Ladeflatrate Elvah „Laden macht derzeit noch keinen Spaß“

Wer sein Elektroauto an öffentlichen Ladesäulen lädt, ist nicht immer vor bösen Überraschungen sicher. Seien es technische Probleme oder intransparante Preise. Das Start-up Elvah will das ändern und lockt Kunden mit einer Lade-Flatrate. Wir haben uns mit Gründer und CEO Gowrynath Sivaganeshamoorthy zum Interview verabredet.

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Gowrynath Sivaganeshamoorthy ist Gründer und CEO von Elvah.
Gowrynath Sivaganeshamoorthy ist Gründer und CEO von Elvah.
(Robert Lehmann post@lichtbilder-berlin.de)

Das Laden von Elektroautos kann nach wie vor kompliziert sein. Nicht jede Ladekarte funktioniert überall, an längst nicht jeder Ladesäule sind die Preise für Kunden transparent nachvollziehbar. Das Start-up Elvah hat aus diesen Umständen eine Geschäftsidee entwickelt: Interessenten können bei den Grafschaftern Ladeflatrates buchen. So sollen böse Überraschungen an der Ladesäule vermieden werden. Wir haben uns mit Gründer und CEO Gowrynath Sivaganeshamoorthy unter anderem darüber unterhalten, wie gut die Idee bereits ankommt.

Redaktion: Herr Sivaganeshamoorthy, wie viele Flatrate-Kunden haben Sie bereits und wie viele sollen es werden?

Gowrynath Sivaganeshamoorthy: Die Anzahl unserer Kunden verraten wir zu diesem Zeitpunkt nicht. Wir können nur so viel sagen: Die Elvah App ist seit April 2021 offiziell erhältlich und seither wachsen wir täglich um das zwei- bis dreifache unserer ursprünglichen Erwartungen.

Kann man damit an allen öffentlichen Ladestationen in Deutschland laden?

Wir haben derzeit über 200.000 Ladepunkte in mehr als 30 Ländern in der Elvah App. Täglich binden wir weitere Ladepunkte an. Erst kürzlich haben wir beispielsweise Ladepunkte des Anbieters Fastned in unser Angebot aufgenommen. In der Flatrate sind alle Stationen in Deutschland enthalten. Sollte eine Säule ausnahmsweise aus technischen Gründen nicht an der App angeschlossen sein, greift unsere Geld-zurück-Garantie.

Warum gibt es die Flatrate nicht für Firmenkunden?

Wir bieten mit elvah verschiedene Lösungen für Firmenkunden und Flottenbetreiber an, die wir gerne individuell auf die Bedürfnisse der Unternehmen anpassen. Gemeinsam mit unseren Partnerunternehmen finden wir maßgeschneiderte Lösungen, beispielsweise mit Blick auf die Vertragslaufzeit, Tarifstrukturen und Abwicklung. Nur knapp ein halbes Jahr nach dem offiziellen Launch haben wir Mercedes Benz Vans Deutschland als Kunden gewinnen können, weitere Projekte sind bereits in der Planung.

Elvah spricht zwar von einer Lade-Flatrate, legt aber dennoch Obergrenzen fest, wie viel Strom Kunden pro Monat beziehen dürfen. Wieso?

Mit der Fair-Use Policy möchten wir sicherstellen, dass Kunden nicht mehr laden, als es einer „normalen“ Nutzung entspricht. Nur so können wir unseren Kunden weiterhin unsere derzeitigen Flatrate-Preise anbieten. Auf Basis unserer Daten können wir eine Nutzung der Flatrate, die einem normalen Rahmen entspricht, recht gut bestimmen. Diese Daten sind die Basis für unsere Fair-Use-Policy. Sie besagt, dass man beispielsweise in den L-Abo-Varianten in zwei Monaten in Folge die Grenze von 1.000 kWh nicht überschreiten soll. In solchen Fällen setzen wir uns mit den Kunden zusammen und arbeiten eine individuelle Lösung aus, die für beide Seiten passt.

Sie haben verschiedene Pakete. Wo ziehen Sie derzeit aktuell jeweils die Obergrenze?

Kunden, die das XS-Paket gebucht habenm können bis zu 500 kWh im Monat laden, die mit der S-Flatrate bis zu 750 kWh. Im Paket M ziehen wir die Grenze bei 850 kWh und für Kunden des L-Pakets bieten wir bis zu 1.000 kWh in der Flatrate.

