Neue Mobilitätskonzepte Wemolo entwickelt digitale Plattform für Shared-Parking

Von Stefanie Eckardt 3 min Lesedauer

Die Mehrfachnutzung von Parkflächen könnte nicht nur ein Problem, sondern gleich drei Herausforderungen lösen: die wirtschaftliche Optimierung von Handelsimmobilien, die nachhaltige Bewirtschaftung von urbanen Flächen und den innerstädtischen Parkdruck. An einer Umsetzung haperte es aber bisher. Nun hat das Münchner Scale-Up Wemolo eine neue Lösung für Shared Parking entwickelt und diese in Innsbruck erprobt.

Wemolo hat bereits über 3.000 Parkflächen in fünf Ländern digitalisiert. Die Systeme erfassen täglich über zwei Millionen Parkvorgänge. (Bild:  Wemolo)
Wemolo hat bereits über 3.000 Parkflächen in fünf Ländern digitalisiert. Die Systeme erfassen täglich über zwei Millionen Parkvorgänge.
(Bild: Wemolo)

“Shared Parking ist keine neue Idee, aber die digitale Umsetzung war bisher die Hürde”, erklärt Bastian Pieper, CPTO und Mitgründer von Wemolo. “Mit unserer technologischen Plattform überführen wir das theoretische Konzept in ein funktionierendes Geschäftsmodell, das für Immobilieneigentümer zusätzliche Erträge, für Einzelhändler Kundenbindung und für Kommunen eine Entlastung des öffentlichen Raums bedeutet.”

Nach erfolgreicher Implementierung und Testphase an acht Standorten einer Lebensmittelkette in Innsbruck können Immobilieneigentümer, Einzelhändler und kommunale Entscheider nun von einem skalierbaren Modell profitieren, das brachliegende Parkflächen außerhalb der Geschäftszeiten monetarisiert.

ESG-konforme Flächeneffizienz für Asset Manager

Für Bestandshalter und Asset Manager im Bereich Handelsimmobilien bietet das Konzept gleich mehrere Vorteile: Neben den direkten Einnahmen aus der Parkflächenvermietung, die je nach Lage und Auslastung zwischen 50 und 80 Euro pro Stellplatz und Monat liegen, steigert die verbesserte Flächeneffizienz die ESG-Performance des Portfolios. “Die Zeit monofunktionaler Flächen ist vorbei”, unterstreicht Jakob Bodenmüller, Co-CEO und Mitgründer von Wemolo. “Immobilieneigentümer stehen unter wachsendem Druck, ihre Assets nachhaltiger zu bewirtschaften. Unser System ermöglicht es, die Parkplatz-Infrastruktur bis zu 24 Stunden täglich zu nutzen – ohne bauliche Veränderungen oder zusätzliche Versiegelung. Das verbessert nicht nur den Flächeneffizienz-Faktor in ESG-Reportings, sondern generiert gleichzeitig neue Cashflows.”

Ein entscheidender Vorteil ist die technische Integration ohne nennenswerte Eingriffe in die Immobilie: Das KI-basierte System funktioniert über Kennzeichenerkennung und digitale Zugangsberechtigungen, sodass keine baulichen Maßnahmen oder Schrankenanlagen erforderlich sind.

Höhere Kundenbindung

Besonders für Lebensmitteleinzelhändler mit Filialen in dicht besiedelten Stadtgebieten eröffnet das System neue Perspektiven. “Die Kooperation mit der lokalen Nachbarschaft schafft Bindung zum Standort und kann die Kundenfrequenz positiv beeinflussen”, erklärt Pieper. “Unsere Daten aus anderen Städten zeigen, dass Anwohner, die ihren Supermarkt auch als Parkplatzanbieter kennen, dort häufiger einkaufen – ein indirekter Loyalty-Effekt.”

Die flexible Tarifstruktur ermöglicht zudem saisonale Anpassungen. Für den Einzelhandel bedeutet eine hohe Kontrolle: Bei besonderen Verkaufsaktionen oder in Hochsaisons lässt sich die Anzahl der verfügbaren Anwohnerstellplätze temporär reduzieren, um Kunden-Parkplätze zu priorisieren.

In Innsbruck wurden bereits acht Standorte aktiviert, mit deutlich positiver Resonanz sowohl seitens der Handelspartner als auch der Nutzer. Ein Beispiel für die Akzeptanz: Seit das Angebot in diesem Jahr freigeschaltet wurde, werden bereits 30 Prozent der für Anwohner freigegebenen Kapazitäten außerhalb der Ladenöffnungszeiten als Stellplatz genutzt – eine signifikante Effizienzverbesserung für die sonst ungenutzten Flächen.

Kritische Parkplatzsituationen entschärfen

Für Städte und Kommunen bildet das Konzept einen wertvollen Baustein in modernen Mobilitätskonzepten. Anders als beim kostenintensiven Bau neuer Parkhäuser oder Tiefgaragen werden bereits bestehende, versiegelte Flächen effizienter genutzt – ganz ohne kommunale Investitionen. “30 Prozent des innerstädtischen Verkehrs entsteht durch Parkplatzsuche", beschreibt Pieper ein großes Problem. “Wenn wir in einem Quartier 100 Anwohnern einen verlässlichen Parkplatz bieten, reduzieren wir nicht nur den Parksuchverkehr, sondern schaffen Raum für eine alternative Nutzung des Straßenraums – sei es für Fahrradwege, Begrünung oder Fußgängerzonen.”

Technische Umsetzung

Die technische Umsetzung basiert auf Wemolos Plattform für digitales Parkraummanagement. Über die Web-App go.wemolo.at können Autofahrer verfügbare Stellplätze buchen – wahlweise tageweise, wöchentlich oder als langfristiges Abonnement.

Die Zugangskontrolle erfolgt per Kennzeichenerkennung, was den Verzicht auf physische Zugangsmedien wie Schranken oder Papiertickets ermöglicht. “Die technologische Einfachheit ist ein entscheidender Erfolgsfaktor”, betont Pieper. “Asset Manager und Retailer müssen sich um nichts kümmern – wir übernehmen Installation, Betrieb, Kundenservice und Abrechnung.”

Skalierbarkeit

Nach dem Start in Innsbruck plant Wemolo, das Konzept in weiteren Städten auszurollen. “Wir sehen enormes Potenzial an Standorten mit hohem Parkdruck und gleichzeitig starker Einzelhandelspräsenz”, erklärt Bodenmüller. “Für Asset Manager und Property Manager bieten wir eine schlüsselfertige Lösung, die ohne Investitionskosten neue Ertragsquellen erschließt und gleichzeitig die ESG-Performance verbessert.” Die Skalierbarkeit des Modells zeigt sich in der Bandbreite möglicher Anwendungsfälle: Neben reinen Supermarktparkplätzen eignen sich Mixed-Use-Immobilien, Fachmarktzentren oder Bürogebäude mit Handelsnutzung im Erdgeschoss für das Shared-Parking-Konzept. (se)

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