Mikromobilität E-Scooter im Unfall-Check: Elektrisch, schnell – und gefährlich?

Autor / Redakteur: dpa / Tanja Schmitt

Sie sind klein, unkompliziert und schnell: Seit Mitte 2019 dürfen E-Scooter auf deutschen Straßen umher flitzen. Nun liegen neue Unfallzahlen vor. Experten sehen ihre Warnungen bestätigt.

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E-Scooter sind besonders in den Großstädten ein gewohnter Anblick.
E-Scooter sind besonders in den Großstädten ein gewohnter Anblick.
(Bild: Tier)

Sieben Tote und hunderte Verletzte hat die Polizei bei Unfällen mit E-Scootern nach den bisher verfügbaren Zahlen im vergangenen Jahr registriert. 269 Fahrer der mithilfe von Batterien betriebenen Roller wurden zwischen Januar und September schwer verletzt, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte. 1.096 erlitten leichte Verletzungen.

Insgesamt registrierte die Polizei demnach 1.570 Unfälle mit den Elektrokleinstfahrzeugen, bei denen es Tote oder Verletzte gab. Die Zahlen sind nur bedingt aussagekräftig, da wegen der Corona-Pandemie die Anbieter von Leihrollern ihren Betrieb zwischenzeitlich einschränkten oder ganz aussetzten.

Mehr Unfälle seit Corona

Die Zahl der E-Scooter-Unfälle mit Personenschaden stieg im Frühjahr und Sommer an: Zwischen Januar und März wurden 252 aufgenommen, zwischen April und Juni 417. Am höchsten war die Zahl den Angaben zufolge zwischen Juli und September mit 901 Unfällen: Vier Menschen wurden dabei getötet, 145 schwer und 627 leicht verletzt. Die Scooter-Unfälle werden erst seit Anfang 2020 extra erhoben.

Für den Straßenverkehr zugelassen sind die kleinen Roller in Deutschland seit Juni 2019. Ab 14 Jahren darf man sie ohne Prüfung steuern – auf dem Radweg. Fehlt dieser, müssen die maximal 20 Stundenkilometer schnellen Gefährte die Straße benutzen. Besetzt sein dürfen sie nur von einer Person.

Wo E-Scooter nicht fahren dürfen

Siegfried Brockmann von der Unfallforschung der Versicherungen sieht in den nun verfügbaren Zahlen Befürchtungen bestätigt. Insgesamt seien bei den E-Scooter-Unfällen 1696 Verunglückte gezählt worden, darunter 1372 Fahrer der Roller. Jeder Fünfte sei also beispielsweise ein Fußgänger oder Radfahrer gewesen. Dies zeige, dass E-Scooter „massiv“ auf Verkehrsflächen unterwegs seien, auf denen sie gar nicht fahren dürften, auf Bürgersteigen und in Fußgängerzonen etwa.

Auf stark befahrenen Straßen seien die Fahrer tatsächlich gefährdet, sagt der Unfallforscher. Dass viele Radwege überlastet seien, davor sei schon vor der Zulassung der Scooter gewarnt worden. Doch wohin mit ihnen? Eine Lösung hat auch der Experte nicht parat. Die Datenlage sei derzeit noch zu dünn, um Aussagen zu treffen - auch darüber, ob die kleinen Flitzer ihren groß beworbenen Zweck, zur Verkehrswende beizutragen, überhaupt erfüllten.

Einheitliche Nutzungsbedingungen

Helfen würden laut Brockmann vorerst EU-weit einheitliche Nutzungsbedingungen, etwa ein Sachkundenachweis wie ein Mofa-Führerschein. Scooter wurden häufig von Touristen genutzt, die von den deutschen Vorschriften nichts wüssten. Die Anbieter von Leih-Fahrzeugen müssten zudem verpflichtet werden, mittels des sogenannten Geofencing die Scooter automatisch von Fußgängerzonen fern zu halten. Brockmann geht bei den Unfällen von einer „sehr, sehr großen Dunkelziffer“ aus.

Der TÜV-Verband mahnt, jetzt im Winter mit Scootern besonders vorsichtig zu fahren. Viele Menschen stiegen auf die Roller aus Angst vor Ansteckung mit dem Coronavirus um, anstelle Bus oder Bahn zu benutzen. Doch diese seien wie Fahrräder oder Motorräder besonders anfällig für rutschige oder glatte Fahrbahnen. Bei starker Schnee- oder Eisglätte sollte man auf keinen Scooter steigen, rät der TÜV-Verband. Er fordert, die Fahrzeuge müssten mit Blinkern, Helmen und größeren Reifen ausgestattet werden.

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