Autohersteller wollen ihre Produkte nachhaltiger fertigen. Dazu gehören weniger klimaschädliche Emissionen als auch eine geschlossene Kreislaufwirtschaft. Aus alten Autos sollen morgen neue werden.
Die Wiederwendung in gleichwertigen Materialien spart Primärrohstoffe. Audi und andere Hersteller beachten dies immer häufiger bei ihren Recyclingansätzen.
(Bild: Audi AG)
Geschredderte PET-Flaschen im Sitzbezug, alte Fischernetze aus Nylon in Fußmatten. Die ersten Schritte der Autohersteller beim Thema Nachhaltigkeit haben stets den Beigeschmack des Greenwashings. Man gibt sich einen ökologischen Anstrich, in dem man im Downcycling autofremde Materialien einsetzt. Doch was passiert mit dem Plastik, Glas und Metall aus Altautos?
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„Bis zu 60 Prozent der Materialien aus einem Altauto lassen sich wieder verwenden“, sagt Johanna Klewitz, Leiterin Nachhaltigkeit Lieferkette bei Audi. Mit ihrem Team und 15 Partnerunternehmen hat sie die technische Machbarkeit des Recyclings von Aluminium, Stahl, Glas und Plastik aus über 100 Altautos untersucht. Stahl konnte zu 90 Prozent wieder eingesetzt werden, Aluminium liegt beim Gesamtdurchschnitt von rund 60 Prozent.
„Uns war dabei wichtig, auf ein Downcycling zu verzichten“, sagt Philipp Eder, Projektleiter für Kreislaufwirtschaft in der Lieferkette bei Audi. Damit ist gemeint, dass aus alten Autoscheiben keine Flaschen oder Dämmmaterial werden. Downcycling beschreibt die Wiederverwendung als qualitativ minderwertigeres Material. Audi will diese Materialkaskade beim Recycling verhindern. Ederer zeigt ein Gurtschloss, dessen Kunststoffummantelung früher ebenfalls ein Bauteil im Auto war. Die Wiederwendung in gleichwertigen Materialien spart Primärrohstoffe. „Als auch bis zu 90 Prozent des Energieeinsatzes – je nach Material“, ergänzt Klewitz.
Soll nicht nach Recycling aussehen
Während bei vielen recycelten Produkten wie beispielsweise Papier der Nutzer durchaus erkennen kann, vielleicht sogar nach außen zeigen soll, dass es wiederverwertet ist, will man das im Autobau vermeiden. Optik und Haptik müssen Qualitätsstandards erreichen – und zwar über die gesamte Lebenszeit eines Autos. „Darum testen wir in so genannten Raffertests Materialien intensiv, um eine lange Nutzungszeit abzubilden“, sagt Roberto Rossetti, Leiter Produktnachhaltigkeit bei BMW. Als Beispiel nennt er eine Alu-Felge, die 70 Tage lang immer wieder mit Salzsprühnebel bei unterschiedlichen Temperaturen befeuchtet und getrocknet wird.
„Damit simulieren wir küstennahes Klima. Die Felge enthält 70 Prozent recyceltes Aluminium“, sagt Rossetti. Nur wenn diese Tests zufriedenstellend verlaufen, geht das Recyclingmaterial in die Serienfertigung. Im elektrischen BMW iX bestehen bereits 30 Prozent des Fahrzeuggewichts aus Sekundärrohstoffen. Das Ziel bei BMW lautet: 50 Prozent.
Nach der Hochvoltbatterie sind Aluminium und Stahl im Autobau die Elemente mit dem größten CO2-Fußabdruck. „Beim Stahl kommen wir aktuell nicht über 25 Prozent Recyclinganteil im weltweiten Durchschnitt, aber auch hier zielen wir auf über 50 Prozent“, sagt Rossetti. Erst wenn in den Hochöfen grüner Wasserstoff die Kohle ersetzt, wird der CO2-Fußabdruck spürbar sinken.
Die Elektromobilität ist Treiber des Recycling-Trends. Angefangen hat es mit der öffentlichen Diskussion um Batterierohstoffe und deren Wiederverwertung. Nun steht das gesamte Auto im Fokus. Doch bei der Materialauswahl bewegen sich die Hersteller in einem magischen Viereck mit den Zielgrößen CO2-Neutralität, Recycling-Materialien, Unbedenklichkeit in Sachen Gesundheit sowie Kundenzufriedenheit. Alle vier Ziele lassen sich nur selten realisieren. Hinzu kommt der kritische Blick der Controller bei den Herstellungskosten. Am Ende gewinnt meist ein Kompromiss.
Wie schwierig die Entscheidungsfindung ist, verdeutlicht Timo Unger, er ist im Hyundai Motor Europe Technikcenter in Rüsselsheim der verantwortliche Manager für den Umweltbereich: „Da entscheide ich mich für ein leichtes Kohlefaser verstärktes Bauteil, weil es über die Nutzungszeit des Autos Kraftstoff spart, doch später ist es schwer zu recyceln und beim Schreddern entstehen giftige Stäube.“
Unger beobachtet im Einkauf bereits zunehmenden Wettbewerb und steigende Preis um Rezyklate wie beispielsweise PET-Flaschen. Neben der Autoindustrie sind auch Möbel- und Modeunternehmen als Aufkäufer aktiv. Diese Entwicklung verstärkt die Notwendigkeit eines „hausinternen“ Recyclings in der Autoindustrie.
Das klimaneutrale E-Auto
Um sich im Wettbewerb abzusetzen, verspricht eine neue Automarke wie Polestar das vollständig klimaneutrale Auto. Mit dem Polestar 0 wollen die Schweden bis 2030 ein klimaneutrales E-Auto auf den Markt bringen. Gemeinsam mit 14 Zulieferer-Unternehmen arbeitet Polestar an der Produktion ohne Treibhausgasemissionen. „Selbst der Transport zum Kunden soll CO2-frei erfolgen“, sagt Fredrika Klarén, Nachhaltigkeitsmanagerin bei Polestar in Göteborg. Zusammen mit ihrem Team hat Klarén eine Methode zur Berechnung der CO2-Emissionen bei Zulieferern als auch in der eigenen Fertigung in China entwickelt.
Polestar ist hier transparent und veröffentlicht auf seiner Webseite die Lebenszyklusanalyse für den Polestar 2. Danach konnte der CO2-Fußabdruck des aktuellen Modelljahres um mehr als eine Tonne reduziert werden. Bis zum Lebensende entstehen in der Herstellung und Verwertung des E-Autos 26 bzw. 27 Tonnen CO2-äquivalente Treibhausgase, je nachdem ob das E-Auto mit einem oder zwei Elektromotoren ausgeliefert wird. Davon entfallen 26 Prozent auf die Batterieproduktion und 63 Prozent auf die übrigen Materialien.
Stand: 08.12.2025
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Recyclingglas im Audi Q4 e-tron
Bei Audi schafft es ein Rohstoff aus dem Recycling-Kreislauf in die Serienfertigung. Ein Jahr lang haben die beteiligten Partner im „Glass Loop“ getestet, wie sich Altglas zerkleinern, von Fremdkörper befreien und als Glasgranulat einschmelzen lässt. „Das Ergebnis ist automobiles Flachglas, das bis zu 30 Prozent Rezyklat-Anteil enthält,“ sagt Eder. Ab September 2023 wird dieses Glas in Form einer Windschutzscheibe im Audi Q4 e-tron eingebaut. Der Hersteller hat sich ausreichend Altglas gesichert, um über die gesamte Serienlaufzeit neue Windschutzscheiben für das E-Auto produzieren zu können.