Urbane Mobilität Längste Stadt-Seilbahn der Welt ist in Mexico City gestartet

Autor: Christoph Seyerlein

Auf einer Strecke von fast zehn Kilometern verbindet eine Seilbahn seit Kurzem den Norden und Osten Mexico Citys mit dem Stadtzentrum. Wie viele Passagiere diese nutzen könnten, was das kostet – und wie es in Deutschland mit Seilbahn-Projekten aussieht.

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Die Kabinen der Seilbahn bieten Platz für bis zu zehn Passagiere.
Die Kabinen der Seilbahn bieten Platz für bis zu zehn Passagiere.
(Bild: Arturo Durán Miranda)

48 Stunden verlieren Menschen in Mexico City laut der jüngsten Auswertung des Datendienstleisters Inrix jährlich im Stau. Es gibt also gute Gründe, Mobilitätsalternativen zu schaffen. Eine besonders auffällige hat die Metropole im Juli eingeweiht: Mexikos Hauptstadt kann nun die längste Seilbahn der Welt in einer Großstadt ihr Eigen nennen. Umgerechnet rund 140 Millionen Euro sollen in das Projekt geflossen sein.

Knapp zehn Kilometer ist die neue Stammstrecke lang. Sie verbindet den bislang eher schlecht angebundenen Norden und Osten der Stadt mit dem Zentrum. Die „Cablebús Línea 1“ schließt direkt an den größten Verkehrsknotenpunkt Mexico Citys namens Indios Verdes an. Dort können die Passagiere dann direkt in Bus oder U-Bahn umsteigen, wenn sie das möchten. Für Pendler soll die Seilbahn die Reisezeit im besten Falle halbieren.

Die neue Linie besteht aus einer Haupt- und einer Teilstrecke. Letztere ist bereits seit März in Betrieb und soll positive Ergebnisse geliefert haben. Die Hauptstrecke ist 7,5 Kilometer lang. Die Fahrtzeit beträgt 26 Minuten. Inklusive der 1,7 Kilometer langen Teilstrecke macht die Bahn an sechs Stationen Halt. Insgesamt gibt es 377 Kabinen, in denen bis zu zehn Personen Platz finden. In Corona-Zeiten ist die maximale Passagierzahl auf sechs Personen begrenzt.

Ein Ticket kostet rund 30 Cent

Unter Volllast könnte die Seilbahn bis zu 144.000 Menschen täglich transportieren. Damit wird sie zwar längst nicht das Volumen der U-Bahn in Mexico City (etwa fünf Millionen Fahrgäste pro Tag) erreichen, könnte aber in etwa mit Bussen oder Tram-Bahnen auf einem Niveau liegen. Die Tickets kosten sieben Pesos (rund 30 Cent). Senioren, Kinder unter fünf Jahren und Menschen mit Handicap dürfen das Verkehrsmittel kostenlos nutzen. In Betrieb ist die Seilbahn von Montag bis Freitag zwischen fünf Uhr morgens und elf Uhr abends, am Samstag zwischen sechs und elf und am Sonntag zwischen sieben und elf Uhr.

Die Gondeln hängen an drei Stahlseilen. Laut dem Hersteller Doppelmayr ist die Konstruktion stabil genug, um Seitenwinde von bis zu 100 km/h beherrschen zu können. Bei Bahnen, die an einem Seil hängen, ist in der Regel bei Seitenwinden mit maximal 60 Stundenkilometern Schluss.

Diese Stationen bedient die Seilbahn in Mexico City.
Diese Stationen bedient die Seilbahn in Mexico City.
(Bild: Doppelmayr)

Claudia Sheinbaum Pardo, Bürgermeisterin von Mexico City, erklärte anlässlich der Eröffnung: „Die Seilbahn ist für uns nicht nur ein Mobilitätsprojekt, sondern auch ein soziales. Wir wollen den Menschen in unserer Stadt den besten öffentlichen Verkehr bieten und setzen dort an, wo eine Verbesserung dringend notwendig ist.“ Auch volkswirtschaftlich soll sich das Projekt auszahlen: Rund 300 neue Arbeitsplätze sollen durch die Seilbahn entstanden sein.

Lage in Deutschland: Seilbahnen vor allem für touristische Zwecke

Seilbahn-Projekte nehmen aktuell global betrachtet an Fahrt auf. Andere Beispiele neben Mexico City sind etwa Miami, Singapur oder Bogotá. In Deutschland ist jene Mobilitätsform dagegen noch nicht angekommen. Zwar gibt es Seilbahnen, beispielsweise in Koblenz. Diese dienen bislang aber fast ausschließlich touristischen und nicht verkehrspolitischen Zwecken. Ein entsprechendes Vorhaben in Wuppertal scheiterte 2019 an einer Bürgerbefragung. Knapp 62 Prozent hatten damals den Bau abgelehnt, gut 50 Prozent der Wahlberechtigten hatten an der Befragung teilgenommen. Diskutiert wird derzeit über eine Seilbahn beispielsweise in Bonn.

Die Politik hat inzwischen zumindest manche Vorkehrung getroffen, um die Umsetzung von Seilbahnen zu vereinfachen. Seit Ende 2020 gelten hierzulande für sie dieselben Förderrichtlinien wie für andere Massenverkehrsmittel in Städten.

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 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Fachredakteur Next Mobility