Faszination verbindet Generationen
Traditionell zählt auch die Porsche Lehrwerkstatt zu den Zulieferern der Restauratoren. Detaillierte Blecharbeiten und Lackierungen sind die häufigsten Positionen auf der Wunschliste der Museumswerkstatt an den Nachwuchs. Für die Nummer 57 orderte das Museum zum Beispiel einen Halter für die Abgasanlage oder ein Bremsankerblech. Die kniffligste Aufgabe für die Karosseriebauer in spe war die Wiederherstellung des Aschenbechers.
Das hintere Drittel des Einschubs war weggerostet und die verchromte Auflage mit einem rechteckigen Loch für die Zigarre fehlte. Ein typisches Erkennungsmerkmal für ein Modell von 1964: Schon im Jahr darauf entfiel das rechteckige Loch und somit der Zigarrenhalter. Beides galt es zu ersetzen. Der Modellbau in Weissach lieferte eine Holzform, die Auszubildenden klopften, drückten und walzten darüber das Ascherfragment.
Originalität hat allerdings auch bei der Nummer 57 ihre Grenzen. Beim Lackaufbau etwa entschieden sich die Restauratoren für die überlegene Konservierung moderner Beschichtungsverfahren. Deshalb kam die Karosserie des Klassikers in das gleiche KTL-Tauchbad wie die heutigen Elfer. Diese elektrolytische Kathoden-Tauch-Lackierung gilt als bester Rostschutz, den es derzeit gibt. Einer der weiteren großen Vorteile ist, dass der Lackfilm auch in Hohlräumen und Winkeln eine optimal geschlossene Schicht bildet.
Auch bei der Lackfarbe signalrot 6407 musste die Originalität einen Schritt zurückstehen. Statt der ursprünglichen Mischung aus lösemittelhaltigen Lackfarben verarbeiteten die Spezialisten umweltfreundliche Lacke auf Wasserbasis. Nach dem originalen Schwarzlackierplan wurden außerdem beispielsweise rund um die Aussparungen für die Armaturen das Rot überdeckt, um ein Durchscheinen der Farbe an den Spalten zu verhindern. Kofferraum und Unterboden erhielten wiederum einen PVC-Auftrag, ganz wie im Original.
Zweites Leben für den Sechszylinder
Die Wiederbelebung des Motors übernahm Porsche Classic. Zylinderköpfe und Steuerung ließen sich ohne weiteres demontieren, dafür steckten die Kolben fest in den Zylindern. Rostlöser, Wärme, Zeit und Geduld sorgten schließlich dafür, dass sich die Kurbelwelle losbrechen ließ. Der Kurbeltrieb entstand anschließend komplett aus neuen Originalteilen. Die Zylinderköpfe konnten dagegen noch aufbereitet werden. Die rechte Nockenwelle kehrte an ihren angestammten Platz zurück, an Stelle der verschlissenen linken kam ein originales Neuteil.
In rund 120 Arbeitsstunden wuchs der Sechszylinder behutsam seiner Vollendung entgegen. Das liegt zum Einen an der Sorgfalt. Ein noch so kleiner Fehler hätte die historisch so bedeutsame Maschine möglicherweise irreparabel beschädigt. Zum Anderen waren oft genug Spürsinn und Kreativität gefragt. Längst nicht alle Teile fanden sich noch im Fundus von Porsche Classic. So mussten bestimmte Clips des Vergasergestänges umgearbeitet werden, um die originale Synchronsteuerung wiederherzustellen. Im Frühjahr 2017 lief das Triebwerk dann erstmals wieder auf dem Prüfstand – einbaufertig.
Fahrwerk und Antrieb, Sitze und Armaturen kehrten im Herbst 2016 nach und nach von der Aufbereitung zurück. Und doch blieb eine Vielzahl von Baustellen, die während des Zusammenbaus noch zu bearbeiten waren. Dabei ging es auch um sehr detaillierte Problemstellungen wie beispielsweise die Frage, welche Schraubenform ursprünglich zur Befestigung der Blinker verwendet wurde. Während die Verglasung komplett original erhalten blieb, kam als Kabelbaum der angepasste Nachbau für einen 911 der späteren F-Serie zum Einsatz.
Um den Innenhimmel im ursprünglichen Design wieder herzustellen hatten die Restauratoren beim Zerlegen das besterhaltene Muster gesichert. Bei den ganz frühen Elfern bildete das Lochmuster ein quadratisches Viereck, später abgelöst von einer Rautenform. Das Originalwerkzeug blieb als eines der wenigen aus den 1960er Jahren bis heute erhalten. Dank dieser Stachelwalze, mit der die Prägung etwa bei Reparaturen von Himmel oder Verkleidungen eingestanzt werden konnte, entstand der Innenhimmel im Originalmuster neu.
Im Sommer 2017 feierte die Nummer 57 Hochzeit, der Boxermotor nahm seinen angestammten Platz wieder ein. Nach ein paar Feinarbeiten zur endgültigen Abstimmung startete der älteste 911 des Porsche Museums im Herbst in sein zweites Leben.
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