Zudem wird das Erzmobil in die Tarife des Verkehrsverbundes Mittelsachsen eingebunden und übernimmt dessen Preise. Wer beispielsweise bereits ein Monatsticket besitzt, kann damit künftig auch den Shuttleservice nutzen. Pro Fahrt wird allerdings ein Komfortzuschlag von 50 Cent fällig.

Mit Zielsetzungen hält sich die Stadtverwaltung noch zurück. In einer Umfrage hätten mehr als 100 Zwönitzer ihr Interesse daran bekundet, das Erzmobil regelmäßig zu nutzen.

Unterstützt wird das Projekt unter anderem von IAV. Das Unternehmen, sonst vor allem als Engineering-Partner der Automobilindustrie bekannt, stellt die Mobilitätsplattform für den Betrieb bereit. Damit lässt sich der On-Demand-Service koordinieren. Die Plattform besteht im Wesentlichen aus zwei Apps: Dem Buchungsservice für Nutzer und dem Informationsservice für den Shuttle-Fahrer.

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