Autonomes Fahren Lidar-Sensoren machen 25-Jährigen zum Milliardär

Autor: Christoph Seyerlein

Auf seine Technik zum autonomen Fahren setzen große Namen wie Volvo, Daimler oder Mobileye. Jetzt hat Luminar-Gründer Austin Russell sein Lidar-Unternehmen an die Börse gebracht. Er zählt damit zu den jüngsten Milliardären der Welt.

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Austin Russell hat Luminar vor acht Jahren gegründet.
Austin Russell hat Luminar vor acht Jahren gegründet.
(Bild: Volvo)

Zipper-Pulli, rotblonde Haare ohne echten Schnitt, Dreitagebart. Wer den jungen Mann hinter dem Nasdaq-Rednerpult nicht kennt und sieht, würde sofort tippen: Das muss ein Nerd sein. Ist er auch. Über Austin Russell gibt es Geschichten, dass er schon als 11-Jähriger an technischen Geräten bastelte.

Inzwischen ist er 25. Und seit vergangener Woche einer der jüngsten Milliardäre der Welt. Das Forbes-Magazin listete zuletzt mit Reality-TV-Star Kylie Jenner (23) und den norwegischen Tabak-Erbinnen Alexandra (24) und Katharina Andresen (25) nur drei jüngere Superreiche als Russell.

Vom Studienabbrecher zum Superreichen

Reich gemacht hat ihn die Lidar-Technik – Laser-Sensoren, in die manche Auto-Firma große Hoffnungen beim autonomen Fahren setzt. Vor acht Jahren hat Russell seine Firma Luminar gegründet. Zwei Jahre später brach er dann sein Stanford-Studium ab und konzentrierte sich voll auf seine Idee.

Als Russell am vergangenen Donnerstag am Nasdaq-Pult in New York City stand, war ihm die Nervosität anzumerken. Nur wenige Sätze gingen ihm flüssig von den Lippen. Er selbst bezeichnete den Moment als „super aufregend“ und nutzte die Bühne für einen kurzen Rückblick. „Als ich die Firma gegründet habe, steckte Autonomie noch in den Kinderschuhen.“ Luminar habe sich dann daran gemacht, Probleme anzupacken, die kaum zu lösen zu sein schienen. Das Ziel: Bezahlbare Autonomie für alle.

„Viele haben sich über uns kaputt gelacht, als wir ihnen von unseren Plänen mit eigenen Lidar-Sensoren erzählt haben“, sagte Russell. Immer wieder sei er gefragt worden, ob er sich wirklich mit den größten Tech- und Autofirmen der Welt messen wolle. „Aber letztendlich glaube ich fest daran, dass einige der größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts einen top-down-Ansatz brauchen, um identifiziert zu werden. Gelöst werden sie dann aber bottom-up“, so der 25-Jährige. „Und das ist genau das, was wir getan haben.“ Insgesamt 250 Millionen Dollar seien bereits in Luminar geflossen. „Jetzt können wir Autonomie aus der Entwicklung herausholen und in die Produktion überführen“, zeigte sich der Gründer stolz.

Ich glaube fest daran, dass einige der größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts einen top-down-Ansatz brauchen, um identifiziert zu werden. Gelöst werden sie dann aber bottom-up.

Austin Russell

Und genau an jenem Schritt arbeitet Luminar bereits. 2022 sollen erste Volvo-Fahrzeuge mit Lidar-Sensoren auf den Markt kommen und zumindest auf Autobahnen autonom unterwegs sein können. Weitere Bestellungen von Daimler, Mobileye oder Intel stehen in den Büchern. Die Aufträge sollen insgesamt ein Volumen von 1,3 Milliarden Dollar haben. Ein gigantischer Sprung, wenn man sich die bisherigen Zahlen von Luminar ansieht: 2019 erreichte das Startup mit seinen rund 350 Mitarbeitern einen Umsatz von gerade einmal 12,6 Millionen Dollar und machte dabei einen Verlust von 94,7 Millionen Dollar.

Elon Musk glaubt nicht an Lidar

Und manche Zweifel sind auch noch nicht ausgeräumt. Denn nicht jeder glaubt an die Lidar-Technik. Einer der namhaftesten Kritiker ist Tesla-Chef Elon Musk. Er setzt bei der Entwicklung von autonomen Fahrsystemen rein auf kamerabasierte Technik. Lidar ist wiederum eine mit Radar verwandte Methode, die auch Gegenstände in der Ferne gut identifizieren können soll.

An der Börse kommen Austin Russell und Luminar jedenfalls gut an. Zum Handelsschluss am ersten Tag der Aktie steig der Kurs um 28 Prozent auf 22,98 Dollar. Insgesamt ist die Firma damit knapp acht Milliarden Dollar wert. Ein Drittel er Anteile gehören Russell.

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Entwicklungsredakteur