Ryd „In Deutschland schaffen wir noch in diesem Jahr 100 Prozent geographische Abdeckung“

Das Start-up Ryd ermöglicht es Nutzern, an teilnehmenden Tankstellen die Rechnung digital zu bezahlen, ohne dafür ins Kassenhäuschen gehen zu müssen. Wie gut das bereits funktioniert und wie sich das Start-up auf neue Herausforderungen wie beispielsweise immer mehr E-Autos auf den Straßen einstellt.

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An teilnehmenden Tankstellen ermöglicht die Technologie von Ryd digitales Bezahlen, ohne ins Kassenhäuschen gehen zu müssen.
An teilnehmenden Tankstellen ermöglicht die Technologie von Ryd digitales Bezahlen, ohne ins Kassenhäuschen gehen zu müssen.
(Bild: RYD)

Aussteigen, volltanken, einsteigen, wegfahren – was zunächst nach einem dreisten Sprit-Diebstahl klingt, will das Start-up Ryd legalisieren. Denn mit Hilfe der Technologie der Münchner können Autofahrer an teilnehmenden Tankstellen ihre Rechnung digital begleichen, ohne dafür ins Kassenhäuschen gehen zu müssen.

Ein Komfort-Plus, das viele offenbar zu schätzen wissen. „Wir müssen unsere Kunden von einer ersten digitalen Bezahlung überzeugen. Sie müssen sehen, dass ihnen der Tankstellenpächter nicht hinterherläuft, wenn sie einfach wegfahren. Und das funktioniert. Kunden fahren sogar Umwege, um dieses Feature zu nutzen. Oder sie nutzen dafür auch höherpreisige Tankstellen“, sagt Ryd-COO Johannes Martens.

Im Hintergrund funktioniert das System so: Ryd verkauft den Sprit als Reseller an Endkunden weiter. Das Start-up besitzt den Treibstoff also für einen Moment und behält dann vom Verkaufspreis einen Teil für sich. Die Margen solcher Bezahldienstleistungen sind klassischerweise nicht üppig. Das Geschäftsmodell ist deshalb auf große Mengen ausgelegt.

„Unsere Partner haben mehr als 100 Millionen aktive Kunden in ihren Systemen“

Und die sind zumindest in der Theorie möglich. „Unsere Partner haben mehr als 100 Millionen aktive Kunden in ihren Systemen“, sagt Martens. Zu jenen Partnern zählt beispielsweise BP. Der Großkonzern hat im vergangenen Jahr zehn Millionen Euro in das Start-up investiert. Auch mit anderen namhaften Unternehmen arbeitet Ryd bereits zusammen, beispielsweise Mastercard und Mercedes-Benz. Hinter den In-Car-Payment-Diensten der Schwaben namens „Mercedes me Fuel & Pay“ stecken die Münchner.

Schon jetzt ist Ryd mit seinen Dienstleistungen so weit, dass schwarze Zahlen möglich wären, sagt Martens. „Wir könnten einen positiven Cashflow darstellen. Wenn wir nicht mehr weiter wachsen wollten, wären wir direkt rentabel.“ Vorerst steht aber die Expansion auf dem Plan. Bislang gibt es die Möglichkeit, über Ryd digital zu bezahlen, an etwa 2.000 Tankstellen in Europa. Abgeschlossene Verträge haben die Münchner mit über 12.000.

Perspektivisch will das Start-up mit seinem Dienst möglichst flächendeckend verfügbar sein. „Wir wollen 100 Prozent geographische Abdeckung, das erreichen wir mit 40 Prozent aller Tankstellen in einem Land. In Deutschland werden wir das noch in diesem Jahr schaffen“, zeigt sich Martens optimistisch.

Möglich wird das allerdings nur, wenn sich das Unternehmen nicht vor weiteren Kooperationen verschließt. „Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass sich offene Ökosysteme durchsetzen werden“, sagt der COO. Auch deshalb setzt Ryd nicht allein auf die eigene App, sondern lässt seine Lösung auch in andere Apps integrieren. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Kunde acht verschiedene Apps haben will, um so einen Service überall nutzen zu können“, erläutert Johannes Martens. Vorstellen kann sich das Start-up zudem, mit weiteren Automobilherstellern zu kooperieren. Spannend dürfte zu beobachten sein, was Mercedes davon hält. Schließlich sind die Stuttgarter strategischer Investor bei Ryd.

Bleibt noch die Frage, warum genau Tankstellenbetreiber bei der Geschichte mitziehen. Schließlich könnten ihnen Zusatzgeschäfte aus dem Shop wegbrechen, wenn immer mehr Kunden diesen nicht einmal mehr zum Bezahlen betreten. Ryd wiegelt ab. Studien hätten bereits belegt, dass die Umsätze dadurch nicht sinken. Wer etwas aus dem Shop braucht, wird auch weiterhin dorthin gehen, so die Annahme. Zudem gibt es bereits Versuche, die Technologie für Click-and-Collect-Angebote für Shops zu nutzen. Kunden können dann aus dem Auto heraus beispielsweise Snacks ordern und bezahlen und bekommen diese dann zu ihrem Auto gebracht.

Auch mit weiteren zusätzlichen Dienstleistungen, etwa zur Autowäsche, will Ryd in Zukunft punkten. Schließlich wächst mit zunehmender Verbreitung von Elektroautos auch eine andere Kundenklientel heran. An der Ladesäule verbringen Autofahrer (noch) mehr Zeit als an der Zapfsäule. Der Zeitverlust durch einen physischen Bezahlvorgang ist dadurch eher zu vernachlässigen.

„Wir hoffen ein wenig auf den Airbnb-Effekt“

Hinzu kommt, dass die meisten Ladevorgänge nicht an klassischen Tankstellen stattfinden. Was also tun? Ryd will es vor allem Gelegenheitsladern einfach machen, ohne Rahmenverträge, ohne Mindestabnahmevolumen und Co. Großen Wert legen die Münchner darauf, möglichst viele Ladepunkte abzudecken. 200.000 sollen es zum Start werden. Und auch Wasserstofftankstellen hat das Start-up im Blick. „Wir haben H2 Mobility schon an uns angebunden, wollen auch Elektromobilität einbinden und technologieoffen sein“, sagt Martens.

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Noch gibt es rund um die Idee viele Eventualitäten. Dennoch denken die Münchner groß. „Wir hoffen ein wenig auf den Airbnb-Effekt. Am Ende bleiben europaweit vielleicht ein bis zwei In-Car-Payment-Anbieter übrig. Und wir wollen natürlich dabei sein“, sagt Johannes Martens.

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