Bahn unter Dampf Neue Antriebe sollen Zugfahren klimaneutral machen

Quelle: dpa

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Auch im Schienenverkehr setzt man mehr auf Klimaschutz. Diese Entwicklung ist unter anderem an der diesjährigen Fachmesse Innotrans zu erkennen, bei welcher alternative Antriebe in den Mittelpunkt rücken.

61 Prozent des deutschen Bahnnetzes sind elektrifiziert.
61 Prozent des deutschen Bahnnetzes sind elektrifiziert.
(Bild: Deutsche Bahn AG / Volker Emersleben)

Die Zukunft des Bahnfahrens steht auf mehreren Gleisen am Funkturm im Berliner Westen: Bitte einsteigen in Züge mit Batterie, mit Wasserstoffmotor oder mit Brennstoffzelle. Die Hersteller zeigen neuartige Hybridloks, Multisystemloks und Zweikraftloks.

Nach vier Jahren Pause öffnet an diesem Dienstag in Berlin wieder die Bahntechnik-Messe Innotrans. Und das Topthema ist Klimaschutz, auch Klimaschutz bei der Eisenbahn selbst. Denn viele Länder setzen darauf, dass mehr Menschen mit dem Zug fahren statt mit dem Auto.

Im Fokus: alternative Antriebe

Bis Freitag präsentieren mehr als 2.800 Aussteller aus 56 Ländern in Berlin Züge, Schienensysteme, Zubehör und Dienstleistungen. Im Fokus: alternative Antriebe. Das europäische Ziel der Klimaneutralität bis 2050 werde in den nächsten Jahren die Nachfrage in allen Marktsegmenten antreiben, sagte der Präsident des europäischen Branchenverbands Unife, Philippe Citroën.

Das führt schon jetzt zu Rekordumsätzen und vollen Auftragsbüchern bei vielen Herstellern. In den nächsten Jahren werde der Weltmarkt jährlich um weitere drei Prozent wachsen und 2025 ein Volumen von knapp 211 Milliarden Euro erreichen, erwartet Citroën. „Die Bahnindustrie hat ihre Resilienz gegenüber globalen Krisen bewiesen.“

Bei der Klimakrise sieht sie sich die Eisenbahn als Teil der Lösung, muss aber auch an sich selbst arbeiten, auch in Deutschland. Im vergangenen Jahr verursachte der Bahnverkehr nach Angaben der Deutschen Bahn 2,6 Millionen Tonnen Kohlendioxid. Etwa weil viele Strecken noch nicht elektrifiziert sind. Wo keine Oberleitung hängt, fahren die Züge eben nicht mit Ökostrom, sondern meistens mit Diesel.

Einsatz von Wasserstoffzügen und Batteriefahrzeugen

61 Prozent der Strecken sind elektrifiziert, darüber läuft 90 Prozent des Verkehrs. Teure Oberleitungen an jeder Nebenstrecke zu bauen, halten Experten jedoch für zu aufwendig. „Überall da, wo es Lücken bei der Elektrifizierung gibt, bietet sich der Einsatz von Wasserstoffzügen und Batteriefahrzeugen an“, erläutert Rüdiger Wendt vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI). Auf kürzeren Strecken die Batterie, auf längeren der Wasserstoff. Dann stoßen Züge auch wieder Dampf aus – wenn auch nicht so viel wie einst die Dampfloks.

Siemens präsentiert in Berlin etwa einen Zug mit Wasserstoff-Brennstoffzelle, den die Deutsche Bahn seit Kurzem testet. Stadler führt seinen Wasserstoff-Triebzug vor, der demnächst in Kalifornien fährt. Die Deutsche Bahn zeigt eine Güterlok von Siemens, die sowohl mit Strom aus der Oberleitung als auch mit Diesel fährt. Der japanische Hersteller Hitachi hat bei seinem Personenzug zusätzlich noch eine Batterie an Bord – drei Antriebsarten in einem Zug.

„Wer billig kauft, kauft zweimal“

„Wenn jemand einen signifikanten Beitrag für Klimaschutz und die erforderliche Verkehrswende leisten kann, dann ist das unsere Branche“, wirbt der Geschäftsführer des Verbands der Bahnindustrie in Deutschland, Axel Schuppe. Allerdings fließe das öffentliche Geld noch zu zögerlich. „Wir erwarten einen Boost.“

Die Branche wünscht sich zudem Vorteile gegenüber preisgünstigen chinesischen Angeboten, indem bei Ausschreibungen mehr Qualitäts- und Umweltkriterien festgelegt werden. „Wer billig kauft, kauft zweimal“ – mit dem Argument wollen die Deutschen vor allem den chinesischen Herausforderer CRRC ausstechen, den größten Anbieter der Welt. Denn auch er arbeitet an alternativen Antrieben.

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