Porsche 901: Die Rückkehr der Nummer 57

Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Der Porsche 901 ist ein Mythos. Denn er ist der Ursprung des 911. Eine dieser Raritäten fehlte 50 Jahre lang in der Werkssammlung von Porsche. Bis eines Tages in Zuffenhausen das Telefon klingelte.

Einer der ersten 911, gebaut im Herbst 1964 noch unter der Bezeichnung Porsche 901, war über 50 Jahre verschollen.
Einer der ersten 911, gebaut im Herbst 1964 noch unter der Bezeichnung Porsche 901, war über 50 Jahre verschollen.
(Bild: Porsche)

Im Herbst 1963 präsentiert Porsche den 901 als Showcar auf der IAA. Ein Jahr später stellt Porsche ein serienreifes Fahrzeug vor, jedoch nur wenige Wochen später muss das Coupé wegen eines markenrechtlichen Einspruchs umbenannt werden und heißt fortan 911. Alle bis dahin produzierten Kundenfahrzeuge wurden zwar unter der Bezeichnung 901 gebaut, aber als 911 verkauft. Eine dieser Raritäten fehlte 50 Jahre lang in der Werkssammlung von Porsche. Bis ein Anruf am 5. August 2014 alles änderte.

An diesem Tag erreicht Alexander Klein, den Leiter Fahrzeugmanagement des Porsche Museums, die Anfrage des Fernsehsenders RTL2. Es geht um zwei „Scheunenfunde“ in Form zweier betagter 911. Auf diese war das Team einer Doku-Soap beim Verwerten einer längst aufgegebenen Sammlung gestoßen. Als bei der Beschreibung die Zahl 300 057 genannt wird, „da ist der Groschen gefallen“, erzählt Alexander Klein. Es ist die Fahrgestellnummer eines der ersten produzierten 911, gebaut im Herbst 1964 noch unter der Bezeichnung Porsche 901.

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Elf Tage später besichtigen zwei Experten des Porsche Museums in einem ehemaligen Bauernhof in Brandenburg die beiden Fahrzeuge. Zunächst treffen sie auf einen goldfarbenen 911 L von 1968 in desolatem Zustand. Ganz hinten in der Scheune, zum großen Teil noch unter einer zentimeterdicken Staubschicht, stoßen die beiden Besucher aus Zuffenhausen danach auf die Reste eines roten 911

Ihm fehlen beide Vorderkotflügel und der Rost hat bereits ganze Partien weggefressen. Bis auf die Armaturentafel besteht die Innenausstattung großteils nur noch aus Fragmenten. Die Bremsen sind festgefressen, der Motor ebenso. Die unberührte Fahrgestellnummer weist ihn jedoch zweifelsfrei als Original aus. Ein lang gehegter Traum der Museums-Mannschaft rückt in greifbare Nähe: Ein 911 von 1964.

Über 100.000 Euro für den ältesten Elfer

Die Zeit drängte. Das Auto sollte so schnell wie möglich verkauft werden. Um ein fundiertes Angebot zu machen, wurde eine genaue Untersuchung in Zuffenhausen vereinbart. Zwei Wertgutachten externer Sachverständiger kamen zum gleichen Ergebnis. und lagen weit jenseits aller Erwartungen des Verkäufers. 107.000 Euro bezahlte Porsche für den roten Ur-911, 14.500 Euro für den goldenen 911 L. Letzterer wird so bleiben wie er ist. Ungewaschen. Lebendige Geschichte.

Die Bestandsaufnahme der beiden Gutachter verhieß eine Menge Arbeit an dem historisch bedeutsamen Elfer, der fortan unter dem Spitznamen „Nummer 57“ lief. Motor und Getriebe waren nicht mehr die ursprünglich verbauten Aggregate aber die typgleichen. Viele Baugruppen waren sehr stark korrodiert und unbrauchbar. Andere Teile wie der Innen- und Außenschweller rechts, die vordere Stoßstange und deren Aufnahmen fehlten ganz. Im Fahrwerksbereich sah es nicht besser aus. Der Rostfraß hatte allen Achs- und Achslenkeraufnahmen an Vorder- und Hinterachse stark zugesetzt. Die beiden Längsträger hinten im Bereich des Hinterachsquerrohres waren gänzlich abgerostet. Und dies sind nur einige Beispiele.

Andererseits barg der Klassiker einige Details, die Kuno Werner, den Leiter der Museumswerkstatt, ins Schwärmen bringen: "Das Auto hat viel von dem bewahrt, was es nur bei den allerersten Exemplaren gab." Die Lederstulpe um den Schalthebel beispielsweise, der in dieser Form nur in der 901-Phase verbaut wurde. Die Befundung stellte den versierten Museumsexperten auch vor manches Rätsel. Zum Beispiel entpuppten sich die zwei Vierkantrohre unter der Sitzverstellung erst nach längeren Recherchen als Sitzerhöhung, die ab Werk auf Wunsch lieferbar war.

Die Sitze selbst haben auch ihre Geschichte. Zusammen mit der Nummer 57 und dem 911 L kamen auch zwei Gitterboxen voller Teile mit nach Zuffenhausen. In dem Sammelsurium fanden sich auch zwei 911-Sitze. Vermeintlich zur Nummer 57 gehörend, doch die Lehnen hatten fünf Pfeifen, wie die vertikal abgenähten Unterteilungen des Polsters genannt werden. Die ersten Elfer hatten dagegen Sitze mit sechs Pfeifen. Und die, stellten die Museumsexperten überrascht fest, waren in dem goldfarbenen Modell von 1968 montiert, das Porsche in Brandenburg gleich mit gekauft hatte.

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