Elektromobilität Hinstellen, anschließen, konfigurieren: Eon bringt „Plug & Play“-Schnelllader von Volkswagen auf den Markt

Autor: Christoph Seyerlein

Ein neuer Schnellladepunkt bedeutet für einen Anbieter großen Aufwand und hohe Kosten. Eon will beides nun minimieren – und setzt dabei auf eine Lösung aus dem Hause Volkswagen. Was die „Plug & Play“-Ladesäulen leisten sollen.

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Volkswagens Technik-Vorstand Thomas Schmall (li.) und Eon-Vertriebsvorstand Patrick Lammers haben in Essen den ersten „Eon Drive Booster“ in Betrieb genommen.
Volkswagens Technik-Vorstand Thomas Schmall (li.) und Eon-Vertriebsvorstand Patrick Lammers haben in Essen den ersten „Eon Drive Booster“ in Betrieb genommen.
(Bild: Volkswagen)

Die Installation von Schnellladern für Elektroautos ist normalerweise mit enormem Aufwand verbunden. In der Regel muss dafür der Netzanschluss angepasst werden, häufig sind Tiefbaumaßnahmen notwendig. Eon bietet interessierten Unternehmen nun eine Lösung, die solche Maßnahmen umgeht. Einem sogenannten „Eon Drive Booster“ soll ein normaler Stromanschluss völlig ausreichen.

An den Säulen können zwei Elektroautos gleichzeitig mit bis zu 150 Kilowatt laden. In einer Viertelstunde sollte so im Durchschnitt genügend Energie für 200 Kilometer bezogen werden können.

Säulen könnten auch wie eine Powerbank funktionieren

Möglich wird das, da die Ladesäulen ihren Strom nicht ausschließlich direkt aus dem Stromnetz bekommen, sondern auch über einen internen Batteriespeicher verfügen. Rein technisch benötigen die Säulen dadurch sogar keinen Netzanschluss. Sie können auch wie eine Powerbank eingesetzt werden. „Das war einst unsere Grundidee“, sagte ein Eon-Sprecher im Gespräch mit »Next Mobility«. Allerdings stünde man dabei vor der Herausforderung, die internen Speicher regelmäßig nachzuladen.

Hersteller der Säulen ist ein großer Name: Hinter dem Produkt steht die Volkswagen Group Components. Der Wolfsburger Konzern bezeichnet die Drive Booster als „Plug & Play“-Ladesäulen. Hinstellen, anschließen, online konfigurieren – der Aufwand und damit auch die Kosten sollen sich im Vergleich zu herkömmlichen Ladepunkten enorm in Grenzen halten. Dem Eon-Sprecher zufolge soll der finanzielle Aufwand in etwa halb so groß sein. Dementsprechend müssten interessierte Kunden mit etwa 150.000 Euro pro Drive Booster rechnen.

Um E-Autos noch attraktiver zu machen, brauchen wir viele und leistungsfähige Ladesäulen. Denn rund ein Drittel der Deutschen kauft keine E-Autos, weil für sie die Zahl der Ladesäulen nicht ausreicht.

Patrick Lammers, Eon-Vertriebsvorstand

Eon-Vertriebsvorstand Patrick Lammers sagte bei der Inbetriebnahme des ersten Drive Boosters am Dienstagabend in Essen: „Um E-Autos noch attraktiver zu machen, brauchen wir viele und leistungsfähige Ladesäulen. Denn rund ein Drittel der Deutschen kauft keine E-Autos, weil für sie die Zahl der Ladesäulen nicht ausreicht.“ Mit den Plug & Play-Säulen wolle man Unternehmen und Kommunen ein Angebot mit möglichst geringem Aufwand unterbreiten.

Eon plant mit fünfstelligem Absatz

Als Zielgruppe hat Eon beispielsweise Supermärkte im Blick. Diese könnten die Säulen nach ihrem Geschmack branden und beispielsweise auf den Displays auch Werbung ausspielen. Bei der Eröffnung in Essen sagte Lammers, dass der Energieanbieter einen Absatz von etwa 13.000 Drive Booster-Säulen in den kommenden Jahren hierzulande anbietet. Zum Vergleich: In Europa zählt Eon aktuell rund 15.000 eigene Säulen.

Volkswagens Technik-Vorstand Thomas Schmall sagte am Dienstagabend: „Wir nehmen den Ausbau der Ladeinfrastruktur selbst in die Hand.“ Bis 2025 wolle man gemeinsam mit Partnern die Zahl der Schnelllader in Europa verfünffachen. Eon sei der erste Anbieter in Deutschland, der die Plug & Play-Lösung in Deutschland mit ins Portfolio aufnehme. Weitere dürften folgen. Beispielsweise kooperiert Volkswagen beim Ausbau des Ladenetzes in Europa auch mit BP.

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Fachredakteur Next Mobility