Deutsche Bahn Rekordinvestitionen: „Wir bauen so viel wie noch nie“

13,6 Milliarden Euro sollen in diesem Jahr in die Infrastruktur der Deutschen Bahn fließen. Das hat das Schienennetz dringend nötig. Doch die Pläne des Konzerns werfen manche Fragen auf.

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Die Deutsche Bahn will in diesem Jahr 13,6 Milliarden Euro in ihre Infrastruktur stecken.
Die Deutsche Bahn will in diesem Jahr 13,6 Milliarden Euro in ihre Infrastruktur stecken.
(Bild: Deutsche Bahn / Christian Bedeschinski)

Die Schiene spielt eine zentrale Rolle in den Verkehrsplänen der neuen Bundesregierung. Doch das Netz wird hohen Ansprüchen derzeit nicht gerecht. Deutsche Bahn, Bund und Länder wollen dem mit Rekordinvestitionen begegnen. In diesem Jahr sollen 13,6 Milliarden Euro in die Schieneninfrastruktur fließen. Das sind 900 Millionen Euro mehr als 2021. Rund 1.800 Gleis-Kilometer, 2.000 Weichen, 140 Brücken und 800 Bahnhöfe will die Bahn mit dem Geld erneuern.

Bahn-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla erklärte: „Wir bauen so viel wie noch nie – ein echter Kraftakt.“ Doch es gibt manches Fragezeichen, ob der Konzern diesen Kraftakt überhaupt schultern kann. Beispielsweise fehlen dafür derzeit viele Mitarbeiter. Die Bahn will deshalb in diesem Jahr 4.800 Ingenieure und Fachkräfte einstellen. Kein leichtes Unterfangen in Zeiten eines zunehmenden Fachkräftemangels. Zudem könnte der demographische Wandel das Vorhaben für die Bahn erschweren: Noch in diesem Jahrzehnt kommt jeder zweite der über 200.000 Bahn-Mitarbeiter in Deutschland ins Rentenalter.

Auch bei der Finanzierung der Projekte dürften auf den Konzern Unwägbarkeiten zukommen. Bau- und Rohstoffkosten sind hoch wie selten zuvor. Und bei Großprojekten wie Stuttgart 21 konnte die Bahn ihre Kostenrahmen schon in der Vergangenheit nicht immer einhalten. Aktuell machen Berichte die Runde, wonach der Bahnhof in der Schwaben-Metropole mit 9,2 Milliarden Euro noch einmal eine Milliarde teurer werden soll als zuletzt veranschlagt. Gut gefüllt sind die Kassen des Unternehmens derweil nicht: In den letzten beiden Jahren setzte es Milliarden-Verluste, die Verschuldung liegt inzwischen bei 32 Milliarden Euro.

„Jeder Euro in die Schiene ist ein Euro in den Klimaschutz“

Neu- und Ausbau sowie den Ersatz von Schienen tragen finanziell überwiegend Bund und Länder. Pofalla wirbt deshalb wenig überraschend für weitere solcher Investitionen. „Jeder Euro in die Schiene ist ein Euro in den Klimaschutz“, sagte er am Donnerstag. Doch auch die Instandhaltung des Netzes ist ein Thema. Und die muss die Bahn komplett selbst tragen. Manche Branchenbeobachter fürchten und kritisieren, der Konzern könnte Teile seines Netzes absichtlich verkümmern lassen, um sie später mit Steuergeldern ersetzen zu können. In den Koalitionsverhandlungen hatten Grüne und FDP auch deshalb auf deutliche Veränderungen bei der Bahn gedrungen, die SPD agierte zurückhaltend und konnte dem Vernehmen nach eine Zerschlagung des Unternehmens verhindern. Doch der Reformdruck bleibt.

Bei den nun angekündigten Investitionen in diesem Jahr hat sich die Bahn zwei Schwerpunkte gesetzt: Sie will zum einen mithilfe von Hochgeschwindigkeitsstrecken mehr Platz auf der Schiene schaffen. Zum anderen soll die Digitalisierung beschleunigt werden. Beispielsweise soll im Sommer mithilfe des Leit- und Sicherungssystems ETCS in Donauwörth das erste Digitale Stellwerk in Betrieb gehen, das Züge auf einer Hochgeschwindigkeitsstrecke steuert.

Mehr Bauprojekte bedeuten auch (noch) mehr Baustellen. Die Folge könnten weitere Verzögerungen im Bahnverkehr sein. Pofallas Lösung dafür? „Kundenfreundliches und kapazitätsschonendes Bauen steht dabei ganz oben auf der Agenda. Dafür werden wir unsere Zusammenarbeit mit der Bauindustrie weiter intensivieren und Bauarbeiten noch schneller und zuverlässiger umsetzen“, so der Vorstand.

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