„Die Zuordnung einzelner Fahrzeugtypen ist nicht gesetzt“

Warum ist eine Flatrate für einen Audi E-Tron beispielsweise teurer als für einen Hyundai Ioniq 5? Welche Parameter sind dafür ausschlaggebend?

Die Höhe der Flatrate bemisst sich an einer Vielzahl von Faktoren. Unter anderem ziehen wir dabei die Batteriegröße der Fahrzeuge, die Bauweise sowie die PS zu Rate. Darüber hinaus fließen eine Vielzahl von durch uns erhobene Daten ebenfalls in die Klassifizierung ein. Die Zuordnung einzelner Fahrzeugtypen ist daher nicht gesetzt und kann durch unsere stetige Kontrolle aller Faktoren durchaus noch verändert werden.

Im Herbst 2021 hat Elvah eine Finanzierungsrunde über 3,2 Millionen Euro abgeschlossen. Was haben Sie mit dem Geld vor?

Wir nutzen das Kapital insbesondere, um das B2B-Geschäft weiter auszubauen. Zudem verbessern wir stetig die App-Funktionalitäten. Gerade haben wir zum Beispiel einen Live-Score eingeführt, bei dem unsere Kunden noch zuverlässiger erfahren, ob das Ladeerlebnis an einer Säule gut ist. Auch unsere Internationalisierung treiben wir voran. Aus unserer Sicht ist eine nachhaltige Unternehmensmobilität für eine gelingende Verkehrswende unabdingbar. Unser Ziel ist es, mit der Finanzierung dazu beizutragen.

Sind Sie auch weiter auf der Suche nach Investoren?

Ja, wir sind derzeit mit einigen Investoren und Investorinnen im Gespräch. Bei der Angel-Investment-Runde konnten wir unter anderen folgende Investoren von uns überzeugen: Friedrich Neuman, Venture Partner bei Norrsken VC, Rolf Hansen, Gründer von Simyo und Amaysim Australia sowie der Co-Founder und CEO der Yoovee Mobility Group, Fabian Paul. Wir sind aktuell in weiteren, sehr guten Gesprächen.

Warum geben Ladenetz-Betreiber Ihnen bessere Konditionen als den Endkunden?

Wie bei allen Partnerschaften, sind die Konditionen, die wir von den einzelnen Betreibern erhalten, unterschiedlich. Durch die Größe unseres Kundenstamms und die damit verbundene Reichweite nehmen wir jedoch eine deutlich höheres Volumen als der klassische Endkunde ab. Bei manchen Anbietern wirkt sich das auch auf die Preise aus.

Unser Ziel ist es, nachhaltige Mobilität einfach und für alle zugänglich zu machen. Daher wollen wie für ein begeisterndes Produkt, die Elektromobilität, begeisternde Anwendungen schaffen. Denn aktuell sind die Umstände, insbesondere die Ladelandschaft, alles andere als das.

Gowrynath Sivaganeshamoorthy

Wann wird das Geschäft mit Elvah rentabel sein?

Unser Ziel ist es, nachhaltige Mobilität einfach und für alle zugänglich zu machen. Daher wollen wie für ein begeisterndes Produkt, die Elektromobilität, begeisternde Anwendungen schaffen. Denn aktuell sind die Umstände, insbesondere die Ladelandschaft, alles andere als das. Wir bauen unser Produkt stetig aus, um unseren Kunden noch mehr Service und Komfort im E-Auto-Alltag zu bieten. Dieses Wachstum ist selbstverständlich noch mit einigen Investitionen verbunden. Wir sind allerdings bereits unseren Plänen voraus und schauen daher gespannt in die Zukunft.

Wie groß ist Ihr Team aktuell?

Wir wachsen. Derzeit sind wir rund 30 Personen. Wir suchen im Moment unter anderem Entwickler.

Zum Abschluss: Woher kommt Ihre Begeisterung für die Elektromobilität?

Wir sind überzeugt davon, dass die Verkehrswende nicht ohne Elektromobilität gelingen kann. Viele von uns sind Väter oder Mütter, die ihren Kindern eine lebenswerte Zukunft hinterlassen möchten. Seit mehreren Jahren sind wir außerdem selbst begeisterte E-Autofahrer. Es macht so viel Spaß. Das E-Auto ist die bessere Fortbewegungsart. Nur das Laden macht derzeit (noch) keinen Spaß. Wir sind angetreten, das zu ändern.

Herr Sivaganeshamoorthy, vielen Dank für das Interview!

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