Die Perspektiven der Automobilindustrie

Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Eine neue Rangfolge der Top-OEMs, der Aufstieg der E-Mobilität und die Erkenntnis, dass die Revolution der Mobilität nicht zu weniger, sondern zu mehr Verkehr führen wird. Ein Überblick über die Perspektiven der Automobilindustrie

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Die neuen Mobilitätskonzepte, die durch Sharing und autonomes Fahren möglich werden, treiben die fundamentale Veränderung der Automobilindustrie voran. Für 2018 erwarten wir ein spannendes Jahr, in dem die angestoßenen Veränderungen deutlicher zum Tragen kommen“, erläutert PwC-Partner Kuhnert.
Die neuen Mobilitätskonzepte, die durch Sharing und autonomes Fahren möglich werden, treiben die fundamentale Veränderung der Automobilindustrie voran. Für 2018 erwarten wir ein spannendes Jahr, in dem die angestoßenen Veränderungen deutlicher zum Tragen kommen“, erläutert PwC-Partner Kuhnert.
(Bild: Gemeinfrei / CC0 )

„Die Struktur der Automobilindustrie hat sich 2017 sichtbar gewandelt, indem sich die Gruppe der Weltmarktführer neu konsolidiert hat. Auch unter der Oberfläche hat die Transformation begonnen. Im Rückblick wird 2017 vielleicht einmal als das Jahr gelten, in dem sich die automobile Zukunft zum ersten Mal klar gezeigt hat. Die Anbieter neuer Technologien und innovativer Produkte haben auch 2017 große Erfolge feiern können“,analysiert Felix Kuhnert, PwC Partner und Global Automotive Leader.

Das vielleicht beste Beispiel hierfür ist China. Obwohl der dortige Markt in diesem Jahr nach der Verringerung einer Steuersubvention nur um voraussichtlich 2,4 Prozent (nach 13,3 Prozent in 2016) wächst, steigt die Produktion batteriebetriebener Autos nach PwC-Hochrechnungen auf knapp 400.000 Stück – was einer Versechsfachung binnen 24 Monaten entspricht.

Zusätzlich hat sich in China ein Markt von über einer Million rein batteriebetriebener Kleinfahrzeugen etabliert, die Elektromobilität in China zu einem Massenmarkt machen. Unterm Strich handelte es sich damit 2017 bereits bei jedem 20. neu in China verkauften Wagen um ein reines Elektrofahrzeug – die zukünftigen Anforderungen an Flottenverbrauch und NEV-Credits werden diesen Anteil auch bei größeren Fahrzeugen schnell weiter wachsen lassen.

In den USA erwartet PwC Autofacts einen Rückgang des Neuwagen-Absatzes um 1,8 Prozent auf 17,14 Millionen Einheiten. Zum Teil wurde der zyklische Rückgang durch den Ersatzbedarf nach der Hurrikan-Saison aufgefangen, der auf bis zu 300.000 Fahrzeuge geschätzt wird. Gleichzeitig hält der Trend in Richtung sogenannter „Light Trucks“ – also Pickups, SUVs, Geländewagen und Minivans – an. Sie machen inzwischen mehr als 60 Prozent des Absatzes aus.

In Folge dieser Entwicklung werden immer mehr klassische Pkw-Modelle eingestellt und durch margenstarke „Crossover-Baureihen“ auf der Basis von Pkw-Plattformen ersetzt. Für 2018 prognostiziert PwC einen weiteren zyklischen Rückgang des Gesamtmarkts um 2,4 Prozent auf dann 16,7 Millionen Einheiten. Gleichzeitig sind die USA allerdings auch der Markt, in dem mit Tesla der bisher einzige reine Anbieter von Elektrofahrzeugen operiert und mit neuen Modellen weiter wächst.

Europa bleibt auf Wachstumskurs – mit punktuellen Schwächen

In vielen europäischen Ländern ist die Wachstumsdynamik weiterhin intakt. Zwischen Januar und November wurden nach Angaben der ACEA in der EU und EFTA-Region 14,9 Millionen Neuwagen (Pkw) zugelassen. Das bedeutete ein Plus von 4,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, obwohl der zweitgrößte Markt – Großbritannien – bis Ende des Jahres um 5,1 Prozent schrumpfen könnte. Gleichzeitig befinden sich die großen Märkte in West- und Südeuropa in einem anhaltenden Aufschwung, der von den kleineren Ländern in Zentraleuropa noch unterstützt wird.

2018 wird in Summe eine weitgehende Stabilität des EU-Marktes bei 15,7 Millionen Neuzulassungen für Pkw und 2,0 Millionen leichten Nutzfahrzeugen erwartet. Die aktuelle Erneuerung des Bestands an Dieselfahrzeugen wird durch Rückkaufprogramme und alternative Antriebe getrieben und etabliert sich zusehends als Wachstumstreiber.

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