Analyse Elektroautos übertrumpfen in Westeuropa erstmals Diesel-Modelle

Als der Diesel-Skandal im Herbst 2015 aufflog, war noch rund jedes zweite neue Auto in Westeuropa ein Diesel. Es folgte ein ungebremster Absturz. Im Dezember zogen nun sogar erstmals Elektroautos an den Selbstzündern vorbei. Ein Analyst prognostiziert, wie es im laufenden Jahr weitergehen könnte.

Während Diesel-Modelle in Europa immer weniger gefragt sind, trumpfen Elektroautos zunehmend auf.
Während Diesel-Modelle in Europa immer weniger gefragt sind, trumpfen Elektroautos zunehmend auf.
(Bild: Volkswagen)

Vor knapp sechseinhalb Jahren flogen die Diesel-Betrügereien des Volkswagen-Konzerns auf. Seitdem befinden sich Modelle mit Selbstzünder-Motor in vielen Regionen auf Talfahrt. In Westeuropa kam es im Dezember 2021 nun gar zu einer Zeitenwende: Erstmals kamen laut einer Analyse von Schmidt Automotive Research mehr neue Elektroautos auf die Straßen als Diesel-Fahrzeuge. BEVs erreichten demzufolge in den 18 Märkten (EU-Staaten vor der Osterweiterung 2004 plus Norwegen, Schweiz, Island und Großbritannien) im vergangenen Monat mit 176.100 Neuzulassungen einen Marktanteil von 20,5 Prozent, während Diesel-Autos mit 161.000 Einheiten 18,6 Prozent erreichten.

Aufstieg und Fall von Elektroautos und Diesel-Modellen in Westeuropa in einer Grafik.
Aufstieg und Fall von Elektroautos und Diesel-Modellen in Westeuropa in einer Grafik.
(Bild: Schmidt Automotive Research)

Rund um das Bekanntwerden von Dieselgate hatten die Selbstzünder-Modelle in Westeuropa zeitweise noch über 50 Prozent aller Neuzulassungen ausgemacht, während Elektroautos lange nur im Promille-Bereich unterwegs waren.

Dass die BEVs nun erstmals die Diesel-Modelle überflügeln konnten, hat in den Augen von Matthias Schmidt mehrere Gründe. Beispielsweise steigen die Zulassungen von Tesla in Europa für gewöhnlich immer zum Quartalsende an. Wie bereits 2020 nutzten zudem einige Hersteller die Registrierung von Elektroautos wohl als taktisches Mittel, um die eigenen CO2-Bilanzen aufzupolieren. Und dann ist da ja noch der Chipmangel: Mancher OEM priorisierte in der Produktion zuletzt margenstarke Modelle. Diese haben aber häufig eine miese Klima-Bilanz. Als Ausgleich wurden in den Werken auch Elektroautos seltener hinten angestellt, um so die CO2-Bilanzen im Griff zu behalten.

Prognose für 2022: Wachstum ja, aber gemäßigter

Für 2022 erwartet Matthias Schmidt in Westeuropa weiteres E-Auto-Wachstum. Allerdings dürfte sich dieses nicht mehr derart schlagartig fortsetzen wie zuletzt. Schmidt rechnet mit 1,54 Millionen neuen Elektroautos im laufenden Jahr. Das wären 350.000 Einheiten oder 29 Prozent mehr als 2021. Da der Analyst auch insgesamt von einer Erholung der Märkte ausgeht, wird der Marktanteil von BEVs im Gesamtjahr allerdings vergleichsweise moderat von 11,2 Prozent auf 12,6 Prozent zulegen.

Am stärksten dürfte die Eröffnung der Tesla-Fabrik in Grünheide das Wachstum der Elektroautos in Europa antreiben, prognostiziert Schmidt. Elon Musk und Co. wollen dort in den kommenden Wochen den Betrieb aufnehmen. Zudem würden einige Hersteller die Stromer auch wieder vermehrt als taktisches Mittel einsetzen, um die CO2-Ziele einzuhalten, wenn sich die Chipproblematik löst und auch Modelle mit Verbrennungsmotoren wieder besser verfügbar sind, erwartet der Analyst.

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