Elektromobilität Fliegen wie Superman: Zeva Aero stellt elektrisches Ein-Personen-UFO vor

Zeva Aero will ein elektrisch senkrecht startendes und landendes Fluggerät (eVTOL) als Ein-Personen-Lufttaxi auf den Markt bringen. Nach Vorstellung des Herstellers sollen Nutzer damit ähnlich wie Superman durch die Luft schweben können. Als reines Spaßgerät ist der Zeva Zero aber nicht gedacht.

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Zeva Aero will mit einem Ufo-artigen Fluggerät durchstarten.
Zeva Aero will mit einem Ufo-artigen Fluggerät durchstarten.
(Bild: Zeva Aero)

Sich einmal so fühlen wie Superman? Vielleicht bald kein Problem mehr. Der US-Hersteller Zeva Aero hat nun ein Ein-Personen-Ufo vorgestellt, das so etwas ermöglichen soll. Das Zeva Zero ist eine Kohlefaserscheibe mit einem Durchmesser von etwa 2,4 Metern und einem Bruttogewicht von 317 Kilogramm, in deren Mitte sich ein Hohlraum in der Größe einer Person befindet. An der Vorderseite und an der Rückseite sind jeweils zwei Antriebskaskaden mit zwei koaxial montierten Elektrostützen angebracht.

Die Akkus mit etwa 20 kWh im ersten Prototyp und 25 kWh im ersten geplanten Serienmodell sind in den Seiten der Scheibe untergebracht, aufgeteilt in eine Reihe verschiedener Pakete. Diese werden in doppelwandigen Kohlefaserboxen voneinander isoliert, die ständig überwacht werden und im Falle eines Batteriebrandes sowohl Hitze als auch giftige Gase aus dem Flugzeug ableiten können. Eine weitere Trennwand isoliert die Batteriebereiche vom Passagierraum.

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In das Flugzeug steigt man über eine zusammengesetzte, klappbare Heckklappe ein, die leicht nach vorne geneigt ist. Man stützt sich mit Brust und Bauch darauf ab, schließt die Luke hinter sich und ist dann bereit zum Fliegen. Das Zeva Zero hebt senkrecht ab und geht innerhalb von etwa 20 Sekunden in einen horizontalen Flugmodus über, in dem die gesamte Scheibe zum Auftrieb erzeugenden Flügel wird.

Der obere Propeller ist für VTOL und Schwebeflug optimiert, der untere hat Blätter mit größerer Steigung, die für den Reiseflug bei höheren Geschwindigkeiten optimiert sind. Bei einer bestimmten Geschwindigkeit werden die oberen Propeller angehalten, entriegelt und flach an die Scheibe geklappt, um den Luftwiderstand zu verringern.

Das Zeva Zero fliegt dann mit einer Geschwindigkeit von bis zu 257 km/h. Die maximale Reichweite liegt bei 80 Kilometern. Für den Landeanflug verlangsamt das Gerät die Geschwindigkeit, neigt die Nase wieder nach oben, klappt die oberen Schwebepropeller ein und landet mit dem Heck, sodass man wieder auf den Füßen steht.

Zeva Zero soll autonom fliegen

Zeva-CEO Stephen Tibbits beschreibt frühe Versionen als „optional gesteuert“. Sie setzen auf eine weitgehend standardmäßige Drohnensteuerung, die Ihre Eingaben an den Steuerknüppeln aufnimmt und sie mit anderen Informationen von Kameras und Sensoren rund um das Flugzeug kombiniert. Danach entscheidet sie, was genau an den Elektromotoren passieren muss. Letztendlich ist es das Ziel der Entwickler, dass diese Dinge autonom funktionieren.

Warum sollte man ein Flugzeug auf diese Weise konstruieren? „Um es einfach zu halten“, lächelt Tibbits. „Je weniger bewegliche Teile, desto zuverlässiger ist es. Dieses spezielle Design ist das Ergebnis einer Entwicklungsbesprechung, die wir im Vorfeld des von Boeing gesponserten GoFly-Preises durchgeführt haben. Eine der Anforderungen war, dass das gesamte Flugzeug in eine 2,6 Meter große Kugel passen musste, und wir wollten unsere Flügelfläche innerhalb dieses Bereichs maximieren.“

Ideales Fluggerät für Ersthelfer und Rettungsdienste

Das Ergebnis könne beispielsweise für Ersthelfer, Such- und Rettungsdienste interessant sein, so Tibbits. „Wir gehen dahin, wo andere nicht hinkommen. Meine Überlegung ist, dass diese Dinge nicht in der städtischen Umgebung gebraucht werden. Das ist der letzte Ort, an dem wir sie einsetzen werden, wenn wir erst einmal Tausende von Stunden hinter uns gebracht haben.“ Besonders für Länder wie Indonesien könnte das Fluggerät eine spannende Option darstellen. „Dort gibt es 17.000 Inseln, viele davon ohne viel Infrastruktur“, sagt Tibbits.

