Zweiräder Fahrräder bleiben knappes Gut im Handel

Quelle: dpa

Corona und die gefälligen Elektro-Antriebe haben in Deutschland einen wahren Radel-Boom ausgelöst. Doch die Pandemie sorgt auch für anhaltende Lieferengpässe und höhere Preise.

In Deutschland wurden im vergangenen Jahr rund 4,7 Millionen Fahrräder verkauft.
In Deutschland wurden im vergangenen Jahr rund 4,7 Millionen Fahrräder verkauft.
(Bild: gemeinfrei/Pixabay)

Die Kunden in dem kleinen Fahrradladen der Familie Sehmer in Saarbrücken stellen immer wieder die gleichen Fragen: „Habt ihr was? Kann ich was bestellen?“ Fahrräder mit und ohne Elektromotor sind auch im dritten Pandemie-Sommer ein knappes Gut, das auf eine anhaltend hohe Nachfrage trifft. Die Fahrrad-Industrie sieht sich zwar grundsätzlich lieferfähig, doch gerade anspruchsvolle Kunden mit genauen Vorstellungen gehen immer häufiger leer aus oder müssen am Ende Kompromisse eingehen.

„Die Läden sind nicht leer gekauft“, sagt Tim Salatzki, Technik-Experte beim Zweirad-Industrieverband (ZIV) in Berlin. Die Hersteller arbeiten nach seinen Angaben auf Hochtouren und gehen trotz anhaltender Schwierigkeiten in der Lieferkette davon aus, ihren Rekordumsatz von 2021 übertreffen zu können. Allerdings werde nicht jeder Kunde sein Wunschrad erhalten, eine gewisse Kompromissbereitschaft etwa bei Farbe oder einzelnen Ausstattungskomponenten sei notwendig.

Verkauf klassischer Fahrräder zurückgegangen

In Deutschland wurden im vergangenen Jahr rund 4,7 Millionen Räder verkauft, von denen 2 Millionen einen elektrischen Antrieb hatten. Die E-Bikes und Pedelecs legten im Vergleich zum Vorjahr weiter leicht zu. Beim Verkauf der klassischen Fahrräder gab es hingegen ein deutliches Minus (2,7 Millionen im Vergleich zu 3,09 Millionen). Mit dem rasant wachsenden E-Anteil stiegen die Durchschnittspreise (1.395 Euro pro Rad) ebenso wie der Gesamtumsatz auf 6,56 Milliarden Euro.

Schon 2021 mussten die Einzelhändler den Mangel verwalten. „Entsprechend der eingeschränkten Warenverfügbarkeit verlagerte sich die Beratung eher in eine ‚Verteilung der Ware‘ an die Endkunden“, notiert der Handelsverband Zweirad (VDZ). Preissteigerungen sind auf diesem „Verkäufermarkt“ die zwangsläufige Folge. Ukraine-Krise, anhaltende Lieferprobleme bei den meist aus Asien importierten Teilen sowie die stark gestiegenen Rohstoffpreise heizen den Markt auch 2022 an.

Kleine Händler mehr betroffen als große Filialisten

Laut VDZ haben einzelne stark nachgefragte Marken von den Händlern bereits detaillierte Stückorder für das Jahr 2023 verlangt. Die allgemeine Knappheit treffe kleine stationäre Händler, die früher sehr flexibel über den Großhandel agieren konnten, sehr viel stärker als Online-Anbieter und große Filialisten. Bereits im vergangenen Jahr verringerte sich so das Angebot sportlicher Bikes ohne Elektroantrieb extrem.

Michael Bachmann von „Micha‘s Rad-Atelier“ in Koblenz berichtet beispielsweise, dass sein Umsatz beim Verkauf von Neurädern im vergangenen Jahr um rund 40 Prozent gegenüber 2020 eingebrochen sei. „2021 war der erste große Break, und dieses Jahr wird es extrem sein“, befürchtet er. Von den 123 Rädern, die er für diese Saison bestellt habe, seien noch 97 Lieferungen offen. Und ständig würden die Termine weiter geschoben.

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