Mobilität Jeder Zweite ist mit dem Mobilitätsangebot in Deutschland unzufrieden

Autor: Christoph Seyerlein

Nicht zufriedenstellend und schon gar nicht innovativ: So bewertet eine Mehrheit der Deutschen das Mobilitätsangebot hierzulande in einer Bitkom-Umfrage. Wie sich das ändern könnte.

Firma zum Thema

79 Prozent der Deutschen sprechen sich dafür aus, Verkehrsdaten öffentlich verfügbar zu machen, um damit das Mobilitätsangebot zu verbessern.
79 Prozent der Deutschen sprechen sich dafür aus, Verkehrsdaten öffentlich verfügbar zu machen, um damit das Mobilitätsangebot zu verbessern.
(Bild: Audi)

Individualmobilität steht in Corona-Zeiten hoch im Kurs. Angst vor einer Infektion machten beispielsweise Fahrräder und das eigene Auto zu Gewinnern der Krise. Doch nicht allein die Pandemie ist das Problem anderer Mobilitätsformen: Auch das Angebot an sich passt vielen Deutschen nicht. Das legt nun zumindest eine Umfrage des Digitalverbands Bitkom unter 1.005 Personen aber 16 Jahren hierzulande nahe.

51 Prozent aller Befragten gaben an, mit dem Mobilitätsangebot in Deutschland unzufrieden zu sein. Gerade einmal 38 Prozent halten es für innovativ. Doch woran liegt das? Aktuell gibt es verschiedene Hürden. So sind einige Mobilitätsdienste aktuell nur in wenigen Städten verfügbar. Darunter leidet ihre Bekanntheit und damit die Akzeptanz in der Gesellschaft. Und dann ist da auch noch der Preis: In einer weiteren Bitkom-Umfrage beklagten zuletzt 73 Prozent, dass Mobilitätsangebote hierzulande schlicht zu teuer seien.

Doch es gibt daneben noch einen weiteren Hebel zur Verbesserung. Bitkom-Präsident Achim Berg erklärt: „Mit einer verantwortungsvollen Datennutzung können wir Verkehr nicht nur komfortabler und sicherer gestalten, sondern auch sehr viel umweltfreundlicher.“

Mit Daten meint Berg in dem Fall Mobilitätsdaten. Diese werden schon jetzt an zahlreichen Stellen erfasst: Auf der Autobahn, an Ampeln, in Bussen oder Bahnen. Allerdings stehen jene Informationen bislang kaum einmal Dritten zur Verfügung. Bitkom sieht darin eine vertane Chance für Mobilitätsanbieter, Digitalunternehmen und Startups, die Angebote zu verbessern.

Deutliche Mehrheit zeigt sich offen

Bleibt die Frage nach dem Datenschutz und ob die Deutschen überhaupt dazu bereit wären, auch ihre eigenen Informationen für solche Zwecke preiszugeben. Glaubt man der Bitkom-Umfrage, steht eine deutliche Mehrheit dem offen gegenüber. Mehr als drei Viertel (79 %) der Befragten unterstützten demnach die Forderung, Verkehrsdaten öffentlich verfügbar zu machen.

Unter bestimmten Umständen würde auch eine deutliche Mehrheit (87 %) ihre eigenen Mobilitätsdaten bereitstellen. Für 58 Prozent käme das infrage, wenn sich dadurch der Verkehrsfluss auf ihren eigenen Routen verbessern ließe. Jeder Zweite wäre dazu dazu bereit, wenn sich so die bestehenden Verkehrsangebote verbessern ließen. Für 42 Prozent wäre eine Veröffentlichung interessant, wenn sie im Gegenzug auch Zugriff auf Statistiken und Informationen aus den Daten bekämen.

Mobilitätsdaten sind viel zu kostbar, um sie in Silos wegzuschließen.

Achim Berg

Jeder Dritte sähe es als Voraussetzung, dass mit den Daten die öffentliche Forschung unterstützt wird. Und 16 Prozent gäben ihre Informationen preis, wenn sie dadurch finanzielle Vorteile hätten. Ohne jegliche Gegenleistung würden 12 Prozent ihre Daten teilen.

Bitkom-Präsident fordert Datenpool

Doch es gibt auch Bedenkenträger: Neun Prozent der Befragten gaben an, eine Veröffentlichung ihrer Mobilitätsdaten kategorisch abzulehnen. Vier Prozent machten keine Angaben.

Für Bitkom-Präsident Achim Berg sind Mobilitätsdaten „viel zu kostbar, um sie in Silos wegzuschließen.“ Er zieht aus der Befragung folgendes Fazit: „Die Bereitschaft der Bürger, die Entwicklung einer digitalen, modernen und ressourcenschonenden Mobilität zu unterstützen, ist groß. Auf dieser Basis muss jetzt ein Pool für Mobilitätsdaten aufgebaut werden.“

(ID:47007269)

Über den Autor

 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Redakteur im Ressort Newsdesk bei »kfz-betrieb«