Porsche 901: Die Rückkehr der Nummer 57

Seite: 2/3

Alles muss raus: Beginn der Restaurierung

Die Restaurierung der Nummer 57 begann - wie üblich - mit der vollständigen Zerlegung. Behutsam und mit großer Sorgfalt. Auch wenn ein Bauteil vielleicht nicht mehr gerettet werden konnte, war es unter Umständen doch als Muster unverzichtbar. In Einzelteilen ging der frühe Elfer an ein Netzwerk von Spezialisten bei Porsche Classic und Zulieferern, zu Karosseriebauern, Sattlern und Polsterern.

Der übrig gebliebene Torso ging zum Entrosten und Entlacken ins chemische Vollbad. Dieses Verfahren ist sehr viel schonender als alle mechanischen Verfahren, die mit Strahlgut arbeiten. Die Oberflächen kamen in genau dem Zustand wieder ans Tageslicht, in dem sie vor über 50 Jahren versiegelt wurden.

"Man kann genau erkennen, ob und wo etwas verändert wurde", erklärt Kuno Werner. Verfärbungen im Metall deuten auf Schweißarbeiten oder Bearbeitungen mit Schleifmaschinen hin; beim Strahlen können solche Indikatoren dagegen verschwinden, weil das Strahlgut die Oberfläche verändert. Wichtig insbesondere im Bereich der Fahrgestellnummer, eingeprägt in einem Querblech über dem Tank.

Die Nummer 57 präsentierte sich unangetastet im Original. Schleifspuren im Dach identifizierte Kuno Werner ebenfalls als authentisch, "da haben die Kollegen damals nacharbeiten müssen" schmunzelt er. Seine erste Bilanz fiel besser aus als erwartet. Vor dem Tauchgang waren die Experten davon ausgegangen, dass über 50 Prozent der Karosserie zerstört seien. Jetzt zeigte sich mehr als die Hälfte des Blechs als erhaltenswert.

Zwölf Monate Handarbeit für den Rohbau

Was ersetzt werden musste, lieferte die Rohkarosserie eines 911 von 1965. Damit ist gewährleistet, dass Zusammensetzung, Beschaffenheit und Qualität der Bleche und Stähle so original wie möglich bleiben. Die Karosseriebauer zerlegten den Teilespender buchstäblich in seine einzelnen Komponenten. So bohrten die Restauratoren beispielsweise Schweißpunkt für Schweißpunkt eines kleinen Dreiecksblechs im Fond aus und transplantierten es zur Karosserie der Nummer 57.

Die Längsträger wurden ebenso ausgetauscht wie alle Steh-, Innen- und Außenbleche der Seitenschweller. Deren Innenleben barg eine Überraschung: Anders als in den späteren 911 verlaufen die Heizungsrohre unter dem hinteren Achsrohr hindurch und nicht darüber. Während also die Heizrohre in der Karosserie des anderen Fahrzeugs in den Schwellern Platz fanden, werden die Zuleitungen an besagter Stelle neu angefertigt.

Eine der wenigen Komponenten, die aus altem Blech neu entstehen mussten. Neue Stehbleche sowie die vorderen Kotflügel und der Bug der späteren 911-Karosserie komplettierten den Wiederaufbau der Front.

Rund zwölf Monate formten und schweißten die Karosseriebauer Stahl und Blech. Stück für Stück nahm der Torso der Nummer 57 wieder seinen Originalzustand an. Dann folgte der Feinschliff. Dazu wurden die Verglasung und Stoßstangen, Türgriffe und Antenne, Scheinwerfer und Zierleisten, sowie sämtliche Anbauteile bei Porsche Classic an der unlackierten Karosserie montiert.

Damit stellten die Experten sicher, dass nicht nur die Spaltmaße der Karosserie, sondern auch die Abstände und Symmetrien von Stoßstangen und -hörnern, Blenden und Gittern zueinander passen. Selbst sehr kleine Abweichungen wurden nachgearbeitet oder mit Karosseriezinn eingepasst.

(ID:45057903)