Und warum ist der Zeva Zero nur für eine Person konstruiert? Tibbits erklärt: „73 Prozent von uns pendeln allein, also macht es für uns Sinn, dass unser erstes Fluggerät für eine einzelne Person konzipiert ist – 257 km/h mit einer Reichweite von 80 Kilometern? Das eröffnet eine Menge Möglichkeiten.“

Der Zeva wird also mechanisch sehr einfach sein – mehr oder weniger ein Oktokopter mit intelligenter Flugdynamik und einem großen Reiseflugflügel. Laut Tibbits wird er auch leicht in Serie zu fertigen sein: „Wir können im Wesentlichen Verbundwerkstoffteile mit einer großen Presse ausstanzen“, sagt er. Sein Team schätzt den Preis auf etwa 250.000 US-Dollar pro Stück.

Von Vorteil gegenüber anderen Fluggeräten könnte die Größe sein. „Wir können sechs oder sieben Zeva Zero auf demselben Platz parken, auf dem man beispielsweise ein Elektroflugzeug von Joby Aviation parken müsste“, sagt Tibbits. „Ersthelfer können mehrere in einer Garage abstellen, bereit zum Fliegen. Reiche Leute können sie auf ihren Yachten haben, um auf effizient zwischen Schiff und Land zu gelangen, ohne einen Hubschrauber instand halten zu müssen. Und wir können sie auf viel kleinerem Raum landen. Wir können in einer Sackgasse starten und landen oder an anderen Orten, wo eine Spannweite von über 10 m ein Handicap darstellt.“

Bemannte Flüge schon bald möglich?

Bislang hat das Zeva-Team ein Modell im Maßstab 1:8 durch alle Flugphasen geflogen. Jetzt hat das Unternehmen einen Prototyp in Originalgröße gebaut, der derzeit „fast täglich“ an Seilen fliegt. „Innerhalb von drei oder vier Wochen“ soll er für den Übergangstest in einer ferngesteuerten Konfiguration bereit sein. Tibbits hofft darauf, dass bemannte Flüge binnen „drei bis sechs Monaten, vielleicht auch weniger“ stattfinden könnten. Sobald man einen sicheren Flug demonstriert habe, werde man als Experimentalflugzeug eingestuft und könne dann mit dem bemannten Flug beginnen. „Wir werden Hunderte von Flugstunden benötigen, bevor wir einen Menschen in die Maschine setzen können, und wir müssen auch unseren ballistischen Fallschirm installieren und gründlich testen“, kündigt der Entwickler an.

Laut Tibbits wäre das Zeva-Fluggerät einfach genug, um es in Form einer Vorzertifizierung zu verpacken und als Versuchsflugzeug für Inhaber von Privatpilotenlizenzen zu verkaufen. „Wir denken über diese Idee nach, aber ich weiß nicht, wie sie sich entwickeln wird“, sagt er. „Wir wollen den kommerziellen und den First-Responder-Aspekt nicht aus den Augen verlieren.“ Diese seien wichtig und eine gute Nutzung der Technologie.

Für manche Nutzer wird der Zero aber nichts sein. „Man kann sagen, dass jeder, der nicht in der Lage ist, auf einen tausend Fuß hohen Steg zu steigen, wahrscheinlich sowieso mit der Flugposition mit dem Gesicht nach unten Probleme haben wird“, so Tibbits. „Schwindelfreie brauchen sich nicht zu bewerben.“

So finanziert sich Zeva

Bleibt noch die Frage, woher das Geld für die Umsetzung kommt. „Zeva finanziert sich im Moment teilweise selbst. Es gab eine Investitionsrunde im Familien- und Freundeskreis“, sagt Stephen Tibbits. „Wir haben aber auch die Türen für Kleinanleger über die Crowdfunding-Plattform Start Engine geöffnet.“ Im nächsten Schritt will das Unternehmen nun weitere Prototypen bauen und testen, um zunächst auf dem Markt für Ersthelfer, Such- und Rettungsdienste und im Verteidigungssektor Fuß zu fassen. „Wir werden uns dem Verbrauchermarkt zuwenden, sobald wir die volle Autonomie erreicht haben“, kündigt der CEO an.

Fragezeichen, ob es für eine kommerzielle Zertifizierung reicht, bleiben. Schließlich braucht man dafür sehr viel Kapital. Von bis zu einer Milliarde Dollar ist die Rede. „Ich habe Ausdauer und die Fähigkeit, Programme mit sehr begrenzten Budgets durchzuführen“, entgegnet Tibbits. „Wir haben einen ehemaligen Boeing-Mitarbeiter ins Team geholt, dessen Fachwissen sich auf Flugtests und Zertifizierung bezieht.“

Zudem habe Zeva den Vorteil, nicht zu den ersten zu gehören, die so etwas machen. „Wir können also bis zu einem gewissen Grad von Joby, Beta und anderen profitieren. Ich denke, die Zertifizierung wird teuer und zeitaufwändig sein, aber ich glaube nicht, dass sie in die Milliarden-Dollar-Kategorie fallen wird“, sagt Tibbits. Doch der Unternehmer gibt auch zu: „Es wird ein harter Kampf werden, aber wir sind gespannt, wie sich dieses kleine elektrische UFO entwickeln wird. Das Flugerlebnis wird kaum zu übertreffen sein, und der kleine Prototyp sieht so schnell und wendig aus, dass man sich das Potenzial des Zero als eine Art Sport-VTOL für Rennfahrer vorstellen kann. “

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