Nyobolt In 5 Minuten auf 90 Prozent: Britisches Start-up arbeitet an neuer Super-Batterie

Schon mal von Niobwolframoxid (NWO) gehört? Wir nicht. Doch Forschenden der Cambridge University zufolge könnte das Material der Batterietechnik weiteren Schub verleihen. Was es mit dem NWO auf sich hat.

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Noch kürzere Ladezeiten könnten die Akzeptanz der Elektromobilität weiter steigern.
Noch kürzere Ladezeiten könnten die Akzeptanz der Elektromobilität weiter steigern.
(Bild: EnBW)

Schon heute erreichen State-of-the-art-Elektroautos an Schnellladern gute Ladekurven. 80 Prozent Nachladen in weniger als einer halben Stunde ist mittlerweile nahezu Standard. Kritiker bemängeln, dass die Dauer damit aber immer noch deutlich über der eines Tankvorgangs bei einem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor liege. Neuigkeiten aus der Batterieforschung machen nun Hoffnung, dass sich die Stromer den Verbrennern weiter annähern könnten.

Ein Beispiel dafür ist das Start-up Nyobolt, dass Forschende der Cambridge University gegründet haben. Sie wollen nicht nur deutlich schnelleres Laden ermöglichen, sondern auch dafür sorgen, dass Batterien dabei nicht überhitzen. Das Mittel der Wahl der Briten: Niobwolframoxid (NWO). Klingt sperrig, soll als Anoden-Material aber vorteilhafter sein als das derzeit normalerweise eingesetzte Grafit.

Erste Prototypen mit NWO-Anode sollen laut den Forschenden um Clare Grey ermutigende Ergebnisse gezeigt haben. Entsprechende Batterien hätten sich in weniger als fünf Minuten zu 90 Prozent aufladen lassen. Wie erhofft habe sich dabei auch weniger Wärme entwickelt.

Die Briten führen das auf die mangelnde Beweglichkeit der Lithium-Ionen in derzeit gängigen Batterien zurück. In Niobwolframoxid könnten sich diese deutlich schneller bewegen und einlagern als in Grafit. Die Diffusionslänge soll bei NWO in Versuchen 33 mal länger gewesen sein als bei Grafit, wie das Portal „Heise“ berichtet.

Bald schon in der Formel-E?

Das hat auch den Effekt, dass die Batterie beim Laden weniger stark erhitzt: Mit maximal 40 Grad Celsius war sie in Versuchen weit von den 60 Grad Celsius entfernt, die für die Langlebigkeit eines Akkus als gefährlich gelten. Selbst nach mehreren hundert Zyklen hätten die Prototypen von Nyobolt noch etwa 90 Prozent ihrer ursprünglichen Speicherkapazität gehabt. Ziel der Forschenden sei es nun, mehr als 10.000 Ladezyklen problemlos zu stemmen, schreibt Heise. Das wären zehnmal so viele, wie herkömmliche Lithium-Ionen-Batterien aktuell schaffen.

Für die ersten Versuche hat Nyobolt Staubsaugerroboter und Spielzeugautos hergenommen. Der nächste Schritt könnte nun ein Einsatz in den Rennautos der Formel-E sein. Erste Kontakte sollen bereits geknüpft worden sein. Perspektivisch wollen Clare Grey und ihr Team die Technologie so weiterentwickeln, dass sie vor allem auch in kleineren Elektroautos eingesetzt werden kann. Auf dem Weg in die Serie sollen auch Investoren helfen. In einer Serie-A-Runde hat das Start-up kürzlich zehn Millionen US-Dollar eingesammelt.

Einen Prestige-Erfolg konnten die Briten zudem letzte Woche in Berlin verbuchen: Dort wurde ihre Entwicklung bei der Falling-Walls-Konferenz als „Durchbruch für Batterien der nächsten Generation“ ausgezeichnet.

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