VW-Chef Diess „Klimaschutz ist günstiger und einfacher als viele wahrhaben wollen“

Autor: Christoph Seyerlein

Bei Linkedin mimt Herbert Diess neben seiner eigentlichen Rolle als Volkswagen-Chef auch zunehmend die des politischen Meinungsmachers. Eines seiner Lieblingsthemen: die CO2-Steuer. Dabei vertritt der 62-Jährige Ansichten, die man so wohl eher nicht von einem Autoboss erwarten würde.

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Volkswagen-Chef Herbert Diess macht sich für eine höhere CO2-Besteuerung stark.
Volkswagen-Chef Herbert Diess macht sich für eine höhere CO2-Besteuerung stark.
(Bild: Volkswagen)

Herbert Diess dreht Volkswagen gehörig auf links. Der Vorstandsvorsitzende will aus dem größten Hersteller von Automobilen mit Verbrennungsmotor binnen kurzer Zeit den führenden Anbieter für Elektroautos machen. Doch der 62-Jährige tritt vor allem beim Karrierenetzwerk Linkedin auch zunehmend als Meinungsmacher zu politischen Themen in Erscheinung. Eines seiner Lieblingsthemen dabei: die CO2-Steuer.

Am Donnerstag teilte Diess nun dazu in einem ganzen Artikel seine Ansicht. Er ist der Meinung: 2026 sollte der CO2-Preis in Europa bei 100 Euro pro Tonne liegen. Zum Vergleich: Deutschland startet 2021 mit 25 Euro pro Tonne, 2026 sollen es 55 bis 65 Euro sein. „Das können wir viel besser“, ist der Topmanager überzeugt.

Als Vorzeigebeispiel führt Diess Schweden an. Dort gibt es schon jetzt einen CO2-Preis von 110 Euro pro Tonne. Pro Kopf liege der CO2-Footprint eines Einwohners dort bei 4,4 Tonnen pro Jahr – und damit nur halb so hoch wie in Deutschland (8,8 Tonnen). Die staatliche Steuerung zeige also Wirkung, und das „ohne, dass der Lebensstandard oder die Wirtschaftsleistung leidet“, ist Diess überzeugt.

Der Volkswagen-Boss ist sich zudem sicher, dass eine CO2-Steuer von 100 Euro pro Tonne sozial gerecht darstellbar wäre. Für wohlhabende Vielreisende – Diess hatte nach eigenen Angaben 2019 einen CO2-Footprint von über 1.000 Tonnen – würde es „deutlich teurer als für den, der einmal im Jahr in Urlaub fliegt.“ Zudem sinke die Belastung für jeden einzelnen, der seinen Fußabdruck verringert. Das zusätzlich eingenommene Geld sollte der Staat dann in Diess' Augen für Verbesserungen des öffentlichen Nahverkehrs und die Entlastung sozial schwächerer ausgeben.

Diesel-Privileg: „Wieso eigentlich?“

Eine für einen Auto-Manager durchaus erstaunliche Forderung bekräftigte Herbert Diess in seinem Beitrag: Er setzt sich für die Abschaffung des Diesel-Privilegs hierzulande ein. Die Mineralölsteuer entspreche bei Benzin rund 280 Euro pro Tonne, bei Diesel seien es aufgrund von Steuervorteilen nur 180 pro Tonne. „Wieso eigentlich?“, fragt sich Diess. Dass Autos damit heute bereits sehr hoch besteuert würden, findet er in Ordnung, da Fahrzeuge im Betrieb weitere Umweltbelastungen verantworten. „Für das E-Auto gilt das aber nicht mehr. Zumindest für eine Gleichstellung des Diesels spricht viel“, meint der Volkswagen-Chef.

Für wohlhabende Vielreisende (z.B. ich selbst mit über 1.000 Tonnen im Jahr 2019) ist die CO2-Steuer deutlich teurer als für den, der einmal im Jahr in Urlaub fliegt.

Herbert Diess

Seinen Beitrag schließt der 62-Jährige mit folgendem Fazit: Ambitionierte CO2-Preise würden den Druck auf fossile Geschäftsmodelle erhöhen. „Klimaschutz ist günstiger und einfacher als viele wahrhaben wollen“, so Diess.

Für seine Haltung bekommt der Topmanager bei Linkedin regelmäßig viel Zuspruch. Doch es gibt auch Kritiker. Gerade Diess' Aussage, Technologieoffenheit sei „ein Illusionstheater“, sorgte für Gesprächsstoff. In den Kommentaren unter jenem Beitrag war beispielsweise zu lesen: „Das BEV [batteriebetriebenes Elektroauto, Anm. d. Red.] führt automatisch zu weniger privaten PKW, weil es für viele zu teuer oder zu wenig alltagstauglich ist. Sie, Herr Diess, werden sich wie Ihre Mitarbeiter und Aktionäre verwundert die Augen reiben. Wenn zigtausende Arbeitsplätze weg und die Gewinne zusammen geschmolzen sind.“

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Über den Autor

 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Redakteur im Ressort Newsdesk bei »kfz-betrieb«