Interview: Wie sieht die Zukunft der Mobilität in Städten aus?

Autor / Redakteur: Jennifer Reinz-Zettler* / Benjamin Kirchbeck

Urbanisierung ist einer der Megatrends unserer Zeit und stellt (nicht nur) die Verkehrsinfrastrukturen vor enorme Herausforderungen.

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85 Prozent des BIP werden derzeit in Städten erwirtschaftet, vier Prozent davon verlieren wir durch Fahrzeuge, die im Stau stehen.
85 Prozent des BIP werden derzeit in Städten erwirtschaftet, vier Prozent davon verlieren wir durch Fahrzeuge, die im Stau stehen.
(Bild: Audi)

2009 lebten zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten. 2050 werden fast 70 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben. Die Gründe dafür sind vielfältig: attraktive Arbeitsplätze, effiziente Infra- und Mobilitätsstrukturen, vielfältige Freizeit-, Kultur- und Bildungsangebote, eine gute Gesundheitsversorgung – zusammengefasst ein hohes Maß an Lebensqualität.

Immer mehr gut ausgebildete junge Menschen, Familien, ältere Erwerbstätige und auch im Ruhestand befindliche aktive Senioren zieht es in die Städte. Doch die schnell voranschreitende Verstädterung hat einen direkten Zusammenhang mit den Mobilitätsbedürfnissen und stellt vor allem die Verkehrsinfrastruktur vor enorme Herausforderungen. Jennifer Reinz-Zettler, Projektmanagerin Mobilität / Cluster Automotive bei Bayern Innovativ, sprach mit der Direktorin von Urban Standards, Sophie Stigliano, wie man den Herausforderungen zunehmender Verstädterung begegnen beziehungsweise Chancen nutzen kann und welche Rolle dabei die Automobilindustrie einnehmen könnte.

Was sind aus Ihrer Sicht die größten Pain Points in Bezug auf den städtischen Individualverkehr?

Die klassische Antwort wären Begriffe wie Stau, Emissionen, Platzmangel. Allein schon, wenn wir uns die Relation zwischen dem weltweiten BIP und dem Verlust an der Gesamtsumme durch Staus anschauen. 85 Prozent des BIP werden derzeit in Städten erwirtschaftet, vier Prozent davon verlieren wir durch Fahrzeuge, die im Stau stehen. Weltweit gehen Städte massiv und oft auch radikal durch rigorosen Ausschluss gegen den Individualverkehr vor und setzen so neue Rahmenbedingungen, die sich an den ökologischen und wirtschaftlichen Zielsetzungen, aber auch an den Bedürfnissen der Bürger orientieren.

Die wiederum sind aber gern mobil und es braucht neue Systeme, die einen Level of Service bieten, der dem des Autobesitzes mindestens gleichwertig ist. Insofern sind für mich Pain Points eben auch das Verhandeln eines Gesamtsystems, das Individualverkehr neu denkt, dass Zukunftstechnologien mit einplant und sich deren Vorteile zu Nutzen macht. Provokativ ausgedrückt steht dahinter für uns immer wieder die Frage, wie kann der Individualverkehr auch Teil der Lösung werden und die Lebensqualität einer Stadt erhöhen?

Dabei geht es uns um eine Balance zwischen dem Messbarmachen des „Urban Foot Print“, den der Individualverkehr, aber auch das gesamte Mobilitätsangebot hinterlässt und wie man diesen zum Beispiel über Technologien wie alternative Antriebe oder pilotierte Funktionen stadt- und menschenverträglich gestaltet.

Was sind für Sie die wichtigsten Handlungsfelder, wenn es um die Zukunft unserer urbanen Mobilität geht?

Wir koordinieren zusammen mit Gesellschaft für Systeminnovation (GESI) seit über einem Jahr die sogenannte Plattform Urbane Mobilität, die gemeinsam von deutschen Städten und Vertretern der Automobilindustrie ins Leben gerufen wurde. Das Ziel dieser ist es, im Schulterschluss Lösungen für die urbane Mobilität zu diskutieren und dabei gleichzeitig auf die Bedürfnisse der Stadtbewohner einzugehen. Geeinigt hat man sich zunächst auf fünf entscheidende Handlungsfelder für die Zukunft der urbanen Mobilität:

1. Multimodalität/Intermodalität: Um attraktive Angebote machen zu können, müssen wir die unterschiedlichen Verkehrsträger effizient und nachhaltig miteinander verknüpfen. 2. Verkehrsmanagement und Flächennutzung: Der „Urban Footprint", der momentan von Verkehr eingenommen wird, muss reduziert werden, um so Fläche für eine andere Nutzung frei zu machen. Dazu gehört sowohl das Managen von Parkraum als auch die Steuerung des Verkehrsflusses.

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