Standards TÜV Süd und IEEE: Einheitlicher Bewertungsrahmen für nachhaltige Mobilitätsmodelle

Von Stefanie Eckardt 3 min Lesedauer

Die Mobilität von morgen sollte vor allem eines sein: nachhaltig. Um den Wandel des Ökosystems Mobilität voranzutreiben, spielen alternative Antriebstechnologien, Software-basierte Fahrzeuge oder hochautomatisiertes Fahren eine wichtige Rolle. Voraussetzung ist allerdings, dass alle beteiligten Akteure an einem Strang ziehen. Dem widmen sich der TÜV Süd und das Institute of Electrical and Electronics Engineers.

Der TÜV Süd und IEEE wollen gemeinsam mit Partnern einen einheitlichen Bewertungsrahmen für nachhaltige Mobilitätsmodelle schaffen, damit auch Rechtssicherheit gewährleistet werden kann. (Bild:  frei lizensiert bei Pixabay)
Der TÜV Süd und IEEE wollen gemeinsam mit Partnern einen einheitlichen Bewertungsrahmen für nachhaltige Mobilitätsmodelle schaffen, damit auch Rechtssicherheit gewährleistet werden kann.
(Bild: frei lizensiert bei Pixabay)

From Egosystem to Ecosystem – Collaborative paths to Sustainable Mobility: Unter diesem Titel haben TÜV SÜD, das Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE) und weitere Partner im September ein Expertenpanel auf dem Wissenschaftsgipfel während der Generalversammlung der UN in New York City veranstaltet. Als gemeinsame Ziel will man einheitliche Bewertungsrahmen für nachhaltige Mobilitätsmodelle erarbeiten, die die Anforderungen der UN-Klimaschutzziele erfüllen. „Gesellschaft, wirtschaftliche, soziokulturelle und politische Grundlagen, Infrastruktur: Nachhaltige Mobilität muss zwar überall auf der Welt anders organisiert werden“, erklärte Pascal Mast, Director Sustainable Technologies bei der TÜV SÜD Division Mobility. „Trotzdem brauchen alle Stakeholder global verbindliche Standards und Rechtssicherheit, um die verschiedenen Konzepte umzusetzen und anhand konkreter Werte vergleichen zu können. Nur so werden wir die Mobilität von morgen realisieren können.“

Best Practices erarbeiten und validieren

Im Rahmen dessen sollen zunächst neue Mobilitätssysteme in verschiedenen Ländern und Regionen zum Einsatz gebracht und daraus Best Practices erarbeitet und validiert werden. Grundlage dafür sind neben virtuellen, auch praktische und physische Tests. Fragen, die es zu klären gilt: Wie sieht etwa die beste Infrastruktur aus? Welche Fahrzeuge eignen sich am besten, welche Antriebskonzepte? Wie ist das Verkehrsaufkommen? Wie bewegen sich die Menschen vor Ort bisher? Welche Mobilitätsgewohnheiten gibt es? Konkretes Ziel von TÜV SÜD und den beteiligten Partnern ist es, zertifizierte Testumgebungen für mobile Pilotprojekte zu schaffen, um die Folgenabschätzung für nachhaltige Mobilitätssysteme einschätzen zu können. Als ein Vorbild gilt Paris und damit verbunden die Vision der 15 Minuten – nämlich zu Fuß oder mit dem Rad in 15 Minuten jedes Ziel innerhalb der französischen Hauptstadt erreichen zu können. Weitere Plattformen sind etwa das Centre of Excellence for Testing & Research of Autonomous Vehicles in Singapur oder das China Automotive Technology and Research Center. „Ein wichtiger Punkt für die erfolgreiche Umsetzung neuer Mobilitätskonzepte ist es, die Menschen bei ihren Gewohnheiten abzuholen. Die Schwelle muss niedrig sein, damit etwa selbstfahrende Mikrobusse oder Schienenfahrzeuge angenommen werden“, unterstreicht Alexander Kraus, CTO Division Mobility bei TÜV Süd.

Vorhandende Infrastruktur nutzen

Wie nachhaltige Mobilität aussehen kann, das hat Doreen Orishaba, Managing Director BasiGo aus Ruanda beim UN-Summit dargestellt. Denn nachdem in Nairobi die bestehenden Verbrennerbusse durch Modelle mit Elektroantrieb ersetzt wurden, hat sich die Luftqualität spürbar verbessert. Man hat sich hier für E-Busse entschieden, weil die Menschen in Nairobi hauptsächlich damit unterwegs sind. „Man muss mit der Infrastruktur vor Ort arbeiten. Das sorgt nicht nur für Zustimmung, sondern auch für niedrigere Kosten“, betont Orishaba.

Partnerschaft über den Wettbewerb hinaus

Volkswagen, BMW, Toyota, Tata/TCS, Geely, Lockheed Martin, Waymo, Schaeffler, Cisco, Apple, Duke Energy, Enel City of Austin, City of Vienna, MITRE, SAE International; DIN, CATARC, Swiss Re, Intel, CATARC, Allianz – mehr als 30 Organisationen nehmen an dem Projekt teil. Die Liste zeigt auch: IEEE bringt Unternehmen zusammen, die zum Teil im Wettbewerb stehen.

Neue Standards bis 2028

Das Projekt wird im Rahmen des Industry Connection Program IC23-011-01 „SustainMobility“ der IEEE SA etabliert. Erste Ziele sind Workshops bei diversen Veranstaltungen wie dem Weltwirtschaftsforum in Davos im Januar 2025 und dem G7/G20 Global Solution Summit im Mai 2025 in Berlin. Dort soll zunächst die Sichtbarkeit erhöht werden. Pascal Mast, Chair der Industry Connection: „Durch kollektives Handeln auf Basis einer standardisierten Grundlage kann die Mobilitätsbranche den Kurswechsel schaffen und einen entscheidenden Beitrag zur Bewältigung der Klimakrise leisten.“

Bis 2028 wollen die Partner neue Standards für eine ganzheitliche Bewertung der Nachhaltigkeitsauswirkungen von Mobilitätssystemen unter IEEE SA entwickeln. Die Standards werden die wesentlichen Elemente der 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen umfassen. Dazu gehören etwa die Dekarbonisierung, Sicherheit, der gesellschaftliche Wandel, die Erschwinglichkeit, Zugänglichkeit und Akzeptanz.  (se)